Angesichts des breiten Hacker-Angriffs auf Abgeordnete und Prominente fordert der Verband Zahnärzte für Niedersachsen ein Umdenken bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen und kritisiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Den Warnungen vieler, nicht nur allein ärztlicher Verbände und den Bedenken von Datenschützern zum Trotz dränge Bundesgesundheitsminister Jens Spahn alle Beteiligten im Gesundheitswesen permanent und mit ständig noch zunehmendem Nachdruck dazu, die zentrale Speicherung von digitalisierten Gesundheitsdaten weiter voranzutreiben, ohne die fatalen, irreversiblen Folgen eines mit Sicherheit zu erwartenden Datenmissbrauchs im Blick und Handeln voranzustellen, heißt es.

Hacker machen Daten von Politikern öffentlich

Erst vor wenigen Tagen sei bekannt geworden, dass es Hackern schon vor Längerem gelungen war, eine kaum überschaubare Datenmenge von hunderten von Politikern sowie Prominenten – von Handynummern, E-Mail-Inhalten, Fotos bis zu Kreditkarteneinträgen und persönlichen Familienangelegenheiten – im Internet verfügbar zu machen. Auch die von Minister Spahn geforderten und favorisierten Apps für die Gesundheitsakte wiesen erhebliche Sicherheitsdefizite auf, wie von namhaften Fachleuten unterstrichen werde. Spätestens jetzt müsse dem Gesetzgeber die Brisanz einer zentralen Datenspeicherung bewusst werden. „Wir fordern den Bundesminister und den Gesetzgeber daher auf, sich auf die Erfordernisse eines sicheren Datenschutzes zu fokussieren und ein Umdenken einzuleiten, das nur im Verzicht auf eine zentrale Datenspeicherung münden kann“, so der ZfN-Vorstandsvorsitzende Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida.

Nein zur zentralen Speicherung

„Das bedeutet nicht den Verzicht auf Digitalisierung dort, wo die Vorteile offensichtlich und die Gefahren überschaubar bleiben – das bedeutet aber den Verzicht auf zwangsweise und mit Sanktionen belegte zentrale Speicherung durch die vom Bundesministerium für Gesundheit forcierte Telematik-Infrastruktur und die damit verbundene Möglichkeit des Datenabflusses und Datenmissbrauchs des gesamten bundesdeutschen Gesundheits- Datenbestandes“, betont der in Wietze bei Celle praktizierende Zahnarzt Bunke. Denn ein Datenabfluss, der einer Vielzahl von daran Interessierten wirtschaftliche Vorteile verschaffen würde, wäre irreversibel und würde den Versicherten für Jahrzehnte Schaden allein im persönlichen Umfeld zufügen.

Ärzte und Zahnärzte keine Digitalisierungsverweigerer

„Es trifft auch nicht zu, dass sich Deutschlands Ärzte der Digitalisierung und der Transparenz verweigern, wie es immer gerne von daran interessierter Seite unterstellt wird“, ergänzt Bunkes Stellvertreterin Silke Lange, praktizierende Zahnärztin aus Bad Zwischenahn. „Das Gegenteil ist der Fall. Und das gilt für Zahnärztinnen und -ärzte ebenso wie für deren Körperschaften.“

Weichen stellen, um „Daten-Super-Gau“ zu vermeiden

Wenn die Politik jetzt nicht umdenke, habe sie nach Eintritt eines Daten-Gaus später kein Recht auf die dann sicherlich erfolgende Erklärung, dass man solch eine Entwicklung zum Zeitpunkt des TI-Netzwerk-Rollouts nicht habe wissen können, sind sich Lange und Bunke in ihren Prognosen kommender Politiker Argumentationen sicher. Bunke und Lange mahnen gemeinsam: „Herr Minister Spahn, jetzt besteht die letzte Möglichkeit, die Weichen zur Vermeidung eines Daten-Super-Gaus zu stellen. Nutzen Sie diese Chance!“

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