Gingivale Rezessionen sind ein weit verbreitetes Phänomen, dessen Prävalenz mit steigendem Alter zunimmt [1]. In ihrem Vortrag beim CP GABA Symposium 2019 in Köln diskutierte Assoz.-Prof. PD Dr. Ines Kapferer-Seebacher (Innsbruck) gemeinsam mit den rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wann eine Behandlung erforderlich ist und wie diese aussehen kann.

Die Ursachen für gingivale Rezessionen sind sehr unterschiedlich, entsprechend unterscheiden sich auch die Handlungsoptionen. Dazu gehören unter anderem Zahnputztraumata – vor allem durch Schrubbtechnik beim Zähneputzen –, Entzündungen, orale Piercings oder intrasulkuläre Restaurationsränder. Daneben gibt es anatomisch bedingte Rezessionen, die Zähne stehen hier „auf dem Balkon“, so Kapferer-Seebacher, es gibt bukkale Knochendehiszenzen und der Gingivasaum folgt dem Knochen, sodass Zahnhälse freiliegen. Diese Form nimmt mit dem Alter oft zu. Auch kieferorthopädische Behandlungen können ein auslösender Faktor sein: Patienten haben im Anschluss daran bis zu fünfmal häufiger Rezessionen [2].

Von Chirurgie bis KfO

Dr. Marianne Gräfin von Schmettow, Leiterin Scientific Affairs bei CP Gaba (links), stellte PD Dr. Ines Kapferer-Seebacher vor. (Foto: Quintessence News)

Die damit verbundenen Probleme können vielfältig sein und reichen von Kälteempfindlichkeit über Zahnhalskaries bis hin zu gestörter Ästhetik. Bei der Wahl der Behandlung sollte es aus Sicht der Expertin auch darum gehen, welche Wünsche die Patienten haben. Nicht immer sei eine Behandlung notwendig. Stehen ästhetische Aspekte im Vordergrund oder schreitet die Rezession voran, ist ein chirurgischer Eingriff unter Umständen eher angezeigt. Am erfolgreichsten seien Deckungen mit patienteneigenem Weichgewebe in Kombination mit adäquater atraumatischer Mundhygiene. Aber nicht alle Defekte ließen sich chirurgisch decken. Rezessionen durch KfO-Behandlungen könnten häufig erneut kieferorthopädisch erfolgreich therapiert werden.

Zahnhalsfüllungen – „die erfolgloseste Füllung aller Zeiten“, so Kapferer-Seebacher – werden unter anderem bei Karies, Hypersensitivität, Pulpanähe oder der Gefährdung der strukturellen Integrität des Zahns durchgeführt. Gegebenenfalls sei ein okklusales Einschleifen erforderlich. Auch das Alter der Patienten und weitere Faktoren wie Rauchen sollten bei der Therapie bedacht werden.

Individuelle Mundhygieneinstruktion wichtig

Doch ganz unabhängig davon, ob die Rezession nun kieferorthopädisch behandelt, chirurgisch abgedeckt oder mit einer Zahnhalsfüllung versehen wird: Die wichtigste Maßnahme in allen Fällen ist die individuelle Mundhygieneinstruktion. Denn, so Kapferer-Seebacher, selbst die beste chirurgische Rezessionsabdeckung ist langfristig nicht stabil, wenn Patienten ihre Zähne und ihr Zahnfleisch zu heftig schrubben. Elektrische Zahnbürsten seien hier eine Option, um Plaquekontrolle und Putzverhalten zu verbessern.

Auch die zielgerichtete Empfehlung geeigneter Produkte für die häusliche Mundhygiene kann die Gesunderhaltung des Zahnfleischs unterstützen und Schmerzempfindlichkeit lindern. So bekämpfen Meridol Zahnpasta und Mundspülung mit der Kombination aus Aminfluorid und Zinnfluorid die Ursache von Zahnfleischentzündungen und fördern durch ihren antibakteriellen Effekt auf bestehende Plaque die natürliche Regeneration des Zahnfleisches. Zur Linderung von Dentinhypersensibilität können eine Zahnpasta und dazu ergänzend eine Mundspülung mit PRO-ARGIN Technologie empfohlen werden, die zum Beispiel in Elmex Sensitive Professional enthalten ist.

Referenten des Symposiums in Köln (von links): Dr. Ines Kapferer-Seebacher, Prof. Dr. Adrian Lussi, Dr. Marianne Gräfin von Schmettow (CP Gaba), Dr. Corinna Bruckmann, Dr. Christian Bittner, Dr. Fabian Cieplik und Prof. Dr. Elmar Hellwig (Foto: Quintessence News)

Zahnfleisch als Spiegel der Allgemeingesundheit

Extremer Mundgeruch, starkes Zahnfleischbluten oder Pigmentierungen in der Mundhöhle: Es gibt zahlreiche Allgemeinerkrankungen, die Spuren im Mund hinterlassen. Anhand vielfältiger Patientenfälle und -bilder aus ihrer praktischen Arbeit zeigte Dr. Corinna Bruckmann (Wien) in ihrem interaktiven Workshop beim Kölner Symposium von CP Gaba exemplarische Zustände, typische Befunde und das weitere Vorgehen in solchen Fällen auf.

Veränderungen systematisch erfassen

Nach dem Motto „Man sieht nur, was man weiß“ (J.W. v. Goethe) kommt es aus Sicht der Expertin zunächst darauf an, sich mit der normalen, gesunden Anatomie des Mundes vertraut zu machen, um entsprechende Anomalien überhaupt erkennen zu können. Anhand einer strukturierten Anamnese und Befundaufnahme kann das zahnmedizinische Fachpersonal auffällige Veränderungen so systematisch erfassen und dokumentieren. Besonderes Alarmzeichen ist ein rasches, aber schmerzloses Fortschreiten.

Im Zweifel einmal zu oft überweisen

Daher appellierte Bruckmann an die Zuhörerinnen und Zuhörer, im Zweifel besser einmal zu häufig als einmal zu wenig an medizinische Fachkollegen zu überweisen. Nur so könne eine fundierte Diagnose gestellt und gegebenenfalls die notwendige Behandlung eingeleitet werden.

Die präsentierten Fälle reichten von einer Darmerkrankung, die sich in sehr großen, über Monate nicht heilenden Aphten zeigte, bis hin zu Zahnfleischbluten, Gewichtsverlust, Fieber, Müdigkeit und Oberbauchschmerzen, die im Anschluss als akute myeloische Leukämie diagnostiziert wurden. Auch psychische Erkrankungen, Essstörungen oder Drogenmissbrauch lassen sich mitunter am Mundraum erkennen. All das verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizin und Zahnmedizin ist. (Videoaufzeichnungen der Vorträge des CP GABA Symposiums inklusive Präsentationsfolien stehen unter http://bit.ly/cpgaba2019 zur Verfügung.)

(Quelle: CP Gaba/QN)

Literatur

[1] Susin C. et al. 2004, J Periodontol. 75 (10): 1377-1386.

[2] Renkema AM. et al. 2013, J Clin Periodontol. 40 (6): 631-637.

Titelbild: Quintessence News