Wahlen zum Vorstand und Beirat, die wirtschaftliche Lage der Dentalindustrie, die Weiterentwicklung der IDS, die europäische Medizinprodukteregelung sowie Auslandsmessebeteiligungen waren zentrale Punkte der VDDI-Mitgliederversammlung am 25. Juni 2019 in Köln.

Mark Stephen Pace wurde als Vorstandsvorsitzender wiedergewählt, Sebastian Voss als stellvertretender Vorsitzender bestätigt. Die beiden neuen stellvertretenden Vorsitzenden sind Dr. Emanuel Rauter und Olaf Sauerbier, die erstmals in den Vorstand aufrückten. Der neue Vorstand und Beirat auf einen Blick: Vorstandsvorsitzender Mark Stephen Pace (DENTAURUM GmbH & Co. KG), Stellvertreter Dr. Emanuel Rauter (Vita Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG), Olaf Sauerbier (Voco GmbH) und Sebastian Voss (Hager & Meisinger GmbH). Dem VDDI-Beirat gehören an: Peter Bausch (Dr. Jean Bausch GmbH & Co. KG), Dr. Wolfgang Mühlbauer (DMG Dental-Material Gesellschaft mbH), Christoph Weiss (BEGO Bremer Goldschlägerei Wilhelm Herbst GmbH & Co. KG), Henner Witte (KaVo Dental GmbH), Sören Hug (Renfert GmbH) und Novica Savic (Exocad GmbH).

Dentalindustrie weiter stark exportorientiert

Mark Stephen Pace führte in seinem Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Dental-Industrie aus: „Die VDDI-Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten in 2018 einen Gesamtumsatz von erstmals mehr als 5,3 Milliarden Euro. Er lag um 0,7 Prozent über dem Ergebnis von 2017. Davon wurden fast 3,4 Milliarden Euro auf den Exportmärkten erwirtschaftet, ein Zuwachs von 1 Prozent.“

Der Inlandsabsatz habe sich 2018 auf fast identischem Niveau wie im Jahr davor bewegt und lag erneut bei etwas mehr als 1,9 Milliarden Euro, so Pace. „41 Prozent der vom Dentalverband befragten Unternehmen verbuchten im Inland höhere Absätze. Sehr positiv sind die Erwartungen an die Verkäufe in Deutschland im IDS-Jahr 2019. 53 Prozent der Mitgliedsunternehmen prognostizieren Umsatzsteigerungen im Messejahr und weitere 45 Prozent einen Absatz auf Vorjahresniveau.“

Intensiver Wettbewerb und Plattformen machen Druck

Die Umsatzentwicklung der Industrie habe sich im vergangenen Jahr etwas verlangsamt, so Pace. Die knapper werdenden Erträge seien eine Folge des intensiveren Wettbewerbs: „Die Preisstabilität gerät in einigen Segmenten durch Plattformen unter Druck, nicht in allen Bereichen sind die Preise durchzusetzen, die für eine stabile Unternehmens- und Marktentwicklung nötig sind. Hohe Investitionen sind erforderlich, um unsere Branche zukunftsfähig zu halten.“

Die Dentalunternehmen sind dabei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In 2018 belief sich die Zahl der Beschäftigten im In- und Ausland der 207 Mitgliedsunternehmen auf mehr als 21.000 Mitarbeiter, ein Anstieg um rund 1 Prozent.

Die 38. IDS 2019 – Erfolge und Rahmenbedingungen

„Die 38. IDS 2019 war wieder das großartige Welttreffen der Dentalbranche, das Veranstalter, Aussteller sowie Fachbesucher erwartet hatten“, berichtete Pace und führte aus: „Wir freuen uns über 2.328 Aussteller und mehr als 160.000 Fachbesucher, die die IDS auch dieses Mal zu dem herausragenden Marktplatz und umfassendsten Schaufenster für dentale Innovationen gemacht haben. Die ohnehin schon hohe Internationalität der Weltleitmesse für dentale Medizintechnik ist nochmals gewachsen. Sie erreicht bei Ausstellern einen Anteil von jetzt 73 Prozent sowie bei den Besuchern von nunmehr 57 Prozent. Die Zuwachsraten der Besucher aus allen Regionen dieser Welt sind beeindruckend. Mit Stolz dürfen wir sagen, dass unsere Dental-Industrie in Deutschland ein starkes Zugpferd für den Messebesuch ist, denn viele Gespräche mit Kunden und Interessenten aus aller Welt zeigten uns, wie stark und nachhaltig die Nachfrage nach Produkten des ‚German Engineering‘ ist.“

Aus der Fülle der aktuellen Aufgaben der Verbandsarbeit nannte Pace einige Beispiele. So wolle man die IDS als Weltleitmesse weiterentwickeln. Nachdem man 2016 im Verband den IDS-Markenkern herausgearbeitet habe, stehe nun als weiterer Schritt die Markenimplementierung mit der Koelnmesse auf dem Programm. „Ziel ist es, den IDS-Markenkern bei allen bestehenden sowie den zu entwickelnden Maßnahmen zu verankern, sichtbarer zu machen und Weichenstellungen für die Zukunft vorzubereiten“ so Pace.

Weiterentwicklung der IDS-Messestrategie

„Unsere IDS-Messestrategie setzen wir mit der ‚Customer Journey‘ fort. Die Analyse der Kundenreise unserer Aussteller und Besucher soll dazu beitragen, das Funktionierende und Zielführende für die IDS-Entwicklung zu stärken, aber auch eventuelle Schwachstellen aufzuspüren und zu verbessern.“

Ein kritischer Punkt seien die Hotel- und Nebenkosten zur Messezeit, Aussteller und Besucher nähmen die Hotel- und Übernachtungskosten in Köln anlässlich der IDS als eine Belastung wahr. Ein erster Erfolg für Gegenmaßnahmen war die Ausweitung des Geltungsbereichs des Messetickets im ÖPNV vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) in den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hinein. Damit steigen die Möglichkeiten für Besucher und Aussteller, sich entlang der S-Bahn-Linien/RE-Linien preiswertere Unterkünfte zu suchen und doch eine gute Anbindung an das Messegelände zu haben.

Rechtliche Rahmenbedingungen von Medizinprodukten mitbestimmen

Als einen weiteren bedeutenden und arbeitsintensiven Aufgabenbereich stellte Pace die rechtlichen Rahmenbedingungen für Hersteller von dentalen Medizinprodukten heraus: „Die Medical Device Regulation (MDR) stellt uns vor große Herausforderungen. Innerhalb des VDDI haben sich die verschiedenen Arbeitsgruppen und -kreise intensiv am Meinungsbildungsprozess im Verband beteiligt. Dies gilt vor allem für die Bereiche Nanotechnologie und 3-D-Druck, in denen gemeinsame Stellungnahmen und Positionspapiere erarbeitet worden sind. Vertreter dieser Arbeitsgruppen sind zusätzlich in nationalen und europäischen Gremien aktiv und stehen somit in enger Verbindung zu den Entscheidungsträgern in Ministerien, Mitgliedstaaten und EU-Kommission.“

Pace verwies auch auf die weitergehenden Aktivitäten: „Der VDDI hat in den Diskussionen seine Kampagnenfähigkeit als Interessenvertreter unserer Industrie bewiesen. Wir haben den engen Schulterschluss mit den anderen nationalen Medizintechnikverbänden fortgesetzt und zahlreiche gemeinsame Maßnahmen initiiert, um die Interessen der medizintechnischen Industrie gegenüber den Behörden zu verdeutlichen.

Auch auf europäischer Ebene sind wir über FIDE mit den anderen europäischen Medizintechnikverbänden zu verschiedenen regulatorischen Themen aktiv. Jüngster Vorstoß war eine gemeinsame schriftliche Eingabe Ende Mai 2019 (also genau 1 Jahr vor Anwendung der MDR) an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten, in der wir nochmals auf den drohenden Engpass bei den benannten Stellen hingewiesen und die Kommission aufgefordert haben, endlich mit den Umsetzungsmaßnahmen zu beginnen und die benannten Stellen zu akkreditieren, denn die verbleibende Zeit wird immer knapper.“

Gemeinschaftsbeteiligungen im Ausland sind wichtig für den Wettbewerb

Ein wichtiger Baustein für die Positionierung unserer Dental-Industrie auf den Weltmärkten sind die Dentalmessen im Ausland. Hierzu führte Pace aus: „Allein im Jahr 2018 verzeichneten wir 290 Unternehmensbeteiligungen bei neun Ausstellungen weltweit. Zwei von drei Unternehmen unseres Verbandes hätten ohne die Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi) keine Möglichkeit gesehen, diesen Schritt auf ausländische Märkte zu unternehmen.“

Für die laufende Periode 2019/2020 stehen insgesamt dreizehn Veranstaltungen auf dem Programm. Die Industrie sollte diese Gelegenheiten nutzen, um unter dem gemeinsamen Zeichen „Made in Germany“ zu zeigen, „dass wir in der Lage sind, die gesamte Bandbreite von Produkten und Systemlösungen des zahnmedizinischen und zahntechnischen Leistungsspektrums anzubieten.“

Gemeinschaftsinitiative proDente – VDDI setzt Zusammenarbeit fort

Die VDDI-Mitgliederversammlung hat die Fortsetzung der sehr erfolgreichen Kommunikationsarbeit der Gemeinschaftsinitiative proDente für Patienten und Leistungserbringer beschlossen. Anlass war der Umstand, dass der Bundesverband Dentalhandel (BVD) im Juni 2019 überraschend seine Mitgliedschaft gekündigt hatte, weil er zukünftig seine Ressourcen in ein eigenes Dentalportal investieren will, wie es heißt.

Die proDente-Vorstandsmitglieder der Verbände BZÄK, VDZI und VDDI hatten sich bereits nachdrücklich für die Fortführung der Initiative proDente ausgesprochen. Die Initiative sei in fachlicher und finanzieller Hinsicht auch nach dem BVD-Austritt weiter arbeitsfähig und in der Lage, die erfolgreiche Kommunikationsaufgabe fortzuführen.

Dr. Martin Rickert zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Auf einmütigen Beschluss von Vorstand und Beirat ernannte Mark Stephen Pace seinen Vorgänger Dr. Martin Rickert zum Ehrenvorsitzenden des VDDI. Er war von 2003 bis 2017 Vorsitzender des Vorstandes des VDDI und hatte sich sehr engagiert und kraftvoll für die Belange der Deutschen Dentalindustrie eingesetzt und dabei geschickt die Industrieinteressen der Mitglieder vertreten. In seiner Amtszeit konnte die IDS als führende Plattform der internationalen Dentalen Community gefestigt und in allen Bereichen (insbesondere Internationalität bei Besuchern und Ausstellern) ausgebaut werden. Insbesondere hat er sich auch bei der Weiterentwicklung der IDS-Markenstrategie in die zahlreichen Workshops mit zahlreichen Beiträgen in den vergangenen Jahren eingebracht.

Bis März dieses Jahres war Rickert Mitglied des Vorstands des Europäischen Dachverbands FIDE und hat sich gegenüber den Europäischen Partnerverbänden FEPPD, ADDE und  CED sowie den relevanten Gremien bei der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament nachdrücklich für die Belange der Europäischen Dental-Industrie eingesetzt. Dies insbesondere auch im Rahmen der Neugestaltung der Gesetzgebung rund um die Medizinprodukterichtlinie.

Auf internationaler Ebene war Rickert in den vergangenen beiden Jahren Mitglied des Boards von idm, dem Internationalen Herstellerverband. Dort hat er die Diskussionen um die Umsetzung der UNEP-Quecksilberverordnung als auch zur Weiterentwicklung der FDI-Weltkongresse konstruktiv und engagiert begleitet.

Titelbild: VDDI-Mitgliederversammlung 2019 in Köln (Foto: Burkhard Sticklies)