Kinder in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind häufiger krank als der Bundesdurchschnitt, und vor allem Stadtkinder sind von gesundheitlichen Problemen betroffen – von Atemwegserkrankungen, aber auch Übergewicht, Rückenprobleme und Karies. Das zeigt die wissenschaftliche Auswertung der Behandlungsdaten von rund 110.000 Jungen und Mädchen aus dem Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit, die am 6. Februar vorgestellt wurde.

Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen – im bevölkerungsreichsten Bundesland ist mehr als jedes vierte Kind körperlich chronisch krank, und damit mehr als im Bundesdurchschnitt. Laut Studie sind 90 Prozent aller Jungen und Mädchen wenigstens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Und dabei zeigt sich: Bereits Schulkinder leiden vermehrt unter krankhaftem Übergewicht und Rückenschmerzen.

Ein Drittel mehr Karies bei Stadtkindern

Das höhere Krankheitsniveau in NRW mit seinen großen Ballungsräumen ist vor allem durch den hohen Anteil an Stadtkindern bedingt, so die Analyse. Acht von zehn Kindern leben in städtisch geprägten Gebieten. Sie sind anders krank als Gleichaltrige vom Land: Sie leiden häufiger unter extremem Übergewicht (plus 88 Prozent) und sind stärker von Karies und einer Viruserkrankung betroffen (jeweils plus ein Drittel). Landkinder hingegen haben häufiger eine Neurodermitis (plus 5 Prozent).

„Unser Report belegt, dass der Unterschied zwischen Stadt- und Landkindern in Sachen Gesundheit viel größer ist als gedacht“, betont Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen. Das dokumentierten auch die Leistungsausgaben: Für Arzneimittel und Arztbesuche zahlt die DAK-Gesundheit bei Stadtkindern mehr Geld. „Am höchsten ist die Differenz im Arzneimittelbereich: Wir haben hier 2016 durchschnittlich für jedes Landkind 155 Euro ausgegeben, für jedes Stadtkind 197 Euro, also gut ein Viertel mehr.“ Stadtkinder bekommen deutlich mehr Medikamente zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, zum Beispiel Hals- und Rachentherapeutika (plus 17 Prozent) sowie Schnupfenmittel (plus 13 Prozent). Nur bei den Hilfsmitteln liegen die Ausgaben für Kinder in ländlichen Gebieten um ein Fünftel höher. Der Grund: Landkinder bekommen häufiger eine Brille.

Atemwegserkrankungen an der Spitze

Atemwegserkrankungen stehen insgesamt auf Platz 1 der häufigsten Erkrankungsarten im Kindesalter. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) aller Jungen und Mädchen in NRW leidet mindestens einmal pro Jahr unter einem grippalen Infekt oder einer akuten Bronchitis. In der Häufigkeit dahinter folgen Infektionskrankheiten, Augenerkrankungen, psychische Leiden und Hauterkrankungen. Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen sind ebenfalls recht häufig. Fast jedes sechste Kind hat wenigstens einmal im Jahr eine entsprechende Diagnose. Ab dem zwölften Lebensjahr ist knapp ein Viertel aller Jungen und Mädchen betroffen.

Ein weiteres Leiden, das ähnlich wie die Muskel-Skelett-Probleme auch mit Bewegungsarmut zusammenhängt, ist krankhaftes Übergewicht. Über alle Altersgruppen hinweg sind knapp 4 Prozent betroffen, im Alter zwischen neun und 13 Jahren 6 Prozent.

Chronische Leiden belasten die Kinder

In Nordrhein-Westfalen ist laut Studie mehr als jedes vierte Kind körperlich chronisch krank. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Der Kinder- und Jugendreport wertet 14 verschiedene Erkrankungen aus, die potenziell einen chronischen Verlauf nehmen können. Am häufigsten sind Asthma (plus 14 Prozent) und Heuschnupfen (plus 17 Prozent), gefolgt von Neurodermitis und entzündlicher Darmerkrankung.

Repräsentative Studie aus Abrechnungsdaten

Im Auftrag der DAK-Gesundheit untersuchte die Universität Bielefeld umfassend die Gesundheits- und Versorgungssituation von Jungen und Mädchen in Nordrhein-Westfalen. Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 liefert erstmals systematische Analysen zum Erkrankungsgeschehen bei Kindern. „Wir leisten mit dem Report Pionierarbeit und machen uns stark für Kindergesundheit“, sagt Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen. „Wir wollen die gesundheitliche Situation von Kindern besser verstehen und sie in den Vordergrund der politischen Diskussion rücken.“

Prävention an Schulen und Kitas ausweiten

Auf Grundlage des Reports will die DAK-Gesundheit die bestehende Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiter optimieren. Außerdem wird die Krankenkasse ihre Prävention an Kitas und Schulen intensivieren. So soll die Präventionskampagne „fit4future“ mit der Cleven-Stiftung für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressbewältigung ausgeweitet werden. Das Programm läuft aktuell an mehr als 550 Grund- und Förderschulen in Nordrhein-Westfalen mit rund 112.000 Schülern und soll in diesem Jahr an weiterführenden Schulen und 2020 auch in Kitas starten.

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