„Team-Distanz“ gab es schon immer – nur bekommt sie zurzeit eine andere Bedeutung. War es noch vor gar nicht allzu langer Zeit der Altersunterschied und der damit verbundene „Generationenkonflikt“ in altersgemischten Teams, der hier eine Rolle spielte, beruht die Team-Distanz zurzeit auf den Schichtsystemen, die in den Praxen wegen der Corona-Krise eingeführt worden sind. Und das bringt viele Herausforderungen.

Vornehmlich Praxen, die zuvor nicht im Schichtsystem gearbeitet haben, sind besonders gefordert. Um das Team zu schützen und die Praxis arbeitsfähig zu halten, werden die Teammitglieder im Schichtsystem aufgeteilt. Dies kann beispielsweise eine Vor- und Nachmittagsschicht sein oder eine Schicht von zweieinhalb Tagen je Praxismitglied, da sich die Praxis in Kurzarbeit befindet.

Umfassende und wohlwollende Kommunikation etablieren

Um Konflikte zwischen den Schichtteams zu vermeiden, ist eine umfassende und wohlwollende Kommunikation erforderlich. Denn zu den ungewohnten Arbeitszeiten kommt die emotional sehr unterschiedliche Belastung einzelner Teammitglieder.

Warum hat die Spätschicht den Steri am Abend nicht bestückt? Wieso hat die Frühschicht die Instrumente des Vormittags nicht aufbereitet? Das sind nur zwei Beispiele für den „Stein des Anstoßes“. Es liegt in der Natur von Schichtsystemen, dass beim Schichtwechsel ein Übergabegespräch stattfindet. Nicht so zu Corona-Zeiten, denn die Teams sollen sich auf keinen Fall mischen.

Investition in interne Praxiskommunikation zahlt sich jetzt aus

Um nicht gleich ein Feuer der Interpretation und Beschuldigung zu entfachen, ist die professionelle Teamhaltung eines jeden einzelnen Teammitglieds von Bedeutung. Hat das Team gelernt, Informationen adäquat weiterzuleiten, sodass die Kollegin ohne Informationsverlust weiterarbeiten kann, ist dieses Team klar im Vorteil, denn aufgrund mangelnder Kommunikation entstehen nicht nur Zeitverluste, sondern auch Honorarverluste. Jetzt zahlt sich aus, wenn man in die Fähigkeit der internen Praxiskommunikation investiert hat.

Denken spiegelt sich in Sprache

Doch was bedeutet eigentlich Kommunikation? Kommunikation ist der Austausch von Informationen auf verbale oder nonverbale Weise. Das hört sich so einfach an – und doch wissen wir, dass Kommunikation so viel mehr ist. Untrainierte Teams tappen gerne in die Beurteilungs- oder Interpretationsfalle: die Zuhörerin, der Zuhörer habe einfach nicht hingehört oder sei gar zu dumm, um den Anweisungen zu folgen. Bei der professionellen Kommunikation lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuallererst ihr Denk-, Sprach- und Hörverhalten kennen. Denn das, was der Einzelne denkt, spiegelt sich in seiner Sprache wider.

Der Sender, nicht der Empfänger ist das Problem

Darüber hinaus wird ein wichtiger Grundsatz der Kommunikation vermittelt: Wenn der Empfänger einer Information diese nicht versteht, liegt es nicht am Empfänger, sondern am Sender. Der Sender hat in einem solchen Fall nicht die richtige Frequenz erwischt, um die Informationen empfängerorientiert zu senden.

Sensibilisiert für die Arbeit der anderen

Zusätzlich spielt der interne Dienstleistungsgedanke eine große Rolle. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dafür sensibilisiert sind, so zu arbeiten, dass ihre Arbeit zu jeder Zeit von einer Kollegin weitergeführt werden kann, geben alle relevanten Informationen automatisch weiter. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf ein gemeinsames Teamergebnis sensibilisiert sind, verlassen ihren Arbeitsplatz so, dass die Kolleginnen ihre Arbeit ohne Umstände beginnen können. Dazu zählt das aufgefüllte Material in den Behandlungszimmern genauso wie die bearbeitete Tagespost.

Teure Team-Distanz

Stehen Teams nicht zueinander, sondern leben Team-Distanz, trägt die Folgen die Praxis – und diese können massiv sein. Denn der Workflow wird unterbrochen, Wissen wird vorenthalten, Informationen gehen verloren oder werden bewusst nicht weitergeleitet. Ein solches Verhalten kostet die Praxis Tausende von Euro, und das Jahr für Jahr. Das Bewusstsein fürs Team sowie die Teamfähigkeit zu entwickeln liegt somit im Interesse einer jeden Praxisleitung.

Echte Teamentwicklung ist mehr als gemeinsame Events

Dieses Bewusstsein ums Team geht über gemeinsame Events hinaus. Es umfasst die Reflexion des eigenen Teamverhaltens, dass Kennenlernen der Entwicklungsphasen eines Teams – und Geduld. Es umfasst das Krisenmanagement sowie die professionelle Kommunikation. Denn da, wo Menschen arbeiten, ist nicht nur Fachwissen gefragt, sondern menschliche Kompetenz, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Team-Distanz ist daher niemals eine Option.

Antonia Montesinos, Berlin

Antonia Montesinos ist Betriebswirtin, zertifizierte (univ) Mediatorin, zertifizierter (univ.) Coach, Speakerin, Fachautorin und erfolgreiche Teamtrainerin. Sie lebt in ihrer Wahlheimatstadt Berlin, einer Stadt, die ihre Bezirke als Kieze bezeichnet. Daher ist sie auch als DerKiezCoach! bekannt. Seit mehr als 25 Jahren hat sie sich zur Aufgabe gemacht, Teams erfolgreicher und glücklicher zu machen. Denn das, ist ihre Leidenschaft. In ihren Seminaren, die stets interaktive Workshops sind, verbindet sie wertvolles Wissen aus dem Bereich der meditativen Kommunikation und des Persönlichkeitscoachings mit unternehmensrelevanten Themen. Ihr Buch „Ich DAS TEAM“ ist im März 2020 im Selbstverlag erschienen und über Amazon erhältlich. Montesinos ist Mitglied beim Deutschen Verband für Coaching & Training (DVCT), Fördermitglied beim VdZÄ-Dentista e. V. und Expertin im Zahnärztinnen Netzwerk. Kontakt unter https://www.check-and-change.com. (Foto: goodfeelography Berlin)

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