Der Titel klingt fast provokant: „1. Stuttgarter Plastiktage“. Andreas Kopietz, Gründer und Geschäftsführer von Anaxdent, widmet die Veranstaltung aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums seines Unternehmens einem Material, das für ihn zu den faszinierendsten und vielseitigsten in der Zahnmedizin und Zahntechnik gehört: Kunststoff. Im Interview mit Quintessence News gibt er Auskunft zu der besonderen Beziehung seines Unternehmens zu „Plastik“ und zu den Referenten und Themen seines Jubiläumssymposiums am 26. Oktober 2019 in Stuttgart.

Herr Kopietz, Sie haben vor 20 Jahren Anaxdent gegründet – auf welchen Produkten lag damals der Fokus und wie hat sich die Produktpalette bis heute entwickelt? Wo liegen die Schwerpunkte?

Andreas Kopietz (Foto: Anaxdent)

Andreas Kopietz: Der Fokus lag anfangs ganz klar auf Kunststoff und Keramik und den zugehörigen Edelmetallen. Wir haben uns schon früh sehr stark um die Weiterentwicklung bei provisorischen Kunststoffen bemüht und über die Jahre in den Laboratorien sowie für die Behandler eine sehr starke Marke geschaffen. 2007 haben wir unser zahnfarbenes Komposit „anaxblend“ mit ersten Schritten auf den Weg gebracht, um so den Zahntechnikern die Möglichkeit von Flow- und Pastenmaterialien im gleichen System zu geben. Wir tauschen uns immer wieder mit unseren Kunden aus und arbeiten ständig daran, unsere Kompetenzen zu verbessern und Ideen sowie Weiterentwicklungen in das Material einfließen zu lassen.

Schon sehr früh bin ich Dr. Christian Coachman begegnet, der mich nachhaltig mit der Idee eines „pink composit“ beeinflusst hat. Mit seinem Wissen und gemeinsamen Anstrengungen haben wir „anaxgum“ entwickelt und damit weltweite Beachtung erreicht. In unserer nordamerikanischen Niederlassung haben wir mit diesem Material unglaublichen Verkaufserfolg und beobachten gespannt, wie unterschiedlich die Märkte auf Ideen und Produkte reagieren.

Ihre „Geburtstagsveranstaltung“ am 26. Oktober 2019 heißt „1. Stuttgarter Plastiktage“ – welches Potenzial haben Kunststoffe in der Zahnmedizin aus Ihrer Sicht?

Kopietz: Sie sind nicht mehr wegzudenken. Kunststoffe – egal wie verarbeitet – sind mit großen Schritten in die Zukunft in unserem Zahnkosmos unterwegs. Ob als Mock-up am Anfang der Kette, als tolle Füllungsmaterialien, für gedruckte Modellen oder bald auch für ansehnliche und patiententaugliche Totalprothesen. Als Kombination zu den Keramiken sind sie in der Funktion das Material der 1. Wahl.

Sie haben für die Veranstaltung eine Reihe internationaler Experten gewinnen können – wer ist alles dabei? Und warum sollten Zahntechniker und Zahnärzte als Teilnehmer dabei sein?

Kopietz: Die Idee der Plastiktage ist, ein Forum für Zahntechniker und Behandler zu bieten, wo man sich Meinungen und Ergebnisse von internationalen Kollegen anhören und diskutieren kann. Was passiert zukünftig bei uns in der Branche? Welche Techniken werden eingesetzt und –natürlich für mich persönlich sehr wichtig – wie schön kann man das machen?

Wir haben tolle Menschen hierzu eingeladen die mir in den vergangenen 20 Jahren das Niveau vorgelegt haben, das wir mit unseren Produkten erreichen wollen. Prof. Irena Sailer aus Genf spricht zum Beispiel über Limitationen des Kunststoffs. Wo sind die richtigen Indikationen und wie wird in Zukunft in der Praxis gefertigt? Wie keine andere ist Irena Sailer in der digitalen Zahnheilkunde bewandert. Sie hat ihre Abteilung an der Universität Genf zu einer der modernsten und kenntnisreichsten in Europa entwickelt. Ein sehr spannendes Thema, nicht nur für die Zahnärzte.

Nena v. Hajmasy, Zahntechnikerin vom schönen Chiemsee, hat sich jahrelang mit den Verarbeitungsmöglichkeiten von Kompositen auseinandergesetzt und verfügt über einen unglaublichen Schatz an Wissen und Erfahrung zum sinnvollen Arbeiten mit Kunststoff. Es geht um Repoduzierbarkeit und Genauigkeit – und schön muss es sein.

Die beiden Zahntechniker August Buguera aus Barcelona und Stefano Esposito aus Neapel zeigen ihre Erfahrung aus den vergangenen 20 Jahren für die keramische Seite. Sie haben ihre Konzepte unglaublich konsequent weiterentwickelt.

Phil Reddigton Zahntechniker mit Leib und Seele aus dem Norden Englands, hat sich ein eigenes System für seine verschraubten Implantatarbeiten geschaffen, indem er Keramik mit Hochleistungskunststoffgerüsten verklebt und mit pinkfarbenem Komposit verblendet. Er zeigt in er Live-Demonstration wie einfach eine schöne Schichtung mit diesem Komposit sein kann.

Dr. Pepe Allais aus Turin, den ich gerne als „Zahnarzt in vielen Disziplinen“ bezeichne, wird uns in seine Kompositindikationen einweihen. Eric van Dooren kommt aus Antwerpen und gehört sicher zu der Riege der besten Implantologen. Hier sehen Wissen und immer wieder das Können, die besten Leute der Welt in seiner Praxis zusammenzubringen und konstante Qualität zu erbringen. Er zeigt Prothetik auf dem höchsten Punkt der jetzigen Zeit.

„Mein“ Zahnarzt kommt auch. Horst Dieterich, der mich seit 1988 begleitet, setzt sich mit der Arbeit mit Scannern auseinander und geht der Frage nach, was mit den handwerklichen Fertig- und Fähigkeiten in der Zukunft geschehen soll oder kann. Der Focus ändert sich bestimmt.

1. Stuttgarter Plastiktage: Samstag, 26. Oktober 2019

Informationen und Anmeldung bei Anaxdent.

Titelbild: Alberto Parra, Madrid (Spanien)/https://www.anaxdent.com