Hartmannbund warnt vor Medizin als „industriellem Handeln“

Der Hartmannbund fordert ein Ende des unkoordinierten Zugangs von Patienten zu Leistungen des Gesundheitssystems. Dies liege sowohl im Interesse der in der Versorgung tätigen Akteure als auch derer, die auf medizinische Leistungen angewiesen seien, waren sich die Delegierten der Hauptversammlung des Verbands Anfang November in ihrem Leitantrag einig. „Bei der Koordinierung des Zugangs zum System gibt es noch erheblich Luft nach oben. Das Durcheinander der Inanspruchnahme hochkomplexer Vorgänge in der Versorgung muss ein Ende haben“, brachte es der Vorsitzende des Hartmannbunds, Dr. Klaus Reinhardt (zugleich Präsident der Bundesärztekammer), in seiner Grundsatzrede auf den Punkt. Dies sei nicht nur eine Frage effektiver Ressourcennutzung und von Patientensicherheit, sondern auch eine Frage der Solidarität denen gegenüber, die “zeitnah ausreichende ärztliche Zeit brauchen.” Reinhardt forderte von Gesundheitsminister Spahn den Mut, sich dieses für die Versorgung fundamentalen Themas endlich anzunehmen. Auch die ärztliche Selbstverwaltung sei allerdings in der Pflicht, diese Herausforderung entschlossen und mit der notwendigen Fantasie anzunehmen.

Kritisch setzte sich Reinhardt mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Gesundheitswesens auseinander. „Medizin darf nicht zu industriellem Handeln verkommen“, stellte er mit Blick auf immer mehr fachfremden ökonomischen Druck in Kliniken und Praxen fest. Sorgen macht sich der Hartmannbund-Vorsitzende in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch um das Personal in den Kliniken. Denn um in einem unterfinanzierten System nicht in die Insolvenz zu kommen, sei der Einfluss der Ökonomen in den Krankenhäusern zu groß geworden. Er rief die Bundesländer dazu auf, eine besser abgestimmte Krankenhausplanung auf den Weg zu bringen. Handele man hier nicht koordiniert und – im Sinne der Versorgung – sachgerecht, werde die Kommerzialisierung weiter voranschreiten. Dieser Missstand werde dann auf dem Rücken von Ärzten und Pflegenden ausgetragen. „Der Bogen zwischen den Kaufleuten und der Ärzteschaft ist bereits extrem gespannt. Ich glaube, die Bogensehne ist nicht mehr weit davon entfernt zu reißen“, sagte Reinhardt. (Quelle: Hartmannbund)

Übersicht über Angebote für das Qualitätsmanagement

Das Zentrum Zahnärztliche Qualität wurde von den Trägerorganisationen beauftragt, zur Aktualisierung der IDZ-Information aus dem Jahr 2005 einen aktuellen Überblick über körperschaftsgeführte Qualitätsmanagementangebote (QM-Angebote) für die Zahnarztpraxis zu erstellen. Dazu wurden die Urheber beziehungsweise Eigentümer von körperschaftsgeführten QM-Angeboten gebeten, einen kurzen Fragebogen auszufüllen und ihr System strukturiert zu beschreiben. Die Übersicht zeigt, dass einrichtungsinternes Qualitätsmanagement flächendeckend angeboten wird und für Zahnarztpraxen Unterstützungsangebote existieren, die dabei helfen, Qualitätsmanagement im Hinblick auf eigene Ziele und Praxisbedürfnisse zu implementieren und weiterzuentwickeln. Die Übersicht kann als PDF beim Institut der Deutschen Zahnärzte heruntergeladen werden: Chenot, Regine: Körperschaftsgeführte Systeme und unterstützende Angebote für das Qualitätsmanagement in der Zahnarztpraxis. Zahnmed Forsch Versorg 2019, 2: 1. (Quelle: IDZ)

Prof. Jörg Wiltfang ist neuer Präsident elect der DGZMK

Neuer Präsident elect der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) ist Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Jörg Wiltfang (56). Er wurde auf der DGZMK-Mitgliederversammlung am Rande des Wissenschaftlichen Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag 2019 gewählt. Der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg ist Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Plastische Operationen an der Christian-Albrechts Universität Kiel.

Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang, Kiel, ist neuer Präsident elect der DGZMK. (Foto: Quintessenz)

Für sein neues Amt nennt er folgende Ziele: „Neben verschiedenen berufspolitischen Herausforderungen halte ich es für sehr wichtig, die Bedeutung der oralen Medizin in der Medizin weiter zu entwickeln, Strukturen gegebenenfalls. noch besser zu vernetzen und dabei die zunehmende Digitalisierung einzusetzen.“ In seiner Vorstandsarbeit in der DGZMK und für die drei Jahre seiner folgenden Präsidentschaft hat Wiltfang drei Themen, denen er besondere Aufmerksamkeit schenken möchte. Dazu zählt, „die Forschung innerhalb der Zahnmedizin weiter zu fördern“. Das bedeutet für ihn auch, „den Zugang zu hoch qualifizierten Drittmitteln zu vereinfachen und zu entbürokratisieren“. Darüber hinaus möchte er „auf die sehr positiven Erfahrungen der DFG-Nachwuchsakademie aufbauen“.

Wiltfang absolvierte von 1988 bis 1998 das Studium der Medizin und der Zahnmedizin an der Georgs-August-Universität Göttingen, promovierte in beiden Disziplinen und nutzte diese Zeit auch zu zwei Studienaufenthalten in Minneapolis und Chicago. Er folgte 1998 dem Ruf als Professor an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, ehe er ab 2004 auf seine jetzige Funktion und Position an der Uni Kiel wechselte. Wiltfang ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der neue Präsident elect der DGZMK kann auf internationale Erfahrung in der Vorstandsarbeit und publizistische Aktivitäten zurückgreifen. Unter anderem war er zwischen 2007 und 2018 Editor-in-Chief des European Journals of Cranio-Maxillofacial Surgery (JCMS) und Mitglied im Vorstand der European Association of Cranio-Maxillo-Facial Surgery (EACMFS). Von 2013 bis 2015 war er Erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (AGKi). Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) ist er seit 2017. Seit 2018 wirkt er als Geschäftsführer der European Training Academy for Medicine and Dentistry (EFMZ der DGMKG) und ist im kommenden Jahr Präsident der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) in Hamburg (17. bis 20. Juni 2020). (Quelle: DGZMK)

FVDZ: DVG ist ein fahrlässiges Spahn-Projekt

Mit den Stimmen der Großen Koalition hat der Deutsche Bundestag das Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) beschlossen. Dazu der Bundesvorsitzende des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ), Harald Schrader: „Mit diesem Gesetz ist außer einer Menge Verunsicherung sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten nicht viel erreicht worden – von Patientennutzen ganz zu schweigen. Denn nach wie vor gibt es keine echte Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen, sondern immer nur punktuelle Eingriffe, für die das System nicht gewappnet ist. Mehr Sorgfalt und weniger Eile wären hier sinnvoll gewesen, stattdessen wurde das Gesetz durchgepeitscht – koste es, was es wolle. Was es kosten wird, wird wahrscheinlich erst später sichtbar: Es wird um Sicherheitslücken und mangelnden Datenschutz gehen, denn der ist jetzt auf der Strecke geblieben. Der Patient muss jederzeit der Souverän seiner Daten bleiben. Auch dieser Grundsatz wird durch das Gesetz ausgehebelt.

Das Credo im Gesundheitsministerium ist offenbar: Erst mal machen, dann nachsteuern. Dass dies gerade in Bezug auf die Sicherheit der sensibelsten aller Daten, der Gesundheitsdaten, fatale Folgen haben kann, wissen wir alle. Minister Spahn hat hier geradezu fahrlässig sein Projekt vorangetrieben – und zwingt auch durch die Androhung von Sanktionen alle Ärzte und Zahnärzte da mitzumachen. Das nächste Digitalgesetz ist bereits in der Pipeline. Der FVDZ hofft, dass die Bundesregierung hier mehr Weitblick und Sorgfalt und weniger Wildwest walten lässt.“ (Quelle: FVDZ)

Bundestag verabschiedet das DVG

Der Deutsche Bundestag hat am 7. November mit der Mehrheit von CDU/CSU und SPD das Digitale Versorgung-Gesetz in der vom Gesundheitsausschuss geänderten Fassung verabschiedet. Linke und Bündnis 90/Grüne lehnten das Gesetz ab, FDP und AfD enthielten sich. Damit sollen unter anderem Gesundheits-Apps auf Kassenkosten Patienten verordnet werden. Zudem sind weitere Regelungen zur elektronischen Patientenakte und zum Zugang zu den Gesundheitsdaten unter anderem für Forschungszwecke im Gesetz enthalte. Neu ist, dass jetzt auch Zahnärzte telemedizinische Leistungen nutzen und abrechnen können sollen. Dafür hatte sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung eingesetzt. Nicht gestrichen wurden die erhöhten Strafen für Ärzte und Zahnärzte, die sich nicht an die TI-Struktur anbinden lassen. Ab 1. März 2020 drohen ihnen 2,5 Prozent Honorarabzug. (Quelle: Deutscher Bundestag)

Digitale Versorgung-Gesetz kurz vor der Abstimmung

Das sogenannte Digitale Versorgung-Gesetz geht auf die parlamentarische Zielgeraden: Am 6. November werden sich die Gesundheitspolitiker noch einmal mit dem Gesetz befassen, am Donnerstag soll es dann im Plenum verabschiedet werden. Das Gesetz, mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigen will, wird bis zum Schluss kontrovers diskutiert. Ein reduzierter Datenschutz bei der ersten Version der elektronischen Patientenakte ab 2021 und die Frage der sicheren Datenspeicherung bestimmten die Diskussion. In den vergangenen Tagen rückte die Frage, ob die Daten für Forschungszwecke genutzt werden können und wenn ja, durch wen und unter welchen Bedingungen, in den Vordergrund. Es geht um die Daten der rund 73 Millionen GKV-Versicherten, die künftig zentral beim GKV-Spitzenverband nicht nur für die Steuerung der GKV, sondern auch für andere Forschungszwecke zur Verfügung stünden. Es soll ein neues Forschungsdatenzentrum entstehen. Vor den letzten Beratungen sind 18 unterschiedliche Zugriffsberechtigte vorgesehen, zusätzlich sollen die Universitätskliniken Zugang erhalten. Begehrlichkeiten gibt es auch bei Unternehmen, die bislang keinen Zugriff haben sollen.

Von zahnärztlicher Seite wird gefordert, auch die Zahnärzte in neue Anwendungen wie die Telemedizin einzubeziehen, die zahntechnischen Laboratorien an die sichere Gesundheitstelematik ebenfalls anzubinden und keine kommerziellen Engagements der Kassen bei der Entwicklung neuer TI-Anwendungen zu ermöglichen. Abgelehnt werden die im Gesetzentwurf enthaltenen schärferen Sanktionen gegen Leistungserbringer, die nicht an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sind oder diese nicht nutzen. Besondere Aufmerksamkeit gilt vonseiten der Zahnärzteschaft der Datensicherheit und dem Datenschutz – sowohl für patientenbezogene Anwendungen wie die elektronische Patientenakte und Gesundheits-Apps, als auch für Sicherheit der in den Praxen installierten TI. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung hatte in ihrer Stellungnahme zum Regierungsentwurf deutlich gemacht, dass die Frage der Sicherheit der TI nicht auf die Zahnärzte abgewälzt werden dürfe. (Quelle: QN/KZBV)

Zähneputzen in allen Kitas

Der Deutsche Arbeitskreis für Jugendzahnpflege macht sich stark dafür, dass in allen Kitas das Zähneputzen eingeführt wird, wie es in einigen Bundesländern schon der Fall ist. Das berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Dies könne dazu beitragen, die Mundgesundheit der Kita-Kinder zu verbessern, weil das Zähneputzen nicht in allen Familien zum Tagesablauf gehöre. Die Gruppenprophylaxe mit Fluoridierung sei sinnvoll und eine gute Ergänzung, entscheidend sei aber das tägliche Zähneputzen. (Quelle: Deutsches Ärzteblatt)

Dosis muss aufs Rezept

Künftig muss auf Rezepten auch die Dosierung eines Medikaments angegeben werden. Die Verpflichtung dazu entfällt nur, wenn der Patient in anderer Form schriftlich über die Dosierung informiert wurde, zum Beispiel über einen Medikationsplan. Dies muss dann auf dem Rezept vermerkt sein. Fehlt ein solcher Vermerk des Verschreibenden, kann auch die Apotheke diesen Vermerk nach Rücksprache mit dem Aussteller des Rezepts nachtragen.

Die entsprechende 18. Verordnung zur Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung ist am 1. November 2019 in Kraft getreten, die Angabe der Dosis auf dem Rezept wird mit dem 1. November 2020 verpflichtend. (Quelle: Bundesgesetzblatt)

VDDS-Mitgliederversammlung bestätigt Vorstand

Die Mitgliederversammlung des Verbands Deutscher Dentalsoftware- Unternehmen e.V. (VDDS) hat am 24. Oktober 2019 in Frankfurt am Main die Mitglieder des Vorstands in ihren Ämtern für die nächsten drei Jahre bestätigt. Sabine Zude, Geschäftsführerin der CompuGroup Medical Dentalsysteme GmbH, wurde zur Vorsitzenden des Verbands wiedergewählt. Zude ist bereits seit 2010 Vorsitzende des VDDS. Udo Bartel, Geschäftsleitung der BDV GmbH, und Werner Rampetsreiter, strategisches Management der Firma Evident GmbH, wurden als Stellvertretende Vorsitzenden ebenfalls wiedergewählt. Bartel ist seit 2015 als Mitglied des Vorstands des VDDS tätig und wird weiterhin für die Finanzen des Verbands verantwortlich zeichnen.

Der aktuelle Vorstand des VDDS (von links): Werner Rampetsreiter, stellv. Vorsitzender, Sabine Zude, Vorsitzende, Udo Bartel, stellv. Vorsitzender (Foto: VDDS)

Zude würdigte die aktive ehrenamtliche Mitarbeit der ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder sowie die Arbeit der Expertengruppen des Verbands. „Das Engagement von vielen ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder leistet einen wichtigen Beitrag zur Interoperabilität der IT Systeme in der zahnmedizinischen Versorgung“, so Zude. (Quelle: VDDS)

2.165 Studienanfänger, 2.210 Neu-Approbierte

2.165 Studienanfänger im Fach Zahnmedizin haben sich im Jahr 2018 an Universitäten in Deutschland eingeschrieben. Im gleichen Jahr erlangten 2.210 Absolventinnen und Absolventen die Approbation für eine vertragszahnärztliche Berufsausübung. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren mit kleineren Schwankungen insgesamt leicht gestiegen, 2017 waren es ähnlich viele Studienanfänger und 2.192 Absolventen. (Quelle: Jahrbücher 2018 und 2019 der KZBV).

KBV: Noch viele Vorarbeiten für die ePA

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat den Auftrag, auf ärztlicher Seite die Entwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) zu koordinieren. Diese soll ab 1. Januar 2021 für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung stehen, Ärzte und Zahnärzte müssen auf ihrer Seite die entsprechende Infrastruktur vorhalten. Nach Ansicht von KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel müsse „arbeitsteilig“ vorgegangen werden, sagte er im Interview mit KV-on. Die Gematik werde die Technik spezifizieren, damit die Krankenkassen auf dieser Basis ihren Versicherten eine Patientenakte zur Verfügung stellen könnten. Vor allem müssten aber auch die PVS-Hersteller ihren technischen Beitrag leisten, „damit die elektronische Patientenakte (ePA) auch in die Krankenhäuser und in die Praxen kommen kann“.

Dr. Thomas Kriedel ist im Vorstand der KBV für Telematik zuständig. (Foto Lopata/axentis.de)

Die technischen Spezifikationen müssten von der Gematik vorgegeben werden, betonte Kriedel im Web-TV der KBV und appellierte zugleich an die Industrie, die Konnektoren-Updates für die ePA rechtzeitig vor dem Ausrollen der ePA 2021 zur Verfügung zu stellen. Zunächst sei jedoch ein eHealth-Konnektor-Update notwendig, „damit der Arzt beispielsweise medizinische Daten mit Signatur an einen Kollegen oder in die Telematikinfrastruktur (TI) verschicken kann“. Mit diesem Update ist es dann auch möglich, die medizinischen Anwendungen Notfalldatenmanagement und elektronischer Medikationsplan zu nutzen. Bisher kann der Konnektor lediglich die Versichertenstammdaten abgleichen. Kriedel äußerte nach den Erfahrungen mit dem TI-Roll-out die Sorge, dass dieser Zeitplan sehr eng werden könne.

„Die KBV hat die Aufgabe, den zentralen Teil der ePA zu definieren, nämlich die medizinischen Daten“, erläuterte der KBV-Vorstand. Die medizinischen Inhalte und auch die Semantik müsse die KBV entwickeln. Kriedel: „Wir nennen das MIOs: medizinische Informationsobjekte. Diese MIOs werden von uns entwickelt, dann in ein Kommentierungsverfahren gegeben, ins Benehmen gesetzt mit allen Beteiligten und dann als endgültiges Produkt an die Gematik geliefert.“ Dies ist zum Beispiel der elektronische Impfpass. Die Gematik entscheide dann, wann die MIOs in die ePA eingestellt werden können, betonte Kriedel. Das sei ein langes Verfahren.

Derzeit arbeite die KBV Kriedel zufolge mit Hochdruck an den MIOs. Dabei sei der erste Schritt die Entwicklung eines Verfahrens gewesen, wie man die übrigen zu beteiligenden Stakeholder mit einbeziehe. Dazu gebe es nunmehr eine Verfahrensordnung. „Jetzt geht es an die Arbeit“, kündigte Kriedel an. „Wir selbst haben die Konzeption entwickelt und sind dabei, ein Team aufzubauen.“ Er zeigte sich zuversichtlich, „dass wir Anfang 2020 die ersten MIOs in die Kommentierungsphase geben können“. (Quelle: KBV)

Durchschnittlicher Zusatzbeitrag in der GKV steigt

Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird für das Jahr 2020 um 0,2 Prozent auf 1,1 Prozent angehoben. Das hat das Bundesministerium für Gesundheit Ende Oktober 2019 mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger bekanntgeben. „Gewollte Verbesserungen in der Versorgung, medizinischer Fortschritt und eine höhere Nachfrage nach medizinischer Versorgung in einer älter werdenden Gesellschaft führen dazu, dass die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen. Vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Konjunkturlage ist es daher angezeigt, den durchschnittlichen Beitragssatz anzuheben, um die zu erwartenden Ausgaben zu finanzieren.“

Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz ist eine statistische Orientierungsgröße, er wird nach Auswertung der Prognosen des Schätzerkreises zur Einnahmen-und Ausgabenentwicklung der GKV errechnet. Dieser ergibt sich aus der Differenz der vom Schätzerkreis einvernehmlich prognostizierten Einnahmen des Gesundheitsfonds von 240,2 Milliarden Euro und der mehrheitlich vom Bundesversicherungsamt und Bundesministerium für Gesundheit erwarteten Ausgaben der GKV im kommenden Jahr von rund 256,8 Milliarden Euro. Er dient für die Haushaltsplanungen und individuellen Beitragssatzentscheidungen der Krankenkassen, die in den nächsten Wochen anstehen und von den zuständigen Aufsichtsbehörden zu genehmigen sind. Wie hoch der individuelle Zusatzbeitragssatz einer Krankenkasse für ihre Mitglieder tatsächlich ausfällt, legt die jeweilige Krankenkasse selbst fest.

Zugleich müssen die Kassen ab 2020 ihre Rücklagen abbauen. Die Finanzreserven der Kassen seien in den vergangenen Jahren auf mehr 20 Milliarden Euro gestiegen, so das BMG. Mehr als die Hälfte der Krankenkassen verfüge derzeit über mehr als eine Monatsausgabe Betriebsmittel und Rücklagen. Solange sie diese Quote überschreiten, dürfen sie ihre Zusatzbeiträge nicht anheben. Einige Kassen, deren Finanzreserven deutlich über eine Grenze von einer Monatsausgabe hinausgehen, müssen diese ab 2020 innerhalb der kommenden drei Jahre schrittweise abzubauen. (Quelle: BMG)

Malteser wollen Akutkliniken abgeben

Die Malteser in Deutschland richten ihr Angebot in der stationären Gesundheitsversorgung neu aus: Künftig werden die Malteser sich auf den Geschäftsbereich „Wohnen und Pflege“ konzentrieren und die Zahl ihrer Akutkrankenhäuser reduzieren. Voraussichtlich werden sechs der insgesamt acht Malteser Akutkrankenhäuser – inklusive der zugehörigen medizinischen Versorgungszentren und dazugehörigen Einrichtungen wie Apotheken oder Logistik – unter einer neuen Trägerschaft fortgeführt. Hierzu hat der Träger der Häuser, die Malteser Deutschland gemeinnützige GmbH, erste Gespräche mit ausgewählten potentiellen neuen Eigentümern aufgenommen. Ziel ist, diese Gespräche im ersten Quartal 2020 abzuschließen.

Die sechs Akutkrankenhäuser, die vorrausichtlich in neuer Trägerschaft weiterarbeiten werden, sind die Häuser in Bonn (Seliger Gerhard), Köln (St. Hildegardis), Duisburg (St. Johannes-Stift sowie St. Anna), Krefeld-Uerdingen (St. Josefshospital), Görlitz (St. Carolus) und Kamenz (St. Johannes). „Um den laufenden Betrieb diese Häuser nahtlos zu gewährleisten, werden als mögliche neue Eigentümer ausschließlich in Deutschland tätige und auf dem deutschen Gesundheitsmarkt erfahrene und renommierte Krankenhausträger angesprochen“, heißt es in der Pressemeldung.

Die bereits in paritätischer Partnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Diakonieanstalt zu Flensburg eingeleiteten Maßnahmen zum Ausbau des Klinikstandorts Flensburg zum „Malteser-Diako Klinikum“ werden unverändert fortgeführt. Ebenso wird das Akutkrankenhaus in Erlangen (Waldkrankenhaus St. Marien), das vor zwei Jahren übernommen wurde, unter der Trägerschaft der Malteser in Deutschland bleiben. Gleiches gilt für die Fachklinik für Naturheilverfahren in Bad Brückenau (Klinik von Weckbecker). (Quelle: Malteser)

Pflegepersonaluntergrenzen treten 2020 in Kraft

Mit Veröffentlichung der entsprechenden Verordnung im Bundesanzeiger Ende Oktober 2019 werden die neuen Pflegepersonaluntergrenzen für Krankenhäuser ab 2020 wirksam. Das Bundesgesundheitsministerium bestimmt darin Grenzwerte für die Bereiche Herzchirurgie, Neurologie, Stroke-Units und Neurologisch Frührehabilitation. Es gelten bereits Personaluntergrenzen in der Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. Krankenhäuser dürfen Lücken in diesen Bereichen nicht schließen, indem sie Personal aus Abteilungen abziehen, für die keine Untergrenzen gelten. Festgelegt wird auch der Anteil der Pflegehilfskräfte am Personal in diesen Bereichen. (Quelle: Bundesgesetzblatt)

Gesundheits-Apps: Datenhoheit beim Patienten

Der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimitteln und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn, Prof. Dr. Karl Broich, hat im Interview mit dem General-Anzeiger (Bonn) Auskunft gegeben über Gesundheits-Apps und medizinische Apps, die künftig ärztlich verordnet werden sollen. Das BfArM ist hier zentrale Prüfinstanz für die ersten Apps der Medizinprodukteklassifikationen I und IIa, die in einem Fast-Track-Verfahren ab 2020 geprüft und zugelassen werden sollen. Broich erklärte zu Überlegungen, die in den Apps gesammelten Daten für die Forschung nutzen zu wollen, dass die Datenhoheit immer beim Patienten liegen müsse. Für die Datensicherheit müssten die Entwickler der Apps sorgen, die bereits bei Antrag auf Zulassung entsprechende Unterlagen beibringen müssten. (Quelle: General-Anzeiger Bonn)

Lebenserwartung von Frauen seit 1989 um gut vier Jahre gestiegen

83,2 Jahre beträgt derzeit die mittlere Lebenserwartung bei Frauen in Deutschland. Seit dem Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren ist die Lebenserwartung bei Frauen um gut vier Jahre gestiegen. Während zu Beginn der 1990er Jahre die mittlere Lebenserwartung bei Frauen in den alten Bundesländern noch mehr als zwei Jahre über der von Frauen in den neuen Bundesländern lag, hat sich dieser Unterschied inzwischen komplett aufgelöst. Bei Männern kam es zu keiner vollständigen Angleichung der Lebenserwartung, der Ost-West Unterschied fällt aber inzwischen deutlich geringer aus.

Wie bei den Frauen ist dies auf die Entwicklung in den 1990er Jahren zurückzuführen. Der verbliebene Unterschied von etwas mehr als einem Jahr zuungunsten von Männern in den neuen Bundesländern hat sich seitdem nicht weiter verringert. (Quelle: RKI)