Am 25. Februar 2020 beantragte die Pluradent AG & Co. KG beim Amtsgericht Offenbach eine Insolvenz in Eigenverwaltung, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. „Die Geschäfte werden mit allen rund 800 Mitarbeitern, davon mehr als 150 am Hauptsitz Offenbach, fortgeführt und von einer gerichtlich bestellten Sachwalterin überwacht“, heißt es in der Pressemitteilung zum Insolvenzantrag.

Auch die zur Pluradent-Gruppe gehörende GLS Logistik GmbH Co. Dental Handel KG in Kassel mit 100 Mitarbeitern werde in Eigenverwaltung fortgeführt. Der größte deutsche Dentalhändler in Familienbesitz mit rund 800 Mitarbeitern soll in Eigenverwaltung bis zum Sommer saniert werden.

Zahlungsunfähigkeit drohte

„Da Pluradent frühzeitig eine Eigenverwaltung beantragt hat, bestehen gute Sanierungschancen. Das Unternehmen ist nicht zahlungsunfähig, sondern es droht eine Zahlungsunfähigkeit. Seit Jahren belasten hohe Verbindlichkeiten das Geschäft, weil durch die Digitalisierung und neue Online-Anbieter die Margen im Handel zurückgingen. Alte Geschäftsmodelle im Dentalhandel sind nicht mehr zukunftsfähig und erste Restrukturierungen brachten noch keine nachhaltige Wende. Bis zum Sommer wollen wir deshalb einen Insolvenzplan erarbeiten, um Pluradent von Altlasten zu befreien und im Wettbewerb neu aufzustellen. Die Gehälter der 800 Mitarbeiter werden bis April von der Arbeitsagentur abgedeckt“, erklärte Rechtsanwalt Dr. Gordon Geiser von GT Restructuring, der heute neben Herbert Liebl und Karsten Hemmer zum Vorstand der Pluradent AG & Co. KG berufen wurde. Dr. Geiser habe bereits zahlreiche Unternehmen erfolgreich sanieren können.

Die Pluradent AG entstand 2001 aus dem Zusammenschluss mehrerer regionaler Dentalfach händler, unter anderem einer Reihe von Depots der Dental Liga und der Orbis dental. Erster Sprecher des Vorstands war Karl-Wilhelm Triebold, ihm folgte Uwe Jerathe, der nach der letzten IDS im April 2019 das Unternehmen verließ. Das Offenbacher Unternehmen bildet den Kern der Pluradent-Gruppe mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro in Europa.

Preisverfall und zögerliche Digitalisierung belasten

Neben dem Handel mit Dentalprodukten vom Tupfer bis zu kompletten Behandlungseinheiten hat Pluradent die Beratung zur Existenzgründung und zur Praxisentwicklung sowie den technischen Service ausgebaut. „Aber der Preisverfall im Dentalhandel und eine zögerliche Digitalisierung haben die Krise verschärft“, heißt es. Auslöser des Antrags auf Eigenverwaltung sei jetzt das Auslaufen von Kreditlinien gewesen. Zudem hätten im Januar zwei regionale Vertriebsleiter mit insgesamt 70 Mitarbeitern gekündigt.

Von finanziellen Altlasten befreien

„Eine schnelle Wende und Sanierung können wir nur in der Eigenverwaltung erreichen. Wenn Pluradent von finanziellen Altlasten befreit wird, gelingt auch eine nachhaltige Sanierung. Deshalb werden wir in den folgenden Tagen und Wochen Gespräche mit allen Beteiligten führen. Schließlich dürfte jeder ein Interesse an einer Sanierung sowie an einer Fortführung des Unternehmens haben, das zu den führenden Dentalhändlern in Deutschland zählt. Im Interesse unserer engagiert arbeitenden Mitarbeiter wollen wir die finanziellen Probleme zügig lösen und im Sommer wieder fit sein”, so Vorstand Dr. Gordon Geiser.

Sachwalterinnen und Geschäftsführer bestellt

Das Amtsgericht Offenbach bestellte bei der Pluradent AG & Co. KG Rechtsanwältin Julia Kappel-Gnirs von hww zur vorläufigen Sachwalterin, die das Verfahren überwacht. Bei der GLS Logistik GmbH Co. Dental Handel KG ernannte das Amtsgericht Kassel Rechtsanwältin Jutta Rüdlin von BRRS in Melsungen zur vorläufigen Sachwalterin. Zum Geschäftsführer der GLS wurde Rechtsanwalt Christian Köhler-Ma von GT Restructuring neben Michael Herdt bestellt.

Titelbild: Der Messestand von Pluradent auf der IDS 2019 in Köln (Foto: Pluradent)