Mitte April nutzten zahlreiche Zahnärzte einen Nachmittag in Nürnberg, um ihr Wissen in puncto Kompositrestaurationen aufzufrischen. Prof. Dr. Roland Frankenberger, Direktor der Abteilung für Zahnerhaltung an der Zahnklinik Marburg, gab den Teilnehmern im Hands-on-Workshop von Kulzer neben einem Update zur adhäsiven Zahnmedizin mit Komposit auch praktische Kniffe für den Praxisalltag mit auf den Weg.

Auch wenn die Anzahl der Zahnfüllungen laut kassenärztlicher Bundesvereinigung in Deutschland stetig sinkt, ist eine regelmäßige thematische Auffrischung für Zahnärzte Pflicht. Denn in den vergangenen Jahren hat sich nicht nur bei den Füllungsmaterialien, sondern auch in puncto Behandlungsmethodik einiges getan. „Egal, welche Füllung und welches Vorgehen gewählt werden, das Ziel sollte immer sein, möglichst viel vom gesunden Zahn zu erhalten. Der Bohrer ist für eine gesunde Pulpa das größte Risiko und sollte möglichst sparsam eingesetzt werden“, so das Credo des Referenten.

Wer die Wahl hat

Gerade weil die adhäsive Zahnmedizin heute so viele Möglichkeiten zum Zahnerhalt bietet, ist eine genaue Prüfung der zahnmedizinischen Ausgangssituation unerlässlich. Denn nicht immer ist eine Restauration des vorhandenen Zahns sinnvoll. Wenn sich der Behandler jedoch für eine Restauration entscheidet, ist abzuwägen, welches Füllungsmaterial für den Patienten auf Dauer die wirtschaftlichere ist. „Nach unseren zahlreichen klinischen Studien erreicht Komposit eine Lebensdauer von zehn oder sogar mehr Jahren “, sagte der Experte. Im Anschluss stellt sich die Frage nach dem passenden Adhäsiv. Ist ein Etch-and-Rinse-System oder ein selbstätzendes System die geeignetere Lösung? Erfüllt ein Ein- oder ein Zweiflaschen-System die Anforderungen? Welche Adhäsivmaterialien sind geeignet? „Ich war früher kein Freund von Einflaschenadhäsiven. In den vergangenen Jahren hat sich die Qualität der simplifizierten Adhäsive jedoch dramatisch verbessert, sodass ich heute gern auf Universaladhäsive zurückgreife. Mein Tipp: Verwenden Sie entweder ganz alte oder ganz neue Adhäsive. Hier treten die wenigsten postoperativen Hypersensibilitäten auf“, so Frankenberger.

Von der Pflicht …

Nach dieser theoretischen Einführung zeigte Frankenberger Schritt für Schritt, wie eine Restauration im Seitenzahnbereich mit Kompositen gelingt. Erfolgsentscheidend: Die Kontamination durch Speichel oder Blut sollte möglichst vermieden werden, da sonst der Haftverbund leiden kann. „Legen Sie möglichst einen Kofferdam, um den betroffenen Zahn besser vom restlichen Mundraum abzuschirmen“, riet Frankenberger. Um einen guten Abschluss zwischen Zahn und Füllung zu gewährleisten, wird zunächst ein Teilmatrizensystem angelegt. Um paramarginalen Frakturen im Schmelz vorzubeugen, ist es hilfreich, den approximalen Schmelz leicht anzuschrägen. Anschließend empfiehlt sich die sogenante Lining-Technik mit einem Flowable wie zum Beispiel Venus Diamond Flow von Kulzer. Danach folgt die Inkrementtechnik inklusive Modellation mit einer PCP12-Parodontalsonde, wobei jede Schicht für rund 20 Sekunden polymerisiert wird. Für den Erfolg der Behandlung ist es zudem wichtig, dass das Adhäsiv bis in die Tiefen des Dentins richtig aushärtet. „Halten Sie die Lampe und fixieren Sie noch mit einem Finger der anderen Hand. So stellen Sie sicher, dass die betroffene Stelle korrekt aushärtet und die Lampe nicht ins Komposit gelangt“, empfahl der Referent und entfernte die Matrizen. Danach stieg er ins Scaling ein. Zum Schluss entfernte er die Überschüsse mit einer Soflexscheibe und polierte die Fissuren mit Arkansasstein und Occlubrush. Nach dieser Anleitung wurden die Teilnehmer selbst aktiv, denn solche Restaurationen sind in Praxen Alltag.

… bis zur Kür

Die Kür beginnt bei Restaurationen im Frontzahnbereich, denn hier kommt es primär auf Ästhetik und Fluoreszenz an. „Bei einer Kompositfüllung im Frontzahnbereich trage ich hinter den Frontzähnen zunächst Silikon auf. Dies unterstützt die Formgebung der Zähne. Die Mitte der Schneidekante ritze ich anschließend ein und schneide das überstehende Silikon ab. Um die approximale Kontour zu formen, stecke ich zwei Tofflemire-Matrizen approximal hochkant in den Silikonschlüssel“, erläuterte Frankenberger. Im Anschluss trug er Dentinmasse palatinal auf den Silikonschlüssel und Schmelzmasse approximal auf. Mit einer Microbrush verteilte er die Dentinmasse noch einmal palatinal. Danach applizierte er die Clearmasse zwischen die Mamelons. Eine PA-Sonde massierte das Material ein. Zuletzt erfolgte das Polieren. „Das ist ein super Tipp, den probiere ich gleich aus“, freute sich Dr. Lavinia Dassler aus Schwaig. „Dann sind jetzt Sie dran“, animierte der Referent die Teilnehmer, „es ist einfacher als Sie denken.“

Interessierte können sich online unter www.kulzer.de/zahnarztfortbildungen zu weiteren Terminen des Hands-On Workshops mit Prof. Dr. Frankenberger anmelden:
• Freitag, den 7. Juni 2019 in Chemnitz
• Freitag, den 18. Oktober 2019 in Freiburg

Bilder: Kulzer/picture alliance/Boxler