Der diesjährige 27. Masterkurs der DGCZ vom 23. bis 25. Mai in Hamburg wird das seit 1993 bewährte Erfolgsrezept, wissenschaftliche Erkenntnisse zur computergestützten Restauration mit den Erfahrungen niedergelassener Praktiker zusammenzuführen, erneut präsentieren. Unter der Leitung von Dr. Bernd Reiss, Malsch, Vorsitzender der DGCZ sowie Vorstandsmitglied der DGZMK, und Prof. Dr. Bernd Kordaß, Universität Greifswald und Leiter der Sektion für Angewandte Informatik, entwickelte sich das Symposium bisher durch Beiträge kompetenter Referenten aus Klinik und Praxis zu jener Synthese, die den Wert eines Ärztetreffens auszeichnet.

Der 27. Masterkurs der Deutschen Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde (DGCZ) findet vom 23. bis 25. Mai 2019 in Hamburg, Hotel Grand Elysee, statt. Diverse Kurse, die innerhalb des Workshops am 23. Mai angeboten werden, sind ausschließlich für Absolventen eines Fortgeschrittenenkurses buchbar. Näheres unter www.dgcz.org oder www.dda.berlin.

Im Zentrum des Masterkurses steht die konservierende und prothetische Restauration unter Berücksichtigung funktioneller Kriterien mit dem Cerec-System. Hierbei steht besonders die Einbeziehung einer funktionstüchtigen Okklusion und der dentofazialen Ästhetik im Mittelpunkt von rekonstruktiven Therapielösungen. Zielte ursprünglich die computergestützte Restauration auf die Einzelzahnversorgung, hat die CAD/CAM-Technik inzwischen auch in der Fertigung von komplexen, prothetischen Versorgungen ihren Platz eingenommen. Damit wird die dynamische Okklusion zu einer Bedingung für die Konstruktionssoftware, um die Funktion sicherzustellen. Die digital erfassten Kaubewegungen werden in die Software eines elektronischen, individuell justierbaren Artikulators eingespeist. Dadurch werden Kontakt- und Gleitflächen in die Kauflächenkonstruktion einbezogen.

Vorgeschalteter Workshop „Funktionsdiagnostik“

Die Funktionsdiagnostik wird im Rahmen eines vorgeschalteten Workshops als Auftakt zum Masterkurs von PD Dr. Oliver Ahlers, Hamburg, thematisiert. Hierbei werden dysfunktionelle Zustände mittels entsprechender Funktionsbefunde digital strukturiert erfasst (CMDfact) und ausgewertet. Mittlerweile können diese Befunde auch digital mit der Bewertung progressiver Substanzverluste infolge von Attritionen durch Bruxismus und/oder Erosionen abgeglichen werden (neues Modul CMDbrux) als Grundlage für eine minimalinvasive Therapieplanung (Abb. 1). In einem digital gestützten Screening wird der Auslöser und Umfang der Dysfunktion diagnostiziert (CMDcheck) und das Procedere für präventive oder therapeutische Maßnahmen geplant.

Wenn die habituelle Verzahnung mit der zentrischen Kiefergelenksposition nicht übereinstimmt oder wenn durch massives Zähneknirschen Bisshöhe verloren gegangen ist, empfiehlt sich in der Regel eine „Bisslageänderung beziehungsweise Bisserhöhung“ und ist somit Teil einer Funktionstherapie. Prof. Dr. Sven Reich, Aachen, und Dr. Bernd Reiss werden dazu unterschiedliche Vorgehensweisen im digitalen Workflow, auch mit Hilfe des virtuellen Artikulators und minimalinvasiver Rekonstruktionen vorstellen (Abb. 2).

Die digitale Axiografie wird von Dr. Gertrud Fabel, München, vorgestellt. Der DVT-Befund wird mit der digital vorbereiteten Funktionsanalyse mit funktionellen Bewegungsdaten und dem Cerec-Scan verknüpft. Die Werte werden in den virtuellen Artikulator geladen als Basis zur individuellen Programmierung in der Software „Sicat Function“.

Artikulatorprogrammierung

Um die okkludierenden Flächen der Zähne „digital navigierbar“ zu machen, wurde eine neue Software für einen virtuellen Artikulator entwickelt. Dieses System hat Steuerelemente, mit denen gelenkbezügliche Werte eingegeben werden können. Die individuelle Situation der Modellmontage wird so gelöst, dass die Modelle zunächst mit einem Gesichtsbogen schädelgelenkbezüglich in einem mechanischen Artikulator montiert und anschließend mit Sockel und der Sockelgeometrie dreidimensional eingescannt werden. Prof. Dr. Bernd Kordaß und Dr. Sebastian Ruge, Greifswald, werden die „Artikulator-Programmierung“ unter der Berücksichtigung anatomischer und kinematischer Gesichtspunkte in einem weiteren Workshop demonstrieren (Abb. 3).

Digitale Behandlung in der Kieferorthopädie

Mit der CAD/CAM-Technologie sind digital gestützte KfO-Behandlungen möglich geworden. Im Referat „Digitale Behandlung in der Kieferorthopädie“ von Dr. Ingo Baresel, Cadolzburg, werden intraorale Ganzkiefer-Scans und digital erzeugte Konstruktionsbisse in einem 3-D-Drucker mit Kunststoff als Diagnostikmodell und als Arbeitsmodell dimensionsgetreu ausgedruckt (Abb. 4). Digitale 3-D-Modelle für handelsübliche Brackets und Aligner dienen der interaktiven Planung und der individuellen Bogenherstellung für die prä- und postoperative Situation. Ferner können Behandlungssimulationen durchgeführt, orthodontische Apparaturen mit Bändern sowie Retainer hergestellt werden.

Digitaltechnik unterstützt die Implantologie

Eine exakt eingestellte Okklusion bei implantatgetragenen Restaurationen ist von großer Bedeutung für die orale Funktion und für die Prävention von implantatbedingten Komplikationen. Für Dr. Sven Holtorf, Bad Segeberg, beginnt das Funktionskonzept bereits bei der Planung der Implantatposition, zusammen mit der Konstruktion der Suprastruktur und des Kontakt-Antagonisten. In seinem „Implantat-Workshop“ stellt der Referent die digitale Rückwärtsplanung vor, die von der restaurationsgerechten Positionierung ausgehend, alle analytischen, bildgebenden und invasiven Behandlungsphasen umfasst (Abb. 5) und dadurch den Behandlungsverlauf und das Ergebnis vorhersagbar macht. Bei komplexen Fällen arbeitet Holtorf mit der DVT-Befundung und nutzt die geführte Bohrschablone für die enossale Insertion (Abb. 6). Damit können Risiken eher ausgeschlossen und die OP mit größerer Sicherheit durchgeführt werden. Für eine implantatgetragene Brücke werden im Workshop Heilkappen mit der Cerec-Software hergestellt.

Neuer Intraoralscanner

Von Erfahrungen mit dem neuen Intraoralscanner „Primescan“ wird Prof. Albert Mehl, Zürich, berichten (Abb. 7). Kavitäten und trockengelegte, subgingivale Präparationen bis zu 20 mm Tiefe sowie spitzwinklige Bereiche können detailreich und scharf erfasst werden. Implantatversorgte Kiefer und zahnlose Weichgewebe (Gaumen, Frenulum) können gescannt werden. Hochauflösende Sensoren nehmen bis zu einer Million 3-D-Bildpunkte pro Sekunde auf und beschleunigen die Modellberechnung. Unter Nutzung eines virtuellen Artikulators können jetzt am Bildschirm realdynamische Bewegungen simuliert werden. Die virtuellen Kiefer werden mithilfe der Kauebene, mit Bonwill-Dreieck und Balkwil-Winkel mittelwertig einer Scharnierachse zugeordnet. Mit diesen Daten wird ein funktionelles Bissregistrat berechnet, das den Einfluss der dynamischen Okklusion berücksichtigt. Im Ergebnis wird die funktionelle Okklusionsgestaltung an den Beginn der Rekonstruktion gestellt. Spätere Adjustierungen werden im Rahmen der prothetischen Eingliederung deutlich reduziert, wenn nicht sogar obsolet.

Intraorales Digitalscanning, navigierte Implantologie, Klebebrücken, Endodontie sind weitere Themen, die unter funktionellen Aspekten von erfahrenen Referaten im Workshop sowie im Masterkurs vorgetragen werden. Eine Panel-Diskussion und Live-Behandlungen coram publico werden die Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung sein.
Manfred Kern, Wiesbaden

Livebehandlungen gehören zu den Höhepunkten auf dem Masterkurs. Titelbild: DGCZ