Dr. med. dent. Rolf Koschorrek, Zahnarzt und engagierter Gesundheitspolitiker, ist am 12. Januar 2020 im Alter von 63 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Nach einer Ausbildung zum Zahntechniker studierte er Zahnmedizin in Göttingen und ließ sich 1989 in eigener Praxis in seiner Heimatstadt Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein nieder.

Schon früh engagierte er sich politisch, bereits 1983 trat er in die CDU ein und engagierte sich in seiner Heimatstadt und darüber hinaus. Er war im CDU-Landesvorstand Schleswig-Holstein tätig und im Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung aktiv. Von 2005 bis 2013 war er Mitglied des Deutschen Bundestags und profilierte sich dort schnell als Gesundheitspolitiker. Seit 2009 war er stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach seinen Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag war er unter anderem 2012 kurzzeitig als Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe und später als Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Wichtiger Ansprechpartner der Zahnärzteschaft

Für die Zahnärzteschaft war Koschorrek als damals einziger Zahnarzt im Bundestag ein wichtiger Ansprech- und Sparringspartner. Auf seine Initiative hin fiel unter anderem die Altersgrenze von 68 Jahren für Vertragsärzte. Auch im Novellierungsprozess der Gebührenordnung für Zahnärzte und bei vielen anderen Gesetzesvorhaben, die zahnärztliche Interessen berührten, war er ein wichtiger Vermittler zahnärztlicher Argumente in die Politik. Gut vernetzt in der eigenen Partei und in andere Fraktionen, aber auch in der gesundheits- und wirtschaftspolitischen Szene in Berlin, wurde er auch im Hintergrund vielfach aktiv. 2018 wurde er für sein Engagement mit der Ewald-Harndt-Medaille der Zahnärztekammer Berlin ausgezeichnet.

Fachlich, gut informiert, sachlich und zugleich mit viel Humor und Vermittlungsgeschick – das zeichnete Rolf Koschorrek aus. Bereits während seiner Zeit im Bundestag kämpfte er mit einer schweren Krebserkrankung. Dass er 2012 nicht wieder als Direktkandidat seines Wahlkreises aufgestellt wurde, weil man ihm unter anderem zu wenig Anwesenheit vor Ort vorwarf, traf ihn daher besonders.

Bundeszahnärztekammer: enger Wegbegleiter und hochgeachteter Berater

„Wir alle in der Bundeszahnärztekammer sind tief betrübt über die Nachricht zum Tode von Dr. Rolf Koschorrek. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie, der wir nun sehr viel Kraft bei der Bewältigung der tiefen Trauer wünschen.
Dr. Koschorrek war für uns ein geschätzter Kollege, enger Wegbegleiter und hochgeachteter Berater. Viele hilfreiche Impulse innerhalb der Gesundheitspolitik, speziell im Bereich Zahnmedizin, kamen von ihm. Er half, praxistaugliche Politik im politischen Berlin durchzusetzen, denn als Zahnarzt und Bundespolitiker war er in beiden Tätigkeitsfeldern firm. Wahlprüfsteine, Abwehr der Öffnungsklausel in der GOZ – das sind nur wenige Schlagworte zu großen und komplexen Themen, bei denen er Expertise und Engagement einbrachte.“

„Den Mut nie verloren“

Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, schrieb auf Facebook: „Ich denke an und trauere um Rolf Koschorrek, der heute Nacht verstorben ist. Er war Gesundheitspolitiker aus Überzeugung, ein guter Freund und ein feiner Kerl. Es ist so bitter: jahrelang hat er gegen den Krebs gekämpft und dabei schwer unter den Nebenwirkungen der vielen Therapien und der immer wiederkehrenden Krankheit gelitten. Und trotzdem hat er die Hoffnung und den Mut nie verloren. Er wollte leben. Jetzt hat die Krankheit ihn und seinen Lebenswillen doch besiegt.“

In Erinnerung bleiben wird neben seinen vielen politischen Verdiensten ein Mensch, der gerne lebte und feierte, der Spaß an der Musik hatte – er spielte Jazz-Trompete – und dem bei aller Ernsthaftigkeit und allem Leiden durch seine schwere Krankheit immer auch der Schalk aus den Augen blitzte. (MM)

Aktualisiert am 20. Januar 2020 um 9:30 Uhr um das Statement der Bundeszahnärztekammer. -Red.

Titelbild: Dr. Karsten Heegewaldt, Präsident der Zahnärztekammer Berlin (ZÄK Berlin), Dr. Rolf Koschorrek, Preisträger der Ewald-Harndt-Medaille 2018, Dr. Michael Dreyer, Vizepräsident der ZÄK Berlin (von links). (Foto: ZÄK Berlin/axentis.de)