„Jetzt zahlt es sich natürlich aus, dass Zahnärzte Experten für Hygiene sind.“ Diesem Statement von BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel schlossen sich auch der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer und DGZMK-Präsident Prof. Dr. Roland Frankenberger gerne an. Alle drei aber treiben angesichts der aktuellen Corona-Pandemie und der Folgen mit Blick auf die zahnärztliche Versorgung, die Existenz der Praxen und die Situation an den Universitäten in Forschung und Lehre Sorgen um.

Nach ihrer gemeinsamen Diskussionsrunde beim Deutschen Zahnärztetag „Mein Kongress – online kompakt“ am 13. November 2020 haben sie ihre Positionen und Forderungen in einem gemeinsamen Statement bekräftigt und erneuert. Angesichts der erneuten dynamischen Zunahme des Infektionsgeschehens und des Teil-Lockdowns in Deutschland betonen die drei Spitzenorganisationen der Zahnärzteschaft den hohen Stellenwert der Zahnmedizin für das Gesundheitssystem im Kampf gegen die Pandemie und fordern die Politik zum entschlossenen Handeln gegen die Krise und deren Folgen für die zahnärztliche Versorgung auf. (Die Aufzeichnung des fachlichen Programms des Deutschen Zahnärztetags und der anschließenden politischen Diskussion kann im Blog abgerufen werden.)

Konkrete Hilfen eingefordert

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) versicherten, dass die Versorgung aller Patienten bei maximalem Infektionsschutz weiterhin bundesweit sichergestellt werde. Ängste vor einer Infektion im Rahmen eines Zahnarztbesuches seien aufgrund hoher Hygienestandards unbegründet. Zugleich forderten sie einmal mehr konkrete Hilfen ein, um dringend benötigte Versorgungsstrukturen zu erhalten. Alle drei Organisationen bedanken sich bei den Zahnärztinnen, Zahnärzten und ihren Teams sehr herzlich für ihren Einsatz unter diesen schwierigen Bedingungen.

Videostatement des Bundesgesundheitsministers

Mit einem Videostatement von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war der Online-Kongress eröffnet worden. Spahn dankte darin den Zahnärzten und ihren Mitarbeitern erneut für ihre Arbeit und ihre großen Leistungen in der Versorgung der Patienten. Zugleich erläuterte er noch einmal, warum es derzeit keine andere Schutzschirm-Konstruktion für die Zahnärzte gebe. Er nehme aber die Sorgen und Nöte der Zahnärzte ernst und stehe im engen Austausch mit den Vertretern der Zahnärzteschaft, bekräftigte er.

Politik-Bashing nicht hilfreich

Der KZBV-Vorstandsvorsitzende Eßer mahnte in der Diskussion an, dass Politik-Bashing zwar kurzzeitig sicher Luft verschaffe, aber nicht hilfreich sei und die Anliegen der Zahnärzte nicht weiterbringe. Bei aller Betroffenheit sei es wichtig, konstruktiv zu bleiben. Gleichzeitig forderte er die Zahnärztinnen und Zahnärzte auf, mit Briefen, E-Mails etc. an die Politik mit den Sorgen der Zahnärzte heranzutreten und die Probleme deutlich zu machen, zum Beispiel durch die besonderen Belastungen in der Pandemie, aber auch durch die steigende Zahl von MVZ.

Politische Diskussion beim Deutschen Zahnärztetag „Mein Kongress – online kompakt“ mit dem KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer, Moderatorin Harriet Heise, DGZMK-Präsident Prof. Dr. Roland Frankenberger und BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel (von links oben). (Screenshot: Quintessence News)

Engel wies ebenfalls auf die zunehmende Vergewerblichung der Zahnmedizin hin. Zahnarzt sei ein Heilberuf, man dürfe ihn nicht zu einem Gewerbe machen. Als Heilberuf sei er nur dem Patienten und der Gesellschaft verpflichtet, dass müsse man auch der Politik immer wieder deutlich vor Augen führen. Ihre Kernaussagen fassten sie in der Folge der Diskussion noch einmal in pointierten Statements zusammen.

„Politik darf Augen nicht länger verschließen“

Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV: „Mit Recht baut die Bevölkerung gerade jetzt mitten in der Pandemie auf eine verlässlich funktionierende flächendeckende und wohnortnahe Versorgung auf hohem qualitativem Niveau bei maximalem Infektionsschutz. Schon während des ersten Lockdowns haben wir Zahnärzte mit unseren Praxisteams bewiesen, dass auf uns zu 100 Prozent Verlass ist und von der zahnmedizinischen Versorgung keine Infektionsrisiken ausgehen. Auch jetzt, da uns die zweite Welle mit voller Wucht getroffen hat, leistet der Berufsstand ohne zu klagen unter großem Einsatz und Anstrengungen einen ganz wesentlichen Beitrag zur Pandemiebewältigung und bietet darüber hinaus seine Unterstützung bei Test- und Impfmaßnahmen der Bevölkerung an. Zunehmend viele Praxen können aber inzwischen die pandemiebedingten wirtschaftlichen Folgen alleine nicht mehr schultern und sind existenziell bedroht. Die Politik darf nicht länger die Augen vor diesen Problemen verschließen und muss gezielte Hilfe leisten, wenn sie nicht verantworten will, dass dringend benötigte Versorgungsstrukturen unwiderruflich verloren gehen.“

Appell an Patienten und Politik

Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK: „Weder für Zahnärzte noch für Praxisteams und Patienten besteht ein besonderes Infektionsrisiko, wenn die bekannten Hygieneregeln bei der zahnmedizinischen Behandlung beachtet werden – das zeigen Studien weltweit. Es gibt keine nennenswerten Infektionszahlen im Umfeld zahnärztlicher Praxen und Kliniken. Die hohen und in der Pandemie noch einmal erhöhten Hygienemaßnahmen haben sich vollumfänglich bewährt. Patienten sollten ihre Behandlungen und Prophylaxetermine wie gewohnt wahrnehmen, um schädliche Folgen zu vermeiden – eine gute Mundgesundheit bedarf einer regelmäßigen Kontrolle und Untersuchung in der Praxis. Die anhaltende Corona-Krise hat aber zunehmend negative ökonomische Auswirkungen auf die Zahnarztpraxen: junge Kollegen überlegen sich zweimal, ob sie jetzt in die Niederlassung gehen, frisch Niedergelassene kämpfen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und teilweise sogar um ihre Existenz, ältere Kollegen geben ihre Praxis früher als geplant ab. Wenn sich dies verstetigt, wird es zu gravierenden Problemen in der Fläche kommen. Hier fordere ich die politischen Verantwortungsträger zum Gegensteuern auf.“

Schon jetzt massiv unterfinanzierte Uni-Medizin weiter belastet

Prof. Dr. Roland Frankenberger, Präsident der DGZMK: „Die DGZMK sieht mit großer Sorge, dass das bereits zuvor zum Teil massiv unterfinanzierte System der Universitätszahnmedizin durch die Pandemie bis an seine Grenzen und darüber hinaus belastet wird. Die klinische Ausbildung der Studierenden der Zahnmedizin am Patienten in den Semestern 7 bis 10 war bereits im vergangenen Sommersemester mitunter stark kompromittiert. Mit der zweiten Welle zum Beginn des bereits gestarteten Wintersemesters steht nun zum zweiten Mal ein Ausbildungssemester in der klinischen Zahnmedizin auf der Kippe. Wenn in den vier Semestern klinischer Ausbildung nun für manche Jahrgänge 50 Prozent der Arbeit am Patienten eingeschränkt oder an Phantompuppen durchgeführt wird, können die Hochschullehrer eine derart defizitäre Ausbildung kaum mehr verantworten. Hier werden von der Politik mancherorts dringend die notwendigen Mittel benötigt, um unter den derzeit herrschenden Bedingungen die Sicherheit von Studierenden und Patienten im Sinne einer erfolgreichen Weiterführung der Behandlungskurse zu gewährleisten. Die Alternative wären Verzögerungen im Studienablauf („Null-Semester“) beziehungsweise eine Verlängerung der Regelstudienzeit. Die universitäre Umsetzung der Novelle der zahnärztlichen Approbationsordnung zum Wintersemester 2021/22 ist davon in gleichem Maße betroffen.“

Die komplette Diskussion kann wie die Fachvorträge und das Statement von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Kongress-Blog in der Aufzeichnung (noch bis ca. Mitte Dezember 2020) abgerufen werden.

Titelbild: Politische Diskussion beim Deutschen Zahnärztetag „Mein Kongress – online kompakt“ mit dem KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer, Moderatorin Harriet Heise, DGZMK-Präsident Prof. Dr. Roland Frankenberger und BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel (von links oben). (Screenshot: Quintessence News)