Die meisten Menschen sitzen lieber selbst am Lenkrad, als auf dem Beifahrersitz oder auf der Rückbank. Einfluss nehmen zu können, die Richtung bestimmen zu können, das Risiko kalkulieren zu können gibt Sicherheit und Handlungsspielraum.

Das geht nicht nur Menschen so, selbst Ratten fahren lieber selbst in Spielzeugautos durch die Gegend, als dass sie die Steuerung des Wagens einem anderen Tier überlassen. Und das auch dann, wenn sie nicht mit Futter belohnt werden. Das Fahren an sich ist für die Tiere Belohnung genug (Lambert 2019, Behavioural Brain Research).

Das Bedürfnis, im Drivers Seat zu sitzen, ist vermutlich ein Grundlegendes. Und das ist auch ein Grund, warum wir so mit der Corona-Krise hadern: Sie nimmt uns das Lenkrad aus der Hand. Wir haben das Gefühl, wir können unseren „Wagen“ nicht mehr steuern. Wir müssen zusehen, wie das, was wir in vielen Jahren und mit viel Energie aufgebaut haben, nun nicht mehr so erfolgreich ist, wie wir es erwarten. Unser Handlungsspielraum ist eingeschränkt und Methoden, die früher funktionierten, verlieren heute ihre Wirkung.

Wir möchten unsere Entscheidungen selbst treffen können

Wir mögen es einfach nicht, wenn wir aus dem „Drivers Seat“ unseres Lebens verdrängt werden und unsere Entscheidungen nicht mehr selbst treffen können. Wenn wir abhängig sind, von Einschätzungen und Entscheidungen anderer Personen, die Konsequenzen der Entscheidungen aber mit verantworten und tragen müssen, das gefällt uns nicht. Und: Wir möchten nicht immer nur „auf Sicht“ fahren. Lieber kennen wir die Rahmenbedingungen der Zukunft und richten uns daran aus, um sinnvolle und ergebnisreiche Entscheidungen treffen zu können.

Mitarbeiter wollen aktiv dabei sein

Und genauso geht es unseren Mitarbeitern. Auch sie möchten ihre Kompetenz nutzen können, aktiv dabei sein und gestalten dürfen. Das ist jetzt besonders wichtig, um engagiert und motiviert zu bleiben.

Um also gut durch die Krise zu kommen und um diese als Chance effizient für sich und für sein Unternehmen und für sein Team nutzen zu können und sich auf eine neue, noch unbekannte Zukunft einzuschwingen, gibt es einige Punkte zu beachten. Fünf davon habe ich hier für Sie zusammengestellt:

Erstens: Erst anschnallen, dann losfahren

Das, was eigentlich selbstverständlich ist, hat in Krisen einen besonderen Platz. Nur wenn wir selbst guter Stimmung bleiben und gut für uns selbst sorgen, sind wir auch ein gutes Vorbild für Mitarbeiter. Ein sorgenvoller, traurig blickender Chef färbt ab und verbreitet Unsicherheit. Um die Krise als Chance nutzen zu können, brauchen wir selbst gute Stimmung, um unser Team engagiert und motiviert zu halten. Deswegen ist es wichtig, dass wir gut beobachten, welche Auswirkungen die Entwicklungen auf uns haben und aktiv dagegensteuern. Optimismus und Handlungsfähigkeit sind relevante Komponenten.

Zweitens: Die Mitarbeiter in den „Drivers Seat“ setzen

Mitarbeiter haben viele gute Ideen und diese können wir nutzen. Gerade jetzt sollten wir den Mitarbeitern spiegeln, wie wichtig sie für uns sind und wir froh wir sind, dass sie da sind. Jeder Mitarbeiter sollte in dieser Zeit eine besondere Aufgabe erhalten, die dabei unterstützt, die Krise gut zu überstehen. Vielleicht können Sie auch etwas abgeben, das Sie bisher selbst erledigt haben? Die Mitarbeiter werden Sie mit Engagement und Motivation belohnen. Denn auch sie sitzen lieber am Lenkrad als auf dem Beifahrersitz.

Drittens: Back-up

Jetzt besteht die Chance, für jede Funktion einen Backup aufzubauen – eine ganz wichtige Strategie, um Kompetenz im Unternehmen zu behalten. Das sichert sie besonders für den bevorstehenden Wiedereinstieg ab. Denn Ihre Patienten werden nicht lange auf sich warten lassen. Und dann muss alles wie am Schnürchen laufen.

Viertens: Das Vertrauen der Patienten neu gewinnen

Die Hygiene steht nun noch mehr im Mittelpunkt als zuvor. Und sie ist das zentrale Thema, um Patienten die ausreichende Sicherheit zu geben. Denn nur, wenn sich Patienten sicher fühlen, können wir ihr Vertrauen zurückgewinnen. Und das sichere Gefühl der Patienten dominiert im Moment alle anderen Leistungen, die Sie anbieten können. Sie ist mehr noch als zuvor zur Grundvoraussetzung für einen Zahnarztbesuch avanciert. Dokumentieren Sie, wie Sie Ihre Hygienestandards erhöht haben und umsetzen und berichten Sie darüber auf Ihrer Website, bei Facebook und Co. Und das am besten immer wieder. Je mehr Transparenz Sie anbieten, umso vertrauensvoller werden Patienten Ihnen begegnen.

Fünftens: Auf die Zeit nach der Krise vorbereiten

Es gilt, jetzt die Zeit nutzen, um nicht rückblickend zu bedauern, dass man die Krise nicht effektiv genutzt hat. Wenn die Praxis wieder voll ist, sollen alle Abläufe optimal stehen und alle Verbesserungen durchgeführt sein, für deren Planung und Umsetzung Sie bisher keine Zeit hatten.

Im „Drivers Seat“ zu bleiben und dieses Gefühl auch dem Team zu ermöglichen, gehört zu den Schlüsseln des Krisenmanagements. Haben Sie den Mut dazu. Und bleiben Sie gesund.

Dr. Susanne Klein, Darmstadt

Dr. Susanne Klein (Foto: www.fotoversum.de)

Dr. Susanne Klein ist Beraterin und Coach für Führungskräfte und Unternehmer. Dank Bafa-Förderung in der Corona-Krise bietet sie kostenfreie Beratung und Coachings zum Thema „Führung in der Krise“ an. Susanne Klein ist Vorstand Akkreditierung im European Mentoring and Coaching Council, führt ihre eigene Schule für Coaching und hat verschiedene Preise für ihre Ausbildungen gewonnen. Sie ist Referentin in zahnmedizinischen Akademien und arbeitet seit zehn Jahren mit Zahnärzten und ihren Teams. Mehr Informationen unter www.susanne-klein.net. Kontakt zur Autorin unter info@susanne-klein.net.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert Beratung und Coaching in der Corona Krise zu 100 Prozent bis zu einer Summe von 4.000 Euro. Einfach und schnell auszufüllende Anträge finden sich unter Bafa.de.

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