Als die Bundesregierung die größte Rückholaktion aller Zeiten startete, waren auch viele junge Zahnmediziner unter den Rückkehrern. Anfangs ging man von insgesamt 100.000 Menschen – darunter Urlauber, Mitarbeiter von Unternehmen und viele Freiwillige – aus, mittlerweile liegt der Stand bei mehr als 200.000 Personen, die sich in die Listen der Botschaften auf den Wartelisten für die Rückholaktion des Auswärtigen Amts eingetragen hatten.

Gerade die Semesterferien im Frühjahr sind bei Studierenden und jungen Kolleginnen und Kollegen sind sehr beliebt für ein Praktikum oder einen Hilfseinsatz im Ausland. Und dies blieb in diesem Frühjahr nicht ohne Folgen: Es waren allein 100 Studierende, die sich nach Afrika, Asien oder Amerika aufgemacht hatten. Durch den entsprechenden Förderantrag beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) ist diese Zahl gut nachvollziehbar. Bei anderen Gruppen kann nur geschätzt werden. In aller Regel gehen die Freiwilligen mit einer Organisation ins Ausland, die sich nun auch um die Rückführung gekümmert hat. Und dies war nicht immer einfach, zumal viele Freiwilligen etwa in Nepal oder Indien weitab von den großen Metropolen tätig sind.

Für Verantwortlichen bei der Hilfsorganisation DIANO, Dental International Aid Networking Organisation, die allein gut 50 Freiwillige in der Karibik zu betreuen hatte, entpuppte sich die Rückholaktion als ein enorm zeitaufwendiges Unterfangen: Telefonate und Gespräche mit Botschaften, Fluggesellschaften und den Krisenstäben hielten sich an keine Tageszeiten, dienten sie doch letztlich nur einem: Alle Freiwilligen wohlbehalten zurückzubringen!

Keine Alternative zur Rückreise

Dabei konnte die Reaktion kaum unterschiedlicher ausfallen: Während die Angehörigen zu Hause immer mehr in Panikmodus verfielen, waren die Betroffenen unterwegs meist sehr entspannt und versuchten, die Zeit entsprechend zu nutzen. Zu tun gibt es wahrlich genug. Vor allem die Studierenden waren mit dem Prophylaxe-Programm für Schulkinder gut ausgelastet, von den anstehenden zahnmedizinischen Behandlungen ganz zu schweigen. Erst als das öffentliche Leben auch in den Zielgebieten immer mehr zurückgefahren wurde, wuchs der Wunsch, zurückzukehren.

Auch wenn es im Angesicht tropischer Temperaturen nicht immer leichtfiel, es gibt keine Alternative zur Rückreise. Die medizinische Versorgung ist in keinem der Länder mit der hiesigen vergleichbar, und spätestens dann, wenn die Pandemie auch die Traumgegenden erreicht, werden auch dort die Krankenhausbetten für die einheimische Bevölkerung gebraucht. Dennoch ist vielen der Schritt nicht leichtgefallen, zu sehr ist man mit den Menschen vertraut geworden und man will gar nicht dran denken, wenn Corona mit voller Wucht die medizinisch weniger versorgten Gebiete trifft! Die Rückholaktion kam so aber gerade noch rechtzeitig, denn das Leben ist in vielen Ländern sehr schwierig geworden. Nicht selten haben die Menschen schlichtweg Angst vor dem, was noch kommen mag.

Schwierige Bedingungen für die Rückreise

Doch die Rückreise erwies sich als nicht ganz komplikationsfrei: Durch die Schließung von Flughäfen, Ausgangssperren und Check Points entstand eine völlig neue Situation. Während manche Länder sehr frühzeitig und besonnen reagiert hatten, reagierten andere spät, dafür aber mit umso radikaleren Maßnahmen. Jamaika zum Beispiel ließ frühzeitig keine neuen Touristen mehr ins Land, sorgte aber für eine geregelte Rückholung.

Die Dominikanische Republik hatte innerhalb von 24 Stunden alle Flughäfen komplett dicht gemacht, so dass eine geregelte Rückholung nicht mehr möglich war. Hier bedurfte es viel Überzeugungsarbeit von diplomatischer Seite, um diesen Gordischen Knoten zu lösen.

In einigen asiatischen Ländern ist es bis heute nicht möglich, dass Rückreisewillige überhaupt an den Flughafen kommen: beim ersten Check Point der nationalen Sicherheit werden sie zurückgewiesen, wodurch die Betroffenen mittlerweile in einer sehr schwierige Lage sind.

Großer Andrang auf den Flughäfen

Hatte man es erstmal an den Flughafen geschafft, stand die nächste Probe bevor: Viel zu viele Menschen warteten eng gedrängt und die Abfertigung dauerte Stunden! Viele Menschen kamen an ihre Grenzen, dennoch war es bewundernswert, wie die Botschaftsangehörigen trotz der chaotischen Zustände in den Abflughallen, wo Tausende auf ihren Rückflug warteten, immer ruhig und freundlich geblieben sind.

Im Vergleich zu dem, was man von Reisenden aus anderen Ländern zu hören ist, hat unser „Reisebüro Maas“ sehr gute Arbeit geleistet und tut das immer noch! Allein diese Ansammlung an verängstigten Menschen, denen nicht selten die Panik ins Gesicht geschrieben war, sorgte für Anspannung. Hatte man irgendwann endlich den Sitz im Flieger eingenommen, war die Erleichterung deutlich sichtbar.

Allein Condor hat 67.000 Deutsche zurückgeholt und wird auch noch weiterhin im Einsatz sein Unter #homewithcondor gibt es auf Twitter weitere Informationen zur Rückholung. Da es immer noch Rückreisewillige gibt, die sich noch im Ausland befinden, werden sie gebeten, sich unbedingt beim Auswärtigen Amt oder unter www.condor.com/fly-home zu registrieren.

Doch nicht alle konnten bislang von der Notwendigkeit, jetzt zurückzukehren, überzeugt werden. Manche waren gar nicht erreichbar, andere schlicht zu weit weg von der Zivilisation. Und der eine oder andere wollte gar nicht zurück, sondern lieber in der Ferne bleiben. Bleibt zu hoffen, dass auch sie irgendwann gesund zurückkommen!

Tobias Bauer, Singen

Titelbild: Flugzeug über Jamaika. Foto: Craig F Scott/Shutterstock.com