Oft erscheint für Außenstehende die mobile zahnärztliche Behandlung konzeptlos und unorganisiert. Gerade wenn beim Patienten noch Zähne vorhanden sind, ergibt sich häufig ein therapeutisch schwer zu fassendes Bild.
Viele Faktoren spielen bei der Therapiewahl eine Rolle: In welchem gesundheitlichen Stadium befindet sich der Patient? Ist er noch fit oder funktionell eingeschränkt? Befindet er sich in der palliativen Endphase des Lebens? Keine Altersgruppe ist dabei so inhomogen wie die der Senioren.

Die „Zeitschrift für Senioren-Zahnmedizin“ der Quintessenz Verlags-GmbH betrachtet die Behandlung und Versorgung älterer und alter Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu gehören Informationen zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ebenso wie Fortbildungsbeiträge zur Versorgung der älteren Patienten. Die Zeitschrift möchte mit Beiträgen aus der Zahnheilkunde, Geriatrie und Pflege ihren Lesern im täglichen Umgang mit alten Menschen umfassend zur Seite stehen. Zur Online-Version erhalten Abonnenten kostenlos Zugang. Mehr Infos zur Zeitschrift, zum Abo und zum Bestellen eines kostenloses Probehefts finden Sie im Quintessenz-Shop.

Der Beitrag „Der mobile Einsatz – vier unterschiedliche Praxiskonzepte“ von Dr. Dirk Bleiel, Dr. Elmar Ludwig, Hansmartin Spatzier, Dr. Angela Stillhart und Prof. Dr. Ina Nitschke stellt in der „Zeitschrift für Seniorenzahnmedizin“ vier etablierte Konzepte vor und macht sie vergleichbar für unterschiedliche Praxiskonstellationen (SZM – Zeitschrift für Senioren-Zahnmedizin 2018; 6 (1): 23–65).

Jede Praxis ist anders

Es gibt kein Betreuungskonzept, das für jede Praxis passt. Vielmehr muss sich jede Praxis für das Konzept entscheiden, mit dem sie unter ihren Bedingungen am besten arbeiten kann, und das sich im Lauf der Zeit aufgrund zunehmender Erfahrung des Behandlerteams weiterentwickelt.

Der Servierwagen der Pflegeeinrichtung wird mit allen notwendigen Untersuchungsmaterialien beschickt. (Aus: Ludwig E. Kooperationsverträge mit Pflegeeinrichtungen – Mehr Chancen als Risiken. DFZ 2016;6:58–69)

In der Übersicht werden daher beispielhaft vier verschiedene Ansätze der aufsuchenden Betreuung vorgestellt, die Kolleginnen und Kollegen erfolgreich in ihren Praxen etabliert haben. So soll eine Hilfestellung für alle Zahnärztinnen und Zahnärzte gegeben werden, die sich – auch aufgrund der veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen – in diesem Versorgungsbereich engagieren und Senioren und Pflegebedürftige zahnmedizinisch erfolgreich betreuen möchten.

  • Versorgungskonzept 1: ohne mobile Behandlungseinheit
  • Versorgungskonzept 2: mit mobiler Behandlungseinheit
  • Versorgungskonzept 3: mit mobiler Behandlungseinheit und Behandlungsmöglichkeit in Allgemeinanästhesie (mit stationärer Aufnahme)
  • Versorgungskonzept 4: mit mobiler Zahnarztpraxis
Das Einsatzteam des mobiDents betreut die angemeldeten Patienten in einem Mehrzweckraum der Einrichtung auf zwei bis drei Behandlungsstühlen. Bild: Dr. Angela Stillhart

Drei Praxen sind in Deutschland angesiedelt (Berlin Rheinbreitbach, Ulm), das Konzept 4 mit der mobilen Praxis gehört zum Universitätsklinikum Zürich in der Schweiz und der dort befindlichen Klinik für Allgemein-, Behinderten- und Seniorenzahnmedizin.
Im direkten Vergleich ist zu erkennen, dass sich die Ziele der Betreuung außerhalb der Praxisräumlichkeiten unterscheiden und daher auch unterschiedliche Ausstattungen vorhanden sind.

Jedes Konzept hilft auf seine Art und Weise bei der zahnmedizinischen Betreuung von ambulant und stationär Pflegebedürftigen. Die Konzepte werden in zehn Punkten miteinander verglichen:

  • Angaben der Praxis
  • Angaben zu den Patienten der aufsuchenden Betreuung
  • Charakterisierung des Konzepts der aufsuchenden Betreuung
    – Behandlungsmöglichkeiten in Kürze
  • Kooperationsvertrag
  • Behandlungsspektrum in der aufsuchenden Betreuung
  • Behandlungsorganisation innerhalb der Praxis
  • Behandlungsorganisation außerhalb der Praxis
  • Hilfsmittel zur Kommunikation
  • Der Hausbesuch
  • Besuch in der Senioreneinrichtung

Darüber hinaus gibt der umfangreiche und gut bebilderte Beitrag Checklisten für grundsätzliche Schritte der Behandlungsplanung, wie Patientenbesuchslisten oder Listen für das Konsil mit dem Hausarzt. Ein wichtiger Punkt ist die Einstufung der Behandlungsfähigkeit der Patienten.

Material und Instrumente werden für jeden Patienten einzeln verpackt: Das ist hygienisch und es wird nichts vergessen. Bild: Dr. Dirk Bleiel

Schließlich werden wertvolle Tipps gegeben, die jede Praxis direkt umsetzen kann, zum Beispiel die Empfehlung, bei der aufsuchenden Betreuung Material und Instrumente für jeden Patienten einzeln zu verpacken – so wird nichts vergessen und die Hygiene ist gewährleistet. Schwere Absauggeräte können durch Handtuch und Nierenschale ersetzt werden, natürlich abhängig vom Umfang der zahnärztlichen Maßnahmen. Moderne Silikone in Mischpistolen mit Universalkolben machen Spatel und Anmischblock überflüssig.

Die Arbeit mit mobilen Behandlungseinheiten wird genauso aufgezeigt wie die Dokumentation mit Miniscanner und Notebook, Von der Empfehlung von feuchten Desinfektions- und Reinigungstüchern zur Wischdesinfektion bis zur hygienische Gestaltung des Zahnersatzes reichen die Tipps aus dem Alltag der Autoren – eine umfassende Erfahrungssammlung zu einem Thema, das uns künftig alle beschäftigen wird.

Titelbild: Dr. Dirk Bleiel