Moderne digitale Technologien und klassische Handwerkskunst – in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Zahntechnik heute. Und dies spiegelt sich auch in der Meisterausbildung wider. Der Weg zum Meister im Zahntechnikerhandwerk ist arbeitsintensiv und anspruchsvoll. Das Ziel „Meister“ aber bleibt für viele junge Zahntechnikerinnen und Zahntechniker reizvoll.

Wo Innovations- und Modernisierungsbedarf besteht, hat der 1. Dentale Berufsbildungsgipfel des VDZI Ende November 2019 in Berlin diskutiert. Dabei wurde das hohe Engagement in den Meisterschulen und die neuen Wege, die dort beschritten werden, ebenso deutlich, wie die Anforderungen an eine Novellierung der Meisterausbildungsordnung.

In Hessen startet im April 2020 ein neuer Vorbereitungslehrgang für die Meisterprüfung. Christian Mankel, Geschäftsführer der Zahntechnikerinnung Rhein-Main, sprach dazu mit Zahntechnikermeisterin Meike Funk. Sie ist die Kurskoordinatorin an der Zahntechniker-Meisterschule Hessen.

Christian Mankel: Was bedeutet der Meister für Sie? Für was steht der Meistertitel in Ihren Augen?

ZTM Meike Funk (Foto: ZTI Rhein-Main)

Meike Funk: In meinen Augen steht der Meistertitel vor allem für Freiheit. Mit diesem Titel und den erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen stehen alle Möglichkeiten offen, egal, was das Berufsleben noch bringen wird.  Zudem steht er für hohe fachliche Qualifikation und Qualität.

Mankel: Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Zahntechnikermeisters?

Funk: Die wichtigsten Eigenschaften sind in meinen Augen das Verantwortungsbewusstsein und der Wille, sich weiter zu entwickeln. Die Ausbildung an der Zahntechniker-Meisterschule Hessen sorgt für den Rest.

Mankel: Wieso sollte man sich für diese Meisterschule entscheiden? Wie unterscheidet sie sich von anderen?

Funk: Die Zahntechniker-Meisterschule Hessen zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Carolinum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt steht. Der Vorteil dieser Zusammenarbeit ist, dass die Meisterschüler in dieser Zeit die Grundlagen ihres Handwerks aus der zahnärztlichen Sicht kennenlernen. Der Blick aus der Perspektive des Kunden Zahnarzt fördert nicht nur eine bessere Zusammenarbeit, sondern vermittelt den Schülern ein breit angelegtes Wissen.

In diesem Kontext ist der Bau eines Netzwerkes mit Mitschülern, Referenten, Industrie und jungen Zahnärzten ein entscheidender Vorteil, denn es entwickeln sich viele Kontakte, die teils ein Leben lang halten. Auch das Lehrpersonal und der Prüfungsausschuss haben eine enge Vernetzung, so dass die Absolventen bestens auf ihre Prüfung vorbereitet werden.

Mankel: Wie nehmen Sie den Wandel in der Zahntechnik wahr? Positiv oder negativ?

Funk: Zahntechniker können mithilfe der technischen Weiterentwicklung ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und in weniger Zeit nicht nur mehr, sondern auf lange Zeit gesehen auch effizienter produzieren.

Bei aller digitalen Begeisterung bleibt es aber trotzdem ebenso wichtig, prothetisches Wissen zu vermitteln, denn nur auf dieser Basis kann man mit den Maschinen fachgerechte Arbeiten herstellen.

 

Im Schulungslabor des Frankfurter Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer. (Foto: Handwerkskammer )

Mankel: Wie setzten Sie den digitalen Wandel in der Zahntechnik um? Wie sorgen Sie dafür, immer auf dem neusten Stand der Technik und Arbeitsweisen zu sein?

Funk:  Die Schulungslabore sind auch für die digitale Zahntechnik mit zwei Scan- Arbeitsplätzen, 16 CAD-Arbeitsplätzen mit 3Shape Dental-Designer/Exocad sowie einer Datron-Fräsmaschine und zwei Bego 3D-Druckern bestens gerüstet. Auch die Weiterverarbeitung der modernen Werkstoffe ist in den beiden modern ausgestatteten Werkstätten kein Problem. Durch eine ständige Evaluierung der Unterrichtinhalte sowie der hierzu benötigten Werkstattausstattung ist sichergestellt, dass die Werkstätten jetzt und auch in Zukunft den Anforderungen der Meisterprüfung und auch des Marktes entsprechen.

Es muss hier aber auch betont werden, dass die derzeit gültige Meisterprüfungsverordnung noch einiges an analogem Handwerk fordert, und dies selbstverständlich auch im Unterricht gelehrt wird. Zu nennen ist hier insbesondere die Kombinationstechnik, auch hierzu stehen zum Beispiel zwölf Fräsgeräte, sechs verschiedene Gussmaschinen und eine große Anzahl an Vorwärmöfen zur Verfügung. Exzellente Arbeit leistet hier mein Kollege im Meistschule-Koordinationsteam und Leiter des Labors im BTZ, Christian Rohrbach.

Mankel: Fließen auch relevante aktuelle Themen, wie zum Beispiel die Umsetzung der EU-MDR, in den Unterrichtsstoff mit ein?

Funk: Ja, dies ermöglicht uns unser hervorragendes Referentenportfolio, zu dem zusätzlich zu renommierten Hochschulprofessoren und anderen erstklassigen Referenten auch Fachexperten für Betriebswirtschaft und Qualitätsmanagement wie unter anderem Patrick Hartmann vom Verband der Deutschen Zahntechniker-Innungen gehören.

Christian Mankel, Geschäftsführer der ZTI Rhein-Main (Foto: ZTI Rhein-Main)

Mankel: Welche Veränderungen innerhalb der Meisterschule haben Sie seit Ihrem Start vor vier Jahren vorgenommen? Haben Sie noch weitere Veränderungen geplant?

Funk: Die Meisterschule war zu Beginn meiner Tätigkeit als Kurskoordinatorin bereits sehr gut aufgestellt. Frankfurt als Meisterschulstandort verfügt über lange Tradition und ist für seine erfolgreichen Absolventen bekannt. Dies habe ich der hervorragenden Vorarbeit meines Vorgängers und heutigem Innungsehrenmitglied, Ernst Rieder, zu verdanken.

An dieses Niveau habe ich angeknüpft, diesen Qualitätsanspruch führen wir weiter und werden dabei die digitale Wertschöpfungskette noch stärker in den Fokus rücken, ohne die klassische Handwerkskunst zu kurz kommen zu lassen.

Weitere Informationen zur Zahntechniker-Meisterschule Hessen und zur Anmeldung für den Vorbereitungslehrgang zur Meisterprüfung gibt es auf der Internetseite der ZTI Rhein-Main.

 

Titelbild: Das Meisterkurslabor der Zahntechniker-Meisterschule Hessen. (Foto: HWK Frankfurt/ZTI Rhein-Main)