Das Expertennetzwerk Peers (Platform for Exchange of Experience, Research and Science) ist ein von Dentsply Sirona Implants unterstütztes internationales Expertennetzwerk für Erfahrungsaustausch, Weiterbildung, Forschung und Wissenschaft mit Mitgliedern aus Klinik, Praxis und Zahntechnik. Das Peers-Jahrestreffen fand in diesem Jahr zum neunten Mal in Berlin statt, diesmal am 21. September. Die Veranstaltung unter dem Motto „Exzellenz und Effizienz durch Wissen“ bot einen Einblick in den Status quo des digitalen Workflows. Auch die im Rahmen der Peers-Förderpreise eingereichten Arbeiten widmeten sich der Dokumentation verschiedener neuer Ansätze in Klinik und Praxis.

Auftakt aus der Tropenmedizin

Der Kongress wurde am 21. September mit den beiden Vorträgen der Tropenmediziner Prof. Roland Garve und Prof. Christian Meyer eröffnet. Beide versetzten die Teilnehmer mit ihren eindrucksvollen Bildern in ferne Länder mit ihren einzigartigen Sitten und Ritualen und gaben einen Überblick über tropische Infektionskrankheiten. Auch in den heimischen Praxen werden aufgrund der Migration zusehends unbekannte Raritäten auftauchen, für die beide Referenten mit ihren Vorträgen sensibilisiert haben.

Abb. 1 Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld (links) bei der Diskussion mit Prof. Dr. Dr. Roland Garve über die rituellen Mutilationen.

„Free-Hand“ versus „Guided“

Im Rahmen des „Innovationsforums“ stellten renommierte Referenten aktuelle Studienergebnisse zu unterschiedlichen Fragestellungen vor. Dr. Paul Weigl und Dr. Mischa Krebs betonten in ihrem Vortrag „Sofort versorgte Einzelzahnimplantate: Free-Hand mit Cerec versus Guided mit präfabrizierter Prothetik“, dass individuelle CAD/CAM-Abutments der Goldstandard in der Implantatprothetik sind. Sie stellten zwei Möglichkeiten der Sofortversorgung vor: Zum einen die virtuelle Implantatplanung mittels DVT, Verwendung von Bohrschablonen und präfabrizierten Abutments, Provisorien und Gerüsten, die schon vor der Implantation in die Praxis geliefert werden. Zum anderen das Scannen der Implantatposition nach konventioneller Implantation und der Chairside-Fertigung eines Hybridabutments und der provisorischen Krone zur direkten Eingliederung.

Abb. 2 Dr. Mischa Krebs und Dr. Paul Weigl im diskutierten über den besten digitalen Workflow.

Spannungsarm, da digital konstruiert

Die digitale Zahnmedizin eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten der Konstruktion der Okklusionsflächen. Hierbei spielt die Reduktion der Spannungseinleitung in das prothetische Gerüst über die Kaufläche durch eine funktionsgerechte Gestaltung eine große Rolle. Dies hob Prof. Walter Lückerath in seinem Beitrag „Die digitale Zukunft der Okklusion“ ausdrücklich hervor.

Priv.-Doz. Robert Nölken zeigte in seinem Beitrag „Der Einfluss von Implantatposition, Implantatachse und Bindegewebsaugmentation auf die periimplantären Hart- und Weichgewebsdimensionen bei Sofortimplantaten in der ästhetischen Zone“, dass Sofortimplantationen auch bei einem Defekt der fazialen Knochenlamelle und/oder einer Rezession vorhersagbar möglich sind. Der Einfluss von Implantatposition und -angulation sowie der simultanen Knochen- und Bindegewebs-augmentation auf das ästhetische Ergebnis wurde anschaulich dargestellt.

Potenziale der intraoralen Abformung

Prof. Sven Reich stellte in seinem Vortrag „Digitaler Workflow – Realität oder Wunschdenken“ anhand klinischer Fälle virtuelle Setups auf Basis intraoraler Abformung, die Verwendung eingescannter Prothesen bis hin zu den unterschiedlichen Optionen der Fertigung von Bohrschablonen vor. Die Verfahren und Geräte für die intraorale Abformung verfügen über ein großes Potenzial, mittelfristig die klassische Abformung komplett zu ersetzen. Dies stellte Prof. Bernd Wöstmann in seinem Vortrag „Möglichkeiten und Grenzen digitaler und konventioneller Abformverfahren“ heraus. Dabei ging er auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren analoger und digitaler Abformtechniken ausführlich ein.

Abb. 10 Bei der Gruppendiskussion gilt die Maxime ‚Face-to-the-speaker‘ – sie lässt intensive Diskussionen im kleinen Kreis zu.

Knochenerhalt durch oder trotz Implantation?

Nach der Mittagspause sprach im Rahmen der Podiumsdiskussion Prof. Bilal Al-Nawas zum Thema „Update 2018 – was trägt das Implantatsystem zum Weichgewebs- und Knochenerhalt bei?“ Er betonte, dass sich inzwischen stabile konische Innenankopplungen zwischen Implantat und Abutment sowie ein Plattform-Shift bei allen modernen Implantatsystemen durchgesetzt haben. Bauformen der Implantate, die individuelle Weichgewebsdicke, die vertikale Implantatposition sowie der chirurgische Insertionsmodus tragen maßgeblich zum Weichgewebs- und Knochenerhalt bei.

Prof. Torsten Jemt stellte in seinem Beitrag „Factors associated to peri-implantitis and implant failures in routine practice“ die vielfältigen Faktoren vor, die zu peri-implantären Entzündungen und Implantatverlust führen können. Ein besonderes Augenmerk richtete er dabei auf das Alter des Patienten bei Implantatinsertion in Beziehung zu der Anzahl der gesetzten Implantate, dem allgemeinen Gesundheitszustand und der individuellen Entzündungsanfälligkeit.

Entscheidungsbaum zur Behandlung der Periimplantitis

Unter dem Titel „Ätiologie und Pathogenese der Periimplantitis – eine kritische Aufarbeitung des Mainstreamdenkens“ stellte Priv.-Doz. Markus Schlee die verschiedenen Definitionen von Periimplantitis vor und gab den Zuhörern einen klaren Entscheidungsbaum für die Therapie dieser Erkrankung mit auf den Weg.

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion sprach Prof. Ralph Luthardt zum Thema „Vermeidung der Periimplantitis: Was kann die Prothetik leisten?“. Er zeigte das multifaktorielle Geschehen bei der Entstehung der Periimplantitis auf. Prothetische Maßnahmen zum periimplantären Weichgewebsmanagement sowie die Fragestellung Verschrauben oder Zementieren und der Vorteil der One-Abutment-One-Time-Methodik wurden diskutiert und ihr Einfluss auf den Langzeiterfolg von Implantaten dargestellt.

Gewinner der Peers-Förderpreise 2018

Die Peers-Förderpreise wurden ins Leben gerufen, um Wissenschaftler und wissenschaftlich interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte in ihrer Arbeit zu unterstützen. Initiator der Preise ist das von Dentsply Sirona Implants unterstützte internationale Expertennetzwerk Peers mit Mitgliedern aus Klinik, Praxis und Zahntechnik.

Alle Preisträger der Peers-Förderpreise wurden am Abend des 22. September 2018 im Rahmen des Jahrestreffens in Berlin bei einer feierlichen Preisverleihung geehrt. Gleichzeitig erhielten alle Autoren die Möglichkeit, kostenlos am wissenschaftlichen Programm dieses Tages teilzunehmen. Der in Zusammenarbeit mit der Klaus Kanter-Stiftung verliehene Implantat-Prothetik-Preis für die beste Meisterarbeit wurde von ZTM Judith Kropfeld angefertigt und beschäftigte sich mit „Ossal getragene Vollkeramikkrone auf Zirkoniumdioxid-Hybridabutment“. In der Kategorie Fallpräsentation gewann Dr. Anna Winter aus der Prothetik des Uniklinikums Würzburg mit ihrer Arbeit „Individueller CAD/CAM-Steg mit Locator-Einsätzen als Rotationsschutz im stark atrophierten Unterkiefer“‘. Der Preis in der Kategorie Wissenschaftliches Poster ging an Dr. Ole Jung aus der MKG-Chirurgie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf mit seiner Untersuchung „Entwicklung einer bioresorbierbaren magnesiumverstärkten Kollagenmembran zur Verbesserung der Knochenregeneration“.Dr. Tobias Möst aus der MKG-Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen wurde mit seiner Publikation „The influence of different abutment materials on tissue regeneration after surgical treatment of peri-implantitis – a randomized controlled preclinical study“ in dieser Kategorie ausgezeichnet. Der nun im dritten Jahr ausgelobte Preis in der Kategorie Video ging an Dr. Puria Parvini aus der Zahnärztlichen Chirurgie und Implantologie in Frankfurt am Main mit seiner Arbeit „Implantation and immediate restoration region 22 – soft tissue management with CTG“. Die eingereichten Fallpräsentationen, wissenschaftlichen Poster und Videos können unter www.dentsplysirona.com/PEERS aufgerufen werden.

Ausschreibung für die Peers-Förderpreise 2020

Informationen zu den Peers-Förderpreisen 2020, die Teilnahmebedingungen, das Anmeldeformular und eine Postervorlage können unter peers.foerderpreise@dentsplysirona.com angefordert oder unter www.dentsplysirona.com/peers-foerderpreise abgerufen werden. Die Arbeiten müssen bis zum 31. Oktober 2019 eingereicht werden.

Das Titelbild zeigt die Preisträger der Peers-Förderpreise 2018 (von links): Dr. Tobias Möst, Erlangen (Wissenschaftliche Publikation), ZTM Judith Kropfeld, Röttenbach (Implantat-Prothetik-Preis), Dr. Anna Winter, Würzburg (Fallpräsentation), Dr. Ole Jung, Hamburg (Wissenschaftliches Poster), nicht anwesend: Dr. Puria Parvini, Frankfurt (Video) Alle Bilder: Dentsply Sirona