Der Kurs „Full-mouth Rehabilitation“ von Dr. Martin von Sontagh in Kooperation mit Ivoclar Vivadent fand am 16. Februar 2019 zum wiederholten Mal im ICDE (International Center for Dental Education) in Wien statt. Dieser Samstag zielte darauf ab, den Werkstoff Komposit den Kursteilnehmern anhand eines konkreten Fallbeispiels näher zu bringen. Dieser wird laut von Sontagh grundsätzlich unterschätzt, birgt er doch viele Vorteile für den Patienten wie für den Behandler.

In der Zahnmedizin werden Komposite als zahnfarbene, plastische Füllungsmaterialien bezeichnet, welche nach Einbringen in eine Kavität chemisch oder durch Energiezufuhr aushärten. Moderne zahnärztliche Komposite bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten; nachfolgend die wichtigsten Hauptbestandteile wie

  • die organische Matrix (Bis-GMA, UDMA TEGDMA),
  • die disperse Phase (Füller; Quarz, Glas, Keramik),
  • die Verbundphase (Silane, Kopolymere) sowie
  • Initiatoren (Kampferchinon), Akzelatoren und Inhibitoren (zum Beispiel Eugenol).

Betrachtet man für Komposit die Vor- und Nachteile, überwiegen die Vorteile deutlich. Als Weiterentwicklung der klassischen Hybridkomposite werden die Bulk-Fill-Komposite (BFKs) (Ilie N, Manhart J. Bulk Fill Komposite. Quintessenz 2018;69(12):1386–1394) angesehen. Diese lassen sich ohne Inkrementschichttechnick, welche bisher auf zwei Millimeter Schichtstärke limitiert war, nun in Schichten bis zu vier Millimetern legen.

Bulk-Fill-Komposite werden in niedrigviskose und hochviskose Materialien eingeteilt. Die niedrigviskosen benötigen eine okklusale Deckschicht. Die hochviskosen sind wie herkömmliche Komposite anzuwenden. Laut aktuellen Studien soll diese Methode 20 Prozent Zeitersparnis mit sich bringen. Die organischen sowie anorganischen Füllstoffe sind in ihrer Zusammensetzung identisch zu den Hybridkompositen. Lediglich die Füllkörper sind deutlich größer, was die Lichtdurchlässigkeit verbessert. Die erhöhte Transluzenz versucht man durch die Zugabe bestimmter Farbpigmente auszugleichen.

Abb. 1: Ausgangssituation (Foto: Dr. Martin von Sontagh)

Vorgehen anhand eines Fallbeispiels Seitenzahnbereich 14, 15, 16

Ausgangssituation (Abb.1): Die Patientin erschien in der Praxis mit insuffizienten Füllungen an den Zähnen 14, 15 und 16. Sie hatte den Wunsch nach einer hochästhetischen, minimal-invasiven Behandlung, einer nicht „sichtbaren“ Lösung. Von Sontagh entschied sich für Komposit als Mittel der Wahl.

Behandlungsablauf: Nach erfolgter Infiltrationsanästhesie wurden zunächst die alten Füllungen sowie die darunterliegende Karies exkaviert (Abb. 2). Nach Exkavation wurde ein Kofferdam inklusive Matrizen appliziert (FA Garrison Dental System, Abb. 3). Anschließend erfolgte die selektive Schmelzätzung (Abb. 4), wobei der Schmelz 30 Sekunden und das Dentin 15 Sekunden konditioniert wurden.

Das Bonding-System Adhesive Universal (FA Ivoclar Vivadent) wurde den Herstellervorgaben entsprechend 20 Sekunden lang einmassiert (Abb. 5). Tiefere Bereiche der Kavität wurden zuerst mit einem niedrigviskosen Bulk-Fill-Komposit aufgefüllt (Abb .6). Anschließend wurde mit einem konventionellen Komposit (Tetric EvoCeram A2) das Höcker-Fissuren-System modelliert (Abb. 7). Für die individuelle Charakterisierung wurden die Fissuren mit Tetric Colour Braun und die Höckerspitzen mit Tetric Colour white eingefärbt (Abb. 8).

Ergebnis (Abb. 9): Die Patientin ist mit den neuen, ästhetisch ansprechenden Füllungen hoch zufrieden. Diese gliedern sich aufgrund der bräunlichen und weißlichen Charakterisierungen und des ausgeprägtem Fissuren-Systems unmerklich in die bestehende Zahnreihe ein.

Abb. 9 (Foto: Dr. Martin von Sontagh)

Aufgrund der hohen Nachfrage werden Zusatzkurse „Full-mouth Rehabilitation aus Komposit“ mit Dr. von Sontagh im ICDE Wien angeboten, der nächste Kurs findet am 27. April 2019 statt. Weitere Informationen hier.

Niels Karberg, Nico Rothenaicher, Krems a.d. Donau

Die Autoren dieses Beitrags, Niels Karberg (rechts) und Nico Rothenaicher, studieren derzeit im 10. Semester Zahnmedizin an der DPU (Danube Private University) in Krems und absolvieren parallel ihren Bachelor im Medizinjournalismus. (Foto: Privat)

Einen weiteren Beitrag über die Kurse von Dr. von Sontagh lesen Sie hier.

Titelbild: Fertige Restaurationen (Foto: Dr. Martin von Sontagh)