Wissenschaftliche Publikationen folgen bestimmten Regeln, sie zu kennen, hilft beim Studium, in der Weiterbildung und dabei, selbst wissenschaftlich zu arbeiten. Das nötige Handwerkszeug liefert die Beitragsreihe „Struktur und Aufbau wissenschaftlicher Fachartikel“ von Dr. Fabian Langenbach in der Zeitschrift Qdent.

Teil 1 der Reihe fasste die wichtigsten Regeln für Titel und Abstract eines wissenschaftlichen Fachartikels zusammen. Zur Einordnung der Bedeutung der Ergebnisse eines Fachartikels für die eigene Arbeit, benötigt man einerseits ein fundamentales Verständnis des Fachgebiets und andererseits einen Abgleich mit den genutzten Materialien und Methoden sowie deren Qualitätsbeurteilung. Teil 2, erstmals erschienen in der Qdent 1/2019, behandelt Einleitung, Material und Methoden.

Die Einleitung

Die Einleitung eines Fachartikels folgt einem deduktivem Ansatz (Deduktion = Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere). In einer dreidimensionalen Darstellung des Wissensraumes entspricht die Einleitung dem abgebildeten, auf dem Kopf stehenden Kegel, der sich von der Makroebene auf die Mikroebene verengt. (Quelle: Ammann A. The Unity of Knowledge in Dental Medicine. In: Rekow D (ed). Digital Dentistry. A Comprehensive Reference and Preview of the Future. Berlin – Chicago: Quintessence, 2018.)

Die Einleitung dient der Darstellung fundamentaler Zusammenhänge des Fachgebiets und der Erläuterung vorherrschender Theorien. Dabei wird das Forschungsthema zunächst global vorgestellt, um dann immer genauere Aspekte und schließlich die Hypothese des Autors zu beschreiben. Experten eines Fachgebiets können somit große Teile der Einleitung überfliegen oder gar überspringen. Dagegen mühen sich Themen-Neulinge meist noch durch die ersten Sätze. Es lohnt sich hierbei, zwischendurch die Abstracts zitierter Arbeiten zu lesen. Dadurch entwickelt man relativ schnell einen Eindruck von grundlegenden Zusammenhängen im Themengebiet und lernt gleichzeitig die wichtigsten Wissenschaftler kennen.

Was Anfängern das Lesen zusätzlich erschwert, ist die Verwendung von Fachtermini und Abkürzungen. Der Fachjargon bietet jedoch den Vorteil, Sachverhalte und Objekte präzise, kurz und damit vor allem zeichensparend darzustellen. Dies ist wichtig, da die maximale Zeichenanzahl für einen Fachartikel meist eingeschränkt ist. Aus dem gleichen Grund verwenden Autoren gerne Abkürzungen, die in der Einleitung eingeführt werden.

Was gilt es bei der Ausdrucksweise zu beachten?
Grundsätzlich gilt eine kurze und prägnante Schreibweise als wissenschaftlich. Blumige Umschreibungen, dramatisierende Adjektive oder gar Redewendungen haben in wissenschaftlichen Texten nichts verloren.

Material und Methoden

Dieser Teil dient der Beschreibung des Versuchs- bzw. Studienablaufs und der verwendeten Materialien und Geräte. In Grundlagenwissenschaft und klinischer Forschung werden die angewandten Methoden so erläutert, dass eine Wiederholung, d. h. die Reproduktion der Ergebnisse durch andere Wissenschaftler, möglich wäre. Fachtypische Methoden und Basiswissen werden vorausgesetzt und/oder es wird auf Standardprozeduren in anderen Artikeln (oft eigene Publikationen) verwiesen. Zur Wiederholbarkeit dienen detaillierte Angaben über verwendete Produkte, Chemikalien und Wirkstoffe mit Bezeichnung des Herstellers. Andere Fachgebiete verfolgen eher einen theoretischen Ansatz. Hier geht es besonders darum, gute wissenschaftliche Praxis zu dokumentieren, d. h. unter anderem lege artis (= nach den Regeln der Kunst) zu arbeiten.

Warum auch in der Wissenschaft das richtige Werkzeug wichtig ist

Dr. Fabian Langenbach (Foto: Quintessenz/Heinzen)

In kaum einer medizinischen Disziplin treffen so viele verschiedene wissenschaftliche Fachgebiete aufeinander wie in der Zahnmedizin. Die Bandbreite ist groß, das verfügbare Wissen steigt kontinuierlich an und macht es schwierig, sich zurechtzufinden. Da ist es wichtig, grundlegende wissenschaftliche Arbeitsweisen zu kennen, aber auch sich der Unterschiede bewusst zu sein, zum Beispiel zwischen klinischer Forschung und Grundlagenforschung. Das vermeidet Frust bei der Auswahl und Bearbeitung eines Promotionsthemas und hilft später bei der kontinuierlichen Fortbildung in der Praxis.

Grundsätzlich eignet sich der Methodenteil, um die Qualität der Ergebnisse einer Studie zu bewerten. Die Größe der Studiengruppe, die Anzahl von Wiederholungen, statistische Methoden, verwendete Materialien und vieles mehr geben Aufschluss über die Verlässlichkeit der Ergebnisse. Diese Verlässlichkeit ist ein Grundpfeiler der auf Vertrauen basierenden Wissenschaft. Denn „Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und gegenüber anderen ist eine Grundbedingung dafür, dass neue Erkenntnisse – als vorläufig gesicherte Ausgangsbasis für weitere Fragen – überhaupt zustande kommen können.“, so fasst es die Deutsche Forschungsgemeinschaft zusammen. Aus diesem Grund springen erfahrene Wissenschaftler, teils sogar bevor sie die Einleitung lesen, in den Methodenteil um einen Eindruck von der Qualität der Studie zu erlangen.

Dr. Fabian Langenbach, Quintessenz Verlag, Berlin

Die Beitragsreihe im Überblick:

  • Teil 1: „Titel und Abstract“, zuerst erschienen in der Qdent, Ausgabe 3/2018, Seite 34–35.
  • Teil 2: „Einleitung & Material und Methoden“, zuerst erschienen in Qdent, Ausgabe 1/2019, Seite 28–29.
  • Teil 3: „Ergebnisse“, erschienen in Qdent, Ausgabe 4/2019, Seite 38–40, zeigt, wie Ergebnisse dargestellt und beschrieben werden, um die am Ende der Einleitung getroffene Hypothese zu untermauern oder zu widerlegen.
  • Teil 4: „Diskussion“, erschienen in Qdent, Ausgabe 2/2020, Seite 38–40, beschreibt den abschließenden Teil einer Studie, in dem die Ergebnisse in einen größeren Kontext eingeordnet und interpretiert werden.
Titelbild: Quintessence Publishing aus Qdent 3/2018