Die gründliche Desinfektion des aufbereiteten Wurzelkanalsystems ist die Voraussetzung für den Erfolg einer endodontischen Behandlung. Doch wie erreicht man alle Kanäle, Isthmen, Abzweigungen, ohne angrenzende Gewebe zu schädigen? Und wie entfernt man mit den Bakterien möglichst gleichzeitig nekrotisches Gewebe, Debris und Smear Layer? Mittlerweile gibt es verschiedene Spülmethoden und -systeme, die dem Zahnarzt hier zur Verfügung stehen. Ein interessanter Ansatz ist die noninstrumentation technique (NIT): Systeme, die danach arbeiten, „respektieren die Wurzel(kanal)anatomie und verzichten auf großlumige Präparation der Wurzelkanäle“. Einige dieser Systeme werden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Endodontie 3/20 vorgestellt.

Apikaler Unterdruck oder Kavitationswellen

Das EndoVac-System basiert als einziges Spülsystem auf einem apikal erzeugten Unterdruck: NaOCl als Spüllösung kann dadurch möglichst das gesamte Wurzelkanalsystem erreichen, gleichzeitig soll ein apikales Austreten in periapikale Gewebe physikalisch verhindert werden. Prof. Michael Hülsmann und Zahnarzt Jan Herrmann präsentieren in ihrer Übersichtsarbeit den aktuellen Wissensstand zu diesem System und vergleichen seine Leistung mit der konventionellen Spülmethode hinsichtlich apikaler Extrusion, Entfernung von Debris und Smear Layer, Bakterienreduktion und dem Auftreten postoperativer Beschwerden. Da hier tatsächlich die geringsten Mengen apikal ausgetretener Spülflüssigkeit festgestellt wurden, zeigt das System auch Vorteile hinsichtlich postendodontischer Beschwerden, vor allem in den ersten 48 Stunden nach der Behandlung.

Fast jede zahnärztliche Maßnahme tangiert das endodontische System, und jährlich ca. zehn Millionen in Deutschland durchgeführte Wurzelkanalbehandlungen belegen den Stellenwert der Endodontie in der Zahnmedizin. Die Zeitschrift „Endodontie“ hält ihre Leser dazu „up to date“. Sie erscheint vier Mal im Jahr und bietet praxisrelevante Themen in Übersichtsartikeln, klinischen Fallschilderungen und wissenschaftlichen Studien. Auch neue Techniken und Materialien werden vorgestellt. Schwerpunkthefte zu praxisrelevanten Themen informieren detailliert über aktuelle Trends und ermöglichen eine umfassende Fortbildung.
Die „Endodontie“ ist offizielle Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), des Verbandes Deutscher Zertifizierter Endodontologen (VDZE) und der Österreichischen Gesellschaft für Endodontie (ÖGE). Abonnenten erhalten kostenlosen Zugang zur Online-Version (rückwirkend ab 2003 im Archiv) und zur App-Version. Mehr Informationen zur Zeitschrift, zum Abonnement und kostenlosen Probeexemplaren im Quintessenz-Shop.

Das GentleWave-System ist ein kombiniertes Reinigungs- und Desinfektionsgerät, das von Zahnärztin Maike Jost und Prof. Michael Hülsmann vorgestellt wird. Es arbeitet mit Natriumhypochlorit, destilliertem Wasser und EDTA. Das Handstück schließt die Zugangskavität dicht ab und enthält einen Stutzen zur Einleitung der Desinfektionslösung und einen mehrkammerigen Absaugmechanismus. Durch hohe Strömungsgeschwindigkeiten, deren Ablenkungen und implodierte Dampfblasen entstehen Kavitationswellen, die die Flüssigkeit durch das komplette Wurzelkanalsystem transportieren sollen. Das GentleWave-System entfernt nicht nur Smear Layer und Debris, sondern auch Kalziumhydroxideinlagen und frakturierte Feilenstücke. Die notwendige Versiegelung der Trepanationsöffnung schränkt den Einsatz bisher auf Molaren ein.

Schallfrequenzen von hoch bis niedrig

Weitere Beiträge vergleichen schallaktivierte Spülsysteme (hochfrequenter EDDY und EndoActivator mit weitaus niedrigerer Frequenz) sowie die manuelle Wurzelkanalspülung und zeigen so die aktuelle Bandbreite an Techniken und Systemen, die dem Endodontologen zum Spülen und Desinfizieren zur Verfügung steht.

Und auch jenseits der Spülsysteme wird der endodontisch Interessierte fündig: Das Vincent-Syndrom wird an einem Patientenfall erklärt, die Anästhesie pulpitischer Unterkiefermolaren und die Therapie der invasiven zervikalen Resorption vorgestellt. Innerhalb der radiologischen Diagnostik wird die Fehlinterpretation durch gebogene Speicherfolie dargestellt, in den All-Time-Classics liegt der Fokus auf Hypochlorit und seiner Anwendung in der zahnärztlichen Praxis. Den Abschluss des Heftes krönen die Gewinner der Goldenen Hedström-Feile und die Preisträgerinnen des diesjährigen Hochschulpreises Endodontie, die für ihren Beitrag zu den Fortbewegungsmustern von E. faecalis in Dentintubuli ausgezeichnet wurden.

Das Titelbild zeigt REM-Aufnahmen unmittelbar nach Präparation und Handspülung mit NaOCl, links sind Auflagerungen von Smear Layer und einzelne Dentinpartikel deutlich sichtbar, die Dentintubuli sind nur vereinzelt zu erkennen. Die rechte Aufnahme zeigt Wurzelkanaldentin nach Spülung mit EDTA und Aktivierung mit dem EDDY-Ansatz. Eine saubere Wurzelkanalwand sowie die Freilegung der Dentintubuli sind deutlich zu sehen. Bild: K. Bitter