Einen Appell, die ärztliche Verantwortung wahrzunehmen, und Solidarität in der Gesellschaft zu üben, verbunden mit Informationen zum aktuellen Stand der Versorgung und der Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung der Zahnarztpraxen, haben der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer und der Präsident der BZÄK, Dr. Peter Engel, am Sonntagabend (22. März 2020) an die zahnärztliche Kollegenschaft gerichtet.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (Foto: KZBV/axentis.de)

„Wir stecken in einer bundes-, ja weltweiten Krise, die durch das Coronavirus verursacht worden ist. Und wir wissen, dass wir den Höhepunkt dieser Krise längst noch nicht erreicht haben. Verbunden damit greifen Unsicherheit und die Angst um sich, sich selbst, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und seine Patientinnen und Patienten nicht ausreichend vor Infektionen schützen zu können und somit zu einer ungewollten Ausbreitung des Virus beizutragen. Hygieneartikel und spezielle Schutzkleidung fehlen überall und sind auf dem freien Markt auch nicht zu beschaffen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Sorgen. Unsere Praxisbetriebe stehen wegen der Corona bedingten Umsatzeinbußen schon jetzt vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen, die sich mit zunehmender Dauer der Krise drastisch verschärfen könnten“, heißt es in dem Aufruf, der auf der Internetseite der KZBV und der Internetseite der BZÄK veröffentlicht wurde.

Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (Foto: BZÄK/Lopata)

Engel und Eßer erklären: „Seien Sie auch an dieser Stelle noch einmal versichert, dass wir beide, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der KZBV und in der BZÄK ebenso wie die Vorstände und Präsidien in den zahnärztlichen Länderkörperschaften mit den KZVen und LZÄKn unermüdlich bemüht sind, alles zu tun, um unseren Beitrag zu leisten, diese Krise zu bewältigen.“ Sie stünden im engen Kontakt mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem Minister. Erste Lieferungen von Schutzausrüstungen und Hygieneartikeln sollen kommende Woche an die KVZen gehen und von dort an die Zahnarztpraxen verteilt werden. Man versuche zudem weiterhin selbst Nachschub zu beschaffen.

Minister sagt zeitnahe gesetzliche Regelung zu

Im Entwurf für die Unterstützung der Krankenhäuser und Ärzte wegen der Folgen der Corona-Epidemie, der seit 21. März 2020 kursiert, waren die Zahnärzte nicht explizit berücksichtigt worden. Daraufhin hatten die Spitzen der Körperschaften erneut das Gespräch mit dem Minister gesucht. Zur geforderten wirtschaftlichen Absicherung heißt es jetzt im Aufruf: „Der Minister weiß um die besondere Exposition der Zahnärzteschaft und kennt aus unseren Darstellungen die aktuellen Sorgen und Nöte des Berufsstandes. Er wird uns nicht mit den Problemen der Krise alleine lassen. Heute morgen hat er uns zugesagt, nach den Krankenhäusern und Ärzten zeitnah für eine gesetzliche Regelung zu sorgen, die die wirtschaftliche Sicherung der Zahnarztpraxen in dieser Krise gewährleisten soll.“

Notversorgung und Schließungen nur durch staatliche Stellen

Engel und Eßer beziehen auch noch einmal Stellung zur Frage der Praxisschließungen: „Vehement wird zurzeit von vielen Kolleginnen und Kollegen gefordert, die Praxen zu schließen oder auf einen strengen Notdienstplan umzustellen. Aus diesem Grund möchten wir noch einmal eindringlich an Sie alle appellieren, Ihrer Verpflichtung, den Menschen zu helfen, gerade in Zeiten einer großen gesundheitlichen Krise durch vorbildliches ärztliches Handeln nachzukommen. Nicht erforderliche Behandlungen sollten nicht mehr durchgeführt und die Hygienevorschriften sowie das Infektionsschutzgesetz penibel eingehalten werden, um die Menschen genauso wie Personal bestmöglich vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen.

Unter Hinweis auf die gesetzlichen und vertraglichen Regelungen zur Erfüllung des Sicherstellungsauftrages, zu dem sich jeder Vertragszahnarzt verpflichtet hat, möchten wir auch noch einmal darauf hinweisen, dass generelle Praxisschließungen nicht von uns verordnet werden können. Nur staatliche Behörden sind befugt, Praxisschließungen oder eine Notversorgung anzuordnen.“

Solidarität in der Krise

Beide appellieren auch an die Solidarität, die in dieser Krise gefordert sei. „Vergessen wir bei allen nachvollziehbaren Nöten nicht, dass wir nicht die einzigen sind, die vor größte Probleme und Herausforderungen gestellt sind. Menschen um uns herum verlieren in diesen Zeiten zum Beispiel ihre Existenzgrundlage, ihre sozialen Kontakte und Unterstützung, auf die sie dringend angewiesen sind.“ Auch die Politik und die Mitarbeiter in Ministerien und Behörden seien auf diese Solidarität angewiesen. „Wir haben größten Respekt vor dem Krisenmanagement des Ministers und der enormen Arbeitsleistung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BMG. Dies gilt selbstverständlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Organisationen.“

Zahnärzte werden genau beobachtet

„Im Bewusstsein der Tatsache, dass man niemals alles richtig und gut machen kann, möchten wir Ihnen noch einmal versichern, dass wir alles geben, um unseren Beitrag zu leisten. Beschimpfungen, Nörgeleien und Besserwisserei sollten im Umgang miteinander und gegenüber Verantwortlichen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Berufsorganisationen genauso wie das Schüren von Unsicherheit und Panikmache in der Kollegenschaft verpönt sein und keinen Platz haben.“

Die Menschen würden „uns Zahnärzte ganz genau beobachten und sich ein Bild davon machen, wie wir uns in der Krise verhalten“. „Lassen Sie uns alle, jeder an seinem Platz, zusammenhalten und vorbildlich und verantwortungsvoll handeln, dann werden wir nicht nur die Corona Krise überstehen, sondern auch als Berufsstand und Heilberufler gestärkt aus ihr hervorgehen. In diesem Sinne danken wir Ihnen sehr für Ihr verantwortungsvolles Handeln“, heißt es abschließend.

Den vollständigen Appell lesen Sie auf der Internetseite der KZBV und der Internetseite der BZÄK.

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