Die aktuelle Ausgabe der zweisprachigen Fachzeitschrift „Zeitschrift für Kraniomandubiläre Funktion“ (CMF) befasst sich in mehreren Beiträgen mit der kritischen Kommentierung der Achse I für die somatischen Befunde der Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD). Hintergrund ist Anwendbarkeit dieser DC/TMD sowohl in der Praxis als auch in der wissenschaftlichen Arbeit.

Klinischer und wissenschaftlicher Kontext

Die internationale Fachliteratur zu CMD differenziert zwischen muskulären und artikulären CMD. Vor diesem Hintergrund haben die bereits vor 1992 entwickelten Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD) einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, um einen weltweiten Vergleich der CMD-Forschung zu ermöglichen. In den RDC/TMD bezieht sich die Achse I auf die somatischen Befunde, während Achse II für die Untersuchung der mit CMD einhergehenden psychosozialen Aspekte entwickelt wurde.

Zwischenzeitlich sind diese Kriterien, ausgehend von einem Validation Project in den USA, geprüft, aktualisiert und nach einer internationalen Diskussion überarbeitet worden. Eine nochmals revidierte Fassung liegt seit 2014 mit dem Titel Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD) vor. Die DC/TMD umfasst bestehende, neue und erweiterte CMD-Untergruppen, um den Anspruch auf direkte Umsetzung im klinischen und wissenschaftlichen Kontext zu untermauern.

Die „Zeitschrift für Kraniomandibuläre Funktion“ berichtet bilingual in Deutsch und Englisch über neue Entwicklungen in Klinik und Forschung. Sie nimmt aktuelle Original- und Übersichtsarbeiten, klinische Fallberichte, interessante Studienergebnisse, Tipps für die Praxis, Tagungsberichte sowie Berichte aus der praktischen Arbeit aus der gesamten Funktionsdiagnostik und -therapie auf. Vierteljährlich informiert sie über Neuigkeiten aus den Fachgesellschaften und bringt aktuelle Kongressinformationen und Buchbesprechungen. Mehr Infos zur Zeitschrift, zum Abo und zum Bestellen eines kostenloses Probehefts finden Sie im Quintessenz-Shop.

 Kritikpunkte und Vorteile der DC/TMD

Im kritischen Hauptbeitrag der CMF „Reliabilität und Validität der Achse I der Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD) im klinischen und wissenschaftlichen Kontext. Eine kritische Einschätzung“ erläutern die Autoren Steenks, Türp und Wijer Kritikpunkte und Vorteile der DC/TMD. „Die DC/TMD sind gegenüber den RDC/TMD sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch der Abläufe grundlegend verändert. Dennoch wurden ältere Anliegen und neuere Erkenntnisse beim Entwurf der neuen Empfehlungen nur zum Teil berücksichtigt. Darüber hinaus wird die Betonung der sofortigen Implementierbarkeit im klinischen und wissenschaftlichen Kontext nicht durch die verfügbare externe Evidenz gedeckt, auf der die DC/TMD basieren“, so die Autoren.

Sofortige Implementierung noch nicht ausreichend begründet

Der Schwerpunktartikel erläutert diese Bedenken im Bezug auf verschiedene Aspekte der DC/TMD und geht dazu auf die zusätzlichen Kategorien der Klassifikation ein: die starke Abhängigkeit von Druckschmerz- Befunden aufgrund der Anwendung der empfohlenen Palpationstechnik, das Screening-Werkzeug für CMD-Schmerz, die Eigenschaften der Testpopulation, den Nutzen zusätzlicher Untergruppen, die Verwendung eines Bezugsnormals, die Trennung zwischen Schmerz und Dysfunktion sowie den DC/TMD-Algorithmus.

Das Fazit der Autoren: „Obwohl die DC/TMD eine Verbesserung gegenüber den RDC/TMD darstellen, scheint ihre sofortige Implementierung in der Forschung und Gesundheitsversorgung noch nicht ausreichend begründet.“

Für den Leser bietet diese kritische Auseinandersetzung mit den DC/TMD in diesem Heft interessante und wichtige Einblicke in den Stand der aktuellen wissenschaftlichen und klinischen Diskussion zur Diagnostik der CMD und Anregungen, die eigene tägliche Praxis und etablierte Auffassungen zu durchdenken und zu hinterfragen.

Weitere Fachbeiträge

Zwei weitere Fachbeiträge befassen sich mit „Auswirkungen der klinischen Scharnierachsenlokalisation bei montierten Modellen auf Okklusion und Kondylenposition“ (Wolf-Dieter Seeher) und „Reliabilität von zwei unterschiedlichen paraokklusalen Anlegetechniken für die digitale instrumentelle Funktionsdiagnostik mit dem ARCUSdigma II“ (Krohn et al.). Der Abrechnungstipp von Dr. Dr. Alexander Raff geht auf die Berechnung funktionsdiagnostischer Maßnahmen zum Erfassen des Zahnverschleißes ein.

Zur Ausgabe 4/18 ist auch das Supplement zur 51. DGFDT-Jahrestagung „Neue Horizonte“ mit dem Programm und den Abstracts der Vorträge erschienen.

Mehr zum Thema:

CMD, Medikamente, Digitalisierung und mehr – DGFDT eröffnet „Neue Horizonte“

Aus der Redaktion: Zeitschrift für Kraniomandibuläre Funktion

Titelbild: Shutterstock.com/Sebastian Kaulitzki