Grundlegende Kenntnisse in der Oralchirurgie sind für alle Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner von Bedeutung. Das betrifft sowohl Therapieentscheidungen als auch das Erkennen der Notwendigkeit oralchirurgischen Handlungsbedarfs. Denn zahnärztliches Handeln zielt auf die Gesunderhaltung und Heilung, in manchen Fällen auch den Ersatz der Strukturen der Mundhöhle.

Diese Tatsachen und die erhöhten administrativen und rechtlichen Voraussetzungen sowie die gewachsenen Ansprüche der Patienten sind gute Gründe für die APW, das Curriculum „Zahnärztliche Chirurgie“ neu strukturiert und in einer komplett überarbeiteten Fassung aufzulegen. Es soll dem Praktiker im Arbeitsalltag helfen, diesen Arbeitsbereich sicher anzugehen. Das neue Curriculum startet am 12. und 13. April 2019 mit dem ersten Wochenendkurs und endet mit den Abschlussgesprächen im September 2020. Im Interview mit Markus Brakel gibt der Referent und APW-Vorsitzender Dr. Dr. Markus Tröltzsch Einblicke in Inhalte des Curriculums.

Auf welche anatomischen Besonderheiten in der Mundhöhle muss bei der Oralchirurgie besonders geachtet werden?

Dr. Dr. Markus Tröltzsch: Die Mundhöhle weißt verschiedene anatomische Gegebenheiten auf, die im chirurgischen Alltag eine Rolle spielen. Beispielsweise ist hier zu nennen der Nervus alveolaris inferior mit seinen Ästen und die Gefäßversorgung, die aus verschiedenen Ästen unter anderem aus der Arteria facialis und maxillaris, gespeist werden. Die Belastbarkeit der Schleimhaut ist in verschieden Arealen der Mundhöhle unterschiedlich und die Kontur des Alveolarkamms kann in verschiedenen Situationen zu unerwarteten Problemen führen.

Welche chirurgischen Voraussetzungen sind für den Teilnehmer vonnöten?

Tröltzsch::Das Curriculum ist so konzipiert, dass keine besonderen chirurgischen Voraussetzungen nötig sind. Alle notwendigen Fähigkeiten werden im Verlauf der Kurse gemeinsam aufgebaut.

Wie lassen sich in einer „normalen“ Praxis möglicherweise die notwendigen Hygienevoraussetzungen herstellen?

Tröltzsch: Die Hygienerichtlinien in der Zahnarztpraxis weisen in Deutschland einen sehr hohen Standard auf. Genau diese sind einzuhalten. Für chirurgische Eingriffe empfehlen wir grundsätzlich sterile Abdeckung des OP Tisches und des Patienten sowie das Tragen steriler Handschuhe. Zudem ist eine getrennte sterilisierte Absaugung sinnvoll. Arbeitsgeräte sollten primär steril oder mit sterilen Überzügen versehen sein.

Woran erkennt der „normale“ Praktiker, dass oralchirurgischer Handlungsbedarf besteht und er an einen Experten überweisen sollte?

Tröltzsch: Dies ist immer eine Einzelfallentscheidung, und eine schwierige dazu. Zahnärztlich chirurgische Eingriffe sind häufig primär nicht ganz leicht einzuschätzen. Das Erkennen der individuellen Schwierigkeit eines Eingriffs ist Teil des im Curriculum vermittelten Wissens. Anhand von Fallbeispielen werden diese Fragestellungen mit den Teilnehmern durchgesprochen. Zudem wird auch die medizinische Komponente dieser Entscheidung intensiv beleuchtet.

Titelbild: Der APW-Vorsitzende Dr. Markus Tröltzsch (APW/Spillner)