Unterstützung für die Kolleginnen und Kollegen in der Praxis, politische Arbeit für den Berufsstand – diese Schwerpunkte standen auf der ordentlichen Mitgliederversammlung 2020 des Deutschen Zahnärzte Verbands (DZV), die unter „Corona-bedingten“ Einschränkungen Ende Juni als Präsenzveranstaltung in Pulheim stattfand.

Die Vorstandsvorsitzende Dr. Angelika Brandl-Riedel eröffnete die Versammlung und begrüßte die DZV-Mitglieder und Gäste, unter denen auch wieder zahlreiche Vertreter der „fünf Säulen Nordrheins“ – KZV, Kammer, FVDZ, ZA eG und DZV – und der DZV-Kooperationen waren.

Martin Hendges, Ehrenvorsitzender des DZV e.V. und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), informierte die Zuhörer mit seinem umfassenden, höchst interessanten Impulsreferat zu den gesundheitspolitisch aktuellen Sachverhalten und dem derzeit wichtigsten, da alles bestimmenden Thema: „Auswirkungen der Corona-Krise auf den Versorgungsbereich ‚Zahnmedizin‘ – welche Perspektiven gibt es und was können wir tun, um diese Herausforderungen zu meistern?“ Ausführlich stellte er die aktuelle Situation speziell unter wirtschaftlichen Aspekten dar. Er erläuterte, wie sich Kurzarbeit und Liquiditätshilfe auf die zahnärztlichen Praxen auswirken.

Digitalisierung verändert den Gesundheitsmarkt

Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas zeigte Hendges viele zukunftsweisende, positive Perspektiven für die Zahnärzteschaft auf. Ein weiteres Thema war die Entwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) in den Praxen und im Gesundheitswesen. Die immer umfangreichere Digitalisierung verändert den Gesundheitsmarkt und dadurch bedingt auch die Rahmenbedingungen und Erfordernisse in zahnärztlichen Praxen.

Im Anschluss an diesen wieder exzellenten Vortrag präsentierte Dr. rer. nat. Gabriele Halsen (Chemikerin) von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) – einem neuen Kooperationspartner des Verbands – ihren Vortrag „Der Umgang mit Gefahrstoffen in der Zahnarztpraxis“.

Corona-Hilfen und Zukunftsprojekte

Dr. Angelika Brandl-Riedel, Vorsitzende des DZV (Foto: VDDS)

Die Vorstandsvorsitzende Brandl-Riedel, berichtete ausführlich über die im DZV umgesetzten und auf die Zukunft gerichteten Projekte. Ein großer Teil der Arbeit der vergangenen Monate hatte die Unterstützung der Kollegen in dieser schwierigen, alle Praxen extrem belastenden „Corona-Zeit“ im Fokus. Es wurden ständig aktuelle Informationen zu wirtschaftlichen, juristischen, gesundheitspolitischen Themen und/oder mit neuen Verhalten-Vorgaben oder Hygienevorschriften über die DZV-Telegramme an die Mitglieder versandt. Zudem wurde durch Pressemitteilungen bundesweit informiert. Ein offener Brief erging an Finanzminister Olaf Scholz, nachdem der Schutzschirm für Leistungserbringer im Gesundheitswesen die Zahnärzte außen vorließ. Mit der Firma Zeiss wurden Schutzvisiere importiert und in die Praxen geliefert.

Patientenaufklärung in Corona-Zeiten

Die MDZ-Patienteninformationsseite des DZV e.V. wurde um die Rubrik „Corona-Patienteninformation“ erweitert. Das umfangreiche DZV-Konzept zur Patientenaufklärung „Warum es auch in Corona-Zeiten wichtig ist, in zahnärztliche Praxen zu gehen“ soll Kollegen dabei unterstützen, die besorgten Patienten zu informieren und wieder in die zahnärztlichen Praxen zurückzuführen. Hier wurden und werden Flyer, downloadfähige Materntexte, ständig aktualisierte Informationen und Webinare verfügbar gestellt.

In den Beschluss-Anträgen mit Tragweite für die ganze Zahnärzteschaft wurden die auf die Zukunft gerichteten Arbeitsaufträge der Versammlung an Vorstand und Beirat niedergeschrieben:

  • Unterstützung, Förderung und Stärkung zahnärztlicher Praxen bei corona-pandemie-bedingten veränderten Rahmenbedingungen in wirtschaftlichen und praxisrelevanten pragmatischen Fragestellungen,
  • Unterstützung der Mitglieder bei der Umsetzung der kommenden IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 75b SGB V,
  • Unterstützung der Datenerhebungen der KZBV und der KZV-NR,
  • Auftrag zur Vorbereitung einer Satzungsänderung
    (Die ausführlichen Anträge sind auf der DZV-Homepage nachzulesen.)

Konzepte für Praxisübergabe und -übernahme

Das wichtige DZV-Kernthema „Praxis-Übergabe, -Übernahme Konzept“ wird mit den Kooperationspartnern ständig weiterentwickelt, um den Kolleginnen und Kollegen bei der Praxisabgabe mittel- und kurzfristig so optimal wie möglich Hilfestellung geben zu können. Die jungen Kollegen werden vom DZV in die Realisierung einer Niederlassung begleitet.

Ein weiterhin wichtiges Thema der DZV-Arbeit wird die Unterstützung der Kollegen im Bereich des sogenannten A&B-Konzepts für Patienten mit Pflegebedarf/Handicap bleiben, speziell die Berücksichtigung der Umsetzung des Paragraphen 22a

Auszubildende gewinnen

Das Projekt „Schnapp den AZUBI“ stellt den Mitgliedern umfangreiches Material zur Auszubildenden-Gewinnung zur Verfügung. Interessant an dieser Stelle sei die finanzielle Unterstützung der Regierung mit Kopfpauschalen von bis zu 3.000 Euro für eingestellte Auszubildende in „ Corona-Zeiten“, um die Arbeitskräfte für die Zukunft sicher zu stellen, hieß es unter Verweis auf das entsprechende Förderprogramm des Bundes.

Die Entlastung des Vorstandes und der neue Haushalt wurden von der Versammlung einstimmig beschlossen.

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