Eva-Marie Müller, Yvonne Hasslinger: Sprechen Sie schon Kind? Prophylaxe auf Augenhöhe, 1. Auflage 2018, Quintessenz Publishing, Deutschland (Berlin), 112 Seiten, 25 Abbildungen, ISBN 978-3-86867-265-7, 24,90 Euro. Zur Leseprobe.

Kinder sind im zahnärztlichen Praxisalltag oftmals eine anspruchsvolle Patientenklientel, die viele Kollegen scheuen. Eva-Marie Müller geht in der ersten Auflage ihres 2016  erschienenen praxisorientierten Fachbuchs „Sprechen Sie schon Kind? Prophylaxe auf Augenhöhe“ gezielt und provokativ auf bestehende Vorurteile ein. Hierbei wird die enorme Wichtigkeit der Kinderprophylaxe herausgestellt, wodurch der Grundstein für eine erfolgreiche und vertrauensvolle Patienten-Zahnarzt-Beziehung gelegt werden kann.

Zunächst werden drei junge Patienten als Repräsentanten verschiedener Altersgruppen vorgestellt, im Weiteren wird immer wieder auf die besonderen Ansprüche der jeweiligen Kinder und Jugendlichen eingegangen. Die Sprache ist prosaartig, gut verständlich und es wird gezielt auf komplizierte Fachtermini verzichtet, wodurch die Botschaft dieses Werks zusätzlich unterstrichen wird: Kinderzahnheilkunde muss klar und verständlich sein, denn schließlich dreht sich alles um die kleinen Patienten. Die Aufmachung ist ebenfalls sehr übersichtlich strukturiert und angenehm in einem praktischen Format gestaltet. 

Die thematisierten Vorurteile beziehen sich auf angebliche Nutzlosigkeit, zu hohe Anstrengung und Zeitintensivität sowie Unwirtschaftlichkeit der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Im Verlauf des Buches werden diese allgemein bekannten Vorurteile sukzessive widerlegt und der Leser wird motiviert,  seinen Beitrag zum Konzept „Kinderzahnheilkunde im Alltag“ zu leisten.

Vielschichtiges Thema, klar beschrieben

Der Aufbau des Buchs ist überzeugend. Interessant ist hier vor allem, dass das Thema sehr vielschichtig betrachtet wird. Die Autorin schafft es, den Leser in die Rolle des Kindes zu versetzen und die Umgebung „Praxis“ einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. So wird deutlich, dass zum Beispiel der Einrichtungsstil auf Kinder einen ganz anderen Eindruck macht als auf Erwachsene.
Aufwendige Poster neuer Technologien, die Erwachsene beeindrucken können, wirken auf Kinder teils beängstigend. Besonders der erste Eindruck spielt eine wichtige Rolle. Kinder erleben die neue Umgebung mit allen Sinnen. Eine ansprechende Farbgestaltung, angenehmer Geruch, eine nicht beängstigende Geräuschkulisse und kindgerechtes Inventar sorgen dafür, dass auch die kleinen Patienten sich wohlfühlen. Das Buch liefert zahlreiche Ideen, um diese Aspekte sinnvoll umzusetzen. So wird dem Leser die „Psychologie der Farben“ näher gebracht oder die Wirkung von Musik. Auch muss darauf geachtet werden, dass die Gestaltung konsequent aus Sicht der Kinder geplant wird. Am Empfang sollte ein Hocker vorhanden sein, sodass die Kinder direkt zu Beginn in die Behandlung eingebunden werden. So wird deutlich, dass sie eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die großen Patienten.

Neben den äußeren Gesichtspunkten liegt der Schwerpunkt auf dem Zwischenmenschlichen. Müller betont, wie wichtig es ist, mit der richtigen Kommunikation eine Bindung zu den Kindern aufzubauen. Diese sieht selbstverständlich je nach Altersgruppe grundverschieden aus.

Die Idee, für kleine Kinder ein anderes Vokabular wie „Schlürfi“ für das Wort Absauger zu benutzen, finde ich fraglich. Selbstverständlich soll bei Kindern auf eine wissenschaftliche Sprache verzichtet werden; nun aber eine fiktive Sprache für Kinder zu etablieren, halte ich persönlich nicht für sinnvoll.

Neben dem Aspekt mit guter Kinderzahnheilkunde die Kinder zu motivieren und den Grundstein langjährig erfolgreicher Zusammenarbeit zu legen, gilt es auch die Eltern davon zu überzeugen. Denn außerhalb der zahnärztlichen Praxis nehmen sie die Vorbildfunktion ein und der Nachwuchs lernt, die Mundhygienegewohnheiten zu imitieren. Lob und Anerkennung spielen hierbei eine wichtige entwicklungspsychologische Rolle.

Hormonelle Veränderungen und Essstörungen

In Bezug auf Jugendliche wird auf Schwierigkeiten ganz anderer Natur eingegangen: Hormonüberschüsse können zu Gingivitiden führen oder auch Essstörungen können die Zahngesundheit enorm beeinträchtigen. 

Mein Fazit: „Sprechen Sie schon Kind?“ ist eine hilfreiche Lektüre, um besser auf die jungen Patienten eingehen zu können und die Ansprüche der unterschiedlichen Altersgruppen verdeutlicht zu bekommen. Teilweise ist durch den prosaartigen Schreibstil nicht immer ein roter Faden zu erkennen. Dennoch sind im Buch sicherlich für jeden hilfreiche Informationen enthalten. 

Charlotte Bohn, Studentin im 7. Fachsemester der Friedrich-Willhelms-Universität Bonn, stellte das Buch in der aktuellen QDent 2/19 vor.

Titelbild: shutterstock.com/zlikovec