Auf dem 28. Masterkurs der DGCZ Ende Juni 2020, der als Online-Symposium von 500 Teilnehmern international virtuell begleitet wurde, stellte der Leiter der Sektion Informatik, Prof. Bernd Kordaß, von der Universitätsmedizin Greifswald, die Tagungsbestpreisträger der diesjährigen Ausschreibung für wissenschaftliche Kurzvorträge zu computergestützten Verfahren in der Zahnheilkunde vor. Aufgrund der herausragenden Vorträge erklärte die Jury die folgenden Referenten und Mitautoren als Preisträger:

  • Dr. Alexander Schmidt für das Thema „Einfluss von Fertigungstoleranzen unterschiedlicher intraoraler Scanbodies auf die Genauigkeit von Intraoralscans“ (Titelbild), erarbeitet zusammen mit den Autoren Jan-Wilhelm Billig, Dr. Maximiliane Schlenz und Prof. Dr. Bernd Wöstmann von der Justus-Liebig-Universität Gießen.
  • Ebenfalls ausgezeichnet wurde Dipl.-Math. Dr. rer. med. Sebastian Ruge für den Vortrag „CAD/CAM in der vorklinischen und klinischen Ausbildung“, vorbereitet vom Team Ruge und Prof. Bernd Kordaß, Universitätsmedizin Greifswald.

Scan-Bodies ohne Übertragungsdifferenzen

Seit Jahren gewinnen implantatgetragene prothetische Versorgungen immer mehr an Bedeutung. Neben den konventionellen Abformmethoden werden zur Übertragung der Implantatposition zunehmend Intraoralscanner sowie intraorale Scan-Bodies verwendet. Studien belegen, dass Intraoralscans und Scan-Bodies nicht immer einen exakten passiven Sitz der finalen Versorgung gewährleisten. Schmidt et al. untersuchten die herstellungsbedingten Fertigungstoleranzen verschiedener Scan-Bodies und deren Einfluss auf intraorale Scans sowie deren Übertragungsgenauigkeit auf das Referenzmodell.

Dr. Alexander Schmidt

Bei der Vermessung verschiedener Scan-Bodies zeigten sich signifikante Unterschiede der Fertigungstoleranzen sowie Differenzen hinsichtlich der Genauigkeit zwischen analogen und digitalen Abformmethoden. Unterschiede bei den Übertragungsgenauigkeit der Scan-Bodies auf das Referenzmodell waren jedoch nicht signifikant. Innerhalb der langen Prozesskette bei der Fertigung von implantatgetragenem Zahnersatz bieten die Maßdifferenzen keine Beeinträchtigung für das Endergebnis, sollten aber im Blickpunkt künftiger Untersuchungen bleiben.

CAD/CAM in der klinischen Lehre

Die Digitalisierung schreitet in der Zahnmedizin und Zahntechnik schnell voran. Für eine universitäre Lehre ist es notwendig, diese Aspekte zu berücksichtigen. Zur Umsetzung der computergestützten Zahnmedizin werden heute Intraoralscanner zum Digitalisieren der zu versorgenden Zähne und zum Konstruieren der Versorgung (Inlays, Kronen, Brücken) zur Fertigung der Versorgungen aus Keramik oder Kunststoffen eingesetzt. Damit ist eine vollständige Behandlung bei „einfachen“ Indikationen nahe der Behandlungseinheit möglich (Chairside) – aber auch der Weg in die Zahntechnik wird für komplexe oder besonders hochwertige Arbeiten durch die abdrucklose Praxis (Labside-Fertigung) vereinfacht.

Dr. Sebastian Ruge

Ruge et al. untersuchten die Frage, welcher Workflow umsetzbar und soweit verbreitet ist, dass er gelehrt werden sollte. Demzufolge sollten CAD/CAM-Lehrinhalte möglichst nicht das Erlernen manueller Fertigkeiten ersetzen. Andererseits bieten digitale Verfahren andere Sichtweisen und mehr objektive Kontrolle über die eigene Arbeit.

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Die Autoren kamen zum Schluss, dass manuelle und digitale Techniken gleichwertig durch eine adäquate Ausbildung der Studierenden beherrscht werden müssen. Analoge und digitale Prozesse lassen sich gut kombinieren. Da in den meisten zahntechnischen Laboren mit Computerunterstützung konstruiert und Werkstoffe verarbeitet werden, ist es erforderlich, dass der Zahnarzt in der Lage ist, Digitaldaten zu generieren. Ruge stellte in seinem Vortrag die computergestützte Behandlung in der vorklinischen und klinischen Ausbildung an der Universität Greifswald vor. Ein wichtiger Baustein hierbei ist die Chairside-Versorgung mit dem Projekt „Flying Dental CAD/CAM-Nurse“, in welchem spezielle Assistenzen den Workflow für Studierende und Zahnärzte umsetzen.

Online-Tagung der Sektion Informatik

Die für die nächste Session eingereichten Arbeiten zu „CAD/CAM in der Zahnmedizin“ werden von den Autoren am 14. November 2020 vorgetragen im Rahmen einer Online-Konferenz der Sektion Informatik in der Deutschen Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde. Angenommen wurden Arbeiten als Abstract und Fallpräsentationen mit folgender Gliederung:

  • Ziel der Untersuchung beziehungsweise des Beitrags
  • Material und Methode, praktisches Vorgehen
  • Ergebnisse, Zusammenfassung

Der beste Beitrag wird von der Jury der DGCZ ermittelt und mit 500 Euro prämiert. Alternativ kann der Preisträger an einem Kurs der Digital Dental Academy Berlin kostenfrei teilnehmen.

Titelbild: Zahnärztliche Prothetik, Universität Gießen