Auch wenn jetzt erste Präsenzfortbildungen wieder stattfinden, ist eine Rückkehr zu den früheren Seminar- und Kongressangeboten bei vielen Kammern und Fortbildungsinstituten noch nicht in Sicht. Um beliebte und traditionsreiche Formate trotzdem fortführen zu können, bieten sich digitale Möglichkeiten an. Dr. Juliane von Hoyningen-Huene MSc, Vorstandsmitglied ZÄK Berlin und dort zuständig für die Zahnärztliche Fort- und Weiterbildung und das Hochschulwesen, berichtet im Interview, warum sie in Berlin auf digital setzen, was das bedeutet und welche Erfahrungen man damit gemacht hat.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, die Fortbildung digital anzubieten?

Dr. Juliane von Hoyningen-Huene: Die Dienstagabendfortbildung ist seit mehr als 20 Jahren eine Tradition und ein Service für unsere Kammermitglieder. Es gehört zur Normalität, dass diese monatlich stattfindet. Gerade in solchen unsicheren Zeiten ist das Stattfinden der Veranstaltung, wenn auch auf eine andere Art, ein kleiner Beitrag zur Aufrechterhaltung der Normalität.

Aber da man aus jeder Situation meiner persönlichen Meinung nach noch etwas Gutes herausholen kann, können wir so ausprobieren, wie es online funktioniert, diese Veranstaltung anzubieten. Dabei verbessern wir uns von einer zur nächsten Veranstaltung – das fühlt sich etwas nach Highspeed-Evolution an. Wir wagen jetzt also den Sprung ins kalte Wasser und die Anzahl der Aufrufe bestätigt uns. Glücklicherweise arbeiten wir als Zahnärztekammer schon seit vielen Jahren erfolgreich mit Quintessenz zusammen und konnten daher ziemlich unkompliziert das erste Webinar aufnehmen.

Wie ist Ihre Erfahrung?

von Hoyningen-Huene: Für die Referenten und auch für mich selbst fühlt es sich eigenartig am Anfang an, kein Publikum vor sich zu sehen. Seit fast zehn Jahren stehe ich sonst auf der Bühne der Zahnklinik, halte Smalltalk mit Kolleginnen und Kollegen, schüttele Hände. Das fehlt mir schon sehr, auch zu sehen, welches Publikum vom jeweiligen Thema angezogen wird. Aber das Feedback ist positiv, und mal etwas Neues zu versuchen ist aufregend.

Gab es Bedenken seitens der Referenten?

von Hoyningen-Huene: Natürlich. Nicht nur das fehlende Publikum ist gewöhnungsbedürftig. Sich auch noch danach im Internet zu sehen und auch die Folien dort zu zeigen erfordert Umdenken. Aber dass man die Fortbildung nicht einfach so bei Youtube findet, sondern den Link kennen muss, hat die Bedenken etwas entkräftet. Es dürfen auch die Referentinnen und Referenten selbst entscheiden, wie lange das Video abrufbar sein wird. Auch gab es Unsicherheit bezüglich der Nutzungsrechte am aufgezeichneten Vortrag. Die bleiben in diesem Fall komplett beim Referenten.

Wie erfolgreich waren die Seminare?

von Hoyningen-Huene: Wichtig war uns eine optimale Ton- und Bildqualität. Die Aufzeichnung vor dem Greenscreen wirkt besser und lässt sich, wie ich finde, bei über einer Stunde Seminar auch leichter verfolgen als die Aufnahme aus dem heimischen Wohnzimmer.

Schon beim ersten Online-Seminar im Februar hatten wir mehr Aufrufe als üblicherweise Besucher bei den Präsenzfortbildungen. Bei der zweiten Dienstagabendfortbildung haben wir uns noch mal stark weiter entwickelt von den Aufrufen.

Das aktuelle Thema vom 2. Juni – die 272. Dienstagabendfortbildung –ist sehr spezifisch. Schauen wir mal, ob das auch so einen großen Zuspruch erfährt. Ich freue mich jedenfalls über jede Rückmeldung und auch über konstruktive Kritik.

(Hier geht es zum Vidoe der 272. Dienstagabendfortbildung mit ZÄ Anita Beckmann.)

Technische Informationen

• Wo wird aufgezeichnet? Im Greenscreen-Studio des Quintessenz Verlags in Berlin.
• Wie lange dauert die Aufzeichnung? Für ein 60- bis 90-minütiges Webinar sind etwa zwei Stunden einzuplanen.
• Wann ist das Video fertig bearbeitet? Innerhalb von 24 Stunden.
• In welchen Formaten ist es verfügbar? Das Video gibt es in HD-Auflösung als Datei, als Link zu YouTube (auf Wunsch nicht öffentlich) oder als Video auf Facebook
• Wie lange ist das Video online? Üblicherweise werden die Videos nach zwei Wochen wieder entfernt, je nach Wunsch des Referenten oder Veranstalters.
• Wer hat die Rechte am Webinar? Sofern nichts anderes vereinbart wird, bleiben alle Rechte am Video beim Referenten.
• Was kosten Aufzeichnung und Produktion? Die Kosten für Aufzeichnung, Schnitt und Bearbeitung betragen abhängig von Dauer und gewünschtem Aufwand ab ca. 600 Euro aufwärts.

Weitere Informationen bei Dr. Fabian Langenbach, Head of Knowledge Management and Digital Strategy, Quintessenz Verlag. E-Mail langenbach@quintessenz.de

Titelbild: Dienstagsabendfortbildung der Zahnärztekammer Berlin – Dr. Juliane von Hoyningen-Huene MSc, Vorstandsmitglied und Fortbildungsreferentin der ZÄK Berlin  begrüßt die Zuschauer beim Webinar auf Youtube (Foto: Quintessenz)