Schwere Parodontitis steht in engem Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes Mellitus (T2DM), einer Erkrankung, von der weltweit etwa 422 Millionen Erwachsene betroffen sein sollen (laut Weltgesundheitsorganisation). T2DM ist in seinem Frühstadium asymptomatisch, daher können viele Menschen viele Jahre lang undiagnostiziert bleiben. Es besteht jedoch ein Zusammenhang zwischen einem beeinträchtigten Blutzuckerspiegel und der Mundgesundheit – hier könnten Zahnärzte und zahnmedizinisches Fachpersonal bei der Diagnostik der Erkrankung eine wichtige Rolle spielen.

Eine von Wissenschaftlern der Universität Birmingham geleitete Studie ergab, dass eine Erhebung mithilfe von Patientenfragebögen und Bluttests am Behandlungsort Zahnarztpraxis zur besseren Diagnose der Erkrankung führen kann, was wiederum Vorteile für die Patienten hat, da deren Krankheit frühzeitiger behandelt werden kann.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert

Prof. Iain Chapple, Leiter der zahnärztlichen Fakultät der Universität Birmingham Foto: Krisztian Juhasz/Viennamotion Digital Productions für die EFP

Prof. Iain Chapple, Leiter der zahnärztlichen Fakultät der Universität Birmingham und Leiter der Studie, erklärt: „Unsere Analyse ergab eine positive Einstellung bei Ärzten, Mitgliedern des zahnärztlichen Teams, Patienten und der Öffentlichkeit gegenüber der Risikobewertung und der Früherkennung von Diabetes und Prädiabetes in der Zahnarztpraxis. Die Patienten befürworteten auch nachdrücklich die Durchführung von Tests, die sofortige Ergebnisse liefern. Dies zeigt nicht nur, dass es von Vorteil sein kann, das zahnärztliche Personal für die Erkennung dieser Fälle zu gewinnen, sondern auch, dass ein interdisziplinäres Vorgehen und Abstimmen zwischen Ärzten und Zahnärzten erforderlich ist.“

Bestätigung der internationalen Leitlinie

Die Arbeit baut auf einer gemeinsamen internationalen Leitlinie auf, die im vergangenen Jahr zu Zahnfleischerkrankungen und Diabetes veröffentlicht wurde und in der eine engere Zusammenarbeit zwischen Fachleuten der Mundgesundheitsfürsorge und Ärzten empfohlen wird (mehr dazu auf Quintessenz News), sowie auf einer 2019 vom NHS England herausgegebenen Auftragsnorm, die eine Vision für die Umsetzung solcher gemeinsamer Arbeitspraktiken enthält. Das Team in Birmingham war an beiden Publikationen maßgeblich beteiligt.

Originalpublikation:
Yonel Z, Batt J, Jane R, Cerullo E, Gray LJ, Dietrich T, Chapple I. The Role of the Oral Healthcare Team in Identification of Type 2 Diabetes Mellitus: A Systematic Review. Current Oral Health Reports (2020) 7:87–97. https://doi.org/10.1007/s40496-020-00250-w

Titelbild: RossHelen/shutterstock.com