In einer auf Endodontie spezialisierten Praxis sei ein DVT heute nicht mehr wegzudenken, so Dr. Jörg Schröder. Der Endodontologe arbeitet in seiner Spezialistenpraxis in Berlin seit 2011 mit einem DVT. Im Interview mit Quintessence News gibt er Auskunft, wie sich das Einsatzgebiet dieser Geräte verändert hat, welche Vorteile die dreidimensionale Bildgebung bietet und auf welche Aspekte man achten sollte, bevor man sich ein DVT anschafft.

Herr Dr. Schröder, seit wann nutzen Sie ein DVT in der Praxis?

Dr. Jörg Schröder: Wir sind seit dem 1. März 2011 in der Lage, unsere radiologische Diagnostik in 3D durchzuführen.

Wie haben Sie die Entwicklung dieser Technologie für die Anwendung in der Zahnmedizin erlebt?

Schröder: Als wir uns im September 2010 entschieden hatten, ein DVT in unserer Praxis einzusetzen reichten die Reaktionen von Kollegen von bedauerndem Kopfschütteln bis hin zur offenen Anfeindung. Nur sehr wenige haben die diagnostischen Möglichkeiten gesehen, die sich dem Nutzer dieser Technik eröffnen. Gerade im Bereich der Endodontie wurde der zusätzliche Informationsgewinn hochauflösender 3-D-Diagnostik eher skeptisch gesehen.

Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Unsere Behandlungen sind unter Einbeziehung der dreidimensionalen Röntgendiagnostik erheblich vorhersagbarer geworden. Zudem konnten wir die Grenzen des technisch Möglichen wieder ein wenig verschieben und somit Zähne erhalten, die noch vor einigen Jahren kommentarlos entfernt worden wären. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass das DVT aus einer auf Endodontie limitierten und spezialisiert arbeitenden Praxis nicht mehr wegzudenken ist.

Dr. Jörg Schröder, Berlin (Foto: Jet-Photo, Berlin)

Dr. Jörg Schröder studierte von 1982 bis 1988 Zahnmedizin an der FU Berlin. Bereits im Jahr 2000 begann er, sich intensiv in der Endodontie fortzubilden und spezialisierte sich 2005 ganz auf dieses Fachgebiet. Seit dieser Zeit ist er auch als Referent im In- und Ausland aktiv.
Seit 2003 ist er in Berlin in eigener Praxis niedergelassen, die er seit 2013 als endodontologische Privatpraxis führt. Der ausgewiesene Experte ist Mitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften, unter anderem als Certified Member der European Society of Endodontology, der Deutschen Gesellschaft für Endodontie und zahnärztliche Traumatologie, und des International College of Dentists (ICD, Fellow und Vice-Regent). Im Jahr 2013 erhielt er den Peter-Guldener-Praktikerpreis der Zeitschrift „Endodontie“.
Dr. Schröder ist auch Autor des 2016 erschienenen Videos „Ergonomie am Dentalmikroskop“ (Quintessenz, Berlin).

Oft bringt erst das DVT Klarheit

Für welche Indikationen setzen Sie das DVT heute ein?

Schröder: Bei der Indikationsstellung handeln wir entsprechend den Empfehlungen der s2k-Leitlinie der DGZMK zur dentalen Volumentomographie. Dazu gehören zum Beispiel apikale Veränderungen mit klinischer Symptomatik, wenn diese auf zweidimensionalen Aufnahmen nicht detektierbar beziehungsweise räumlich korrelierbar sind.

Um in der Lage zu sein, die technische Durchführbarkeit  und die Prognose einer anstehenden endodontischen Behandlung beurteilen zu können, führen wir unter anderem in folgenden Fällen eine präoperative 3-D-Diagnostik durch: interne und externe Resorptionsgeschehen, Revison nach Resektion, Trauma mit Verdacht auf Alveolarfortsatzfraktur, Trauma mit Verdacht auf Vorliegen einer Horizontalfraktur, Zahnanomalien (zum Beispiel Dens invagintaus, Gemination), im unteren Wurzeldrittel befindliche Instrumentenfragmente, die klinisch nicht zu visualisieren sind.

Manchmal ist das hochauflösende kleinvolumige DVT auch die einzige Möglichkeit, die Notwendigkeit einer endodontischen Behandlung sicher auszuschließen und dem Patienten so eine nicht zielführende Therapie zu ersparen. Ein Beispiel: Uns wurde eine Patientin mit der Bitte überwiesen, die Zähne 43 und 42 hinsichtlich der Notwendigkeit einer endodontischen Behandlung zu beurteilen. Das 2-D-Bild zeigte deutlich eine periapikale Aufhellung, die ein Absterben der Pulpa als wahrscheinlich erscheinen lässt. Dazu passte die große Füllung im Zahn 43. Bei 42 wurde es schon schwieriger. Keine Restauration, anamnestisch kein Trauma zu eruieren und dennoch eine Aufhellung. Und beide Zähne reagierten elektrisch positiv sensibel. Was tun?

Das DVT – in unserem Fall eine in der Präzision herausragende Aufnahme mit dem Veraview X800 – brachte es an den Tag. Es handelte sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um Stadium 3 einer periapikalen zemento-ossären Dysplasie. Eine sehr seltene Erkrankung, bei der jedoch keine endodontische Therapie, sondern Nichtstun indiziert ist.

Ohne die sichere Darstellung der durchgehenden Parodontalspalten im Bereich der apikalen Foramina wären hier mit großer Wahrscheinlichkeit fünf oder sechs unschuldige Frontzähne endodontisch behandelt worden. Wer mehr zu diesem seltenen Erkrankungsbild und zu in Frage kommenden Differentialdiagnosen wissen will, dem empfehle ich den Fachbeitrag in der Endodontie 1/2010 (Schmied et al. Die periapikale zemento-ossäre Dysplasie, Endodontie 2010;19(1):37–41)

Welche Einsatzbereiche oder Indikationen und Verbesserungen wünschen Sie sich noch für die Praxis?

Schröder: Da wir in unserer Praxis seit einem Jahr über ein Veraview X800 M verfügen, haben wir hinsichtlich der möglichen Einsatzbereiche alle in Frage kommenden Volumina zur Auswahl: Von 4×4 Zentimetern für den Quadranten oder Frontzahnbereich bis hin zum 10×8 Zentimeter großen Volumen, das alle zahntragenden Anteile von Ober- und Unterkiefer abbilden kann.

Für eine optimalere Überweiserkommunikation und zur Vereinfachung der Befundung würde ich mir ein in der iDixel-Software implementiertes Befundungsmodul wünschen.

Sie haben sich für ein Morita-Gerät entschieden. Warum? Welche Vorteile bietet es Ihnen im Vergleich zu anderen Anbietern von DVT-Geräten?

Das Veraview X800 ist ein 2D/3D-Kombigerät der neuesten Generation. (Foto: Morita)

Schröder: Bei unserer Kaufentscheidung stand für uns in allererster Linie die in der täglichen Praxis zu erzielende Bildqualität im Vordergrund. Die war bereits bei unserem ersten DVT, einem VeraviewEpocs 3De, deutlich besser als bei Geräten anderer Anbieter. Das heute von uns eingesetzte X800 M setzt diesbezüglich noch einmal höhere Maßstäbe. Zudem ist die Viewer-Software auch für weniger Geübte intuitiv bedienbar. Da unser DVT-Raum gewisse räumliche Limitationen aufweist, waren außerdem kompakte Außenmaße für uns wichtig.

Reale Bilder aus Referenzpraxen prüfen

Auf was sollten die Kollegen nach Ihrer Erfahrung achten, wenn sie überlegen, sich ein DVT oder ein 2-D-/3-D-Kombigerät anzuschaffen?

Schröder: Die Kernfrage lautet: Für welchen Teilbereich der Zahnmedizin soll das Gerät genutzt werden? Aus der Antwort lassen sich die benötigten Volumina ableiten. Welche Abbildungsgenauigkeit wird benötigt? Diese wird nicht nur durch die minimal mögliche Auflösung, sondern auch durch Faktoren wie Umlaufzeit, Möglichkeiten der Patientenpositionierung und -fixierung und Artefaktunterdrückung beeinflusst. Kann die Aufnahme auch beim sitzenden Patienten durchgeführt werden? Dadurch werden nach unserer Erfahrung Bewegungsartefakte deutlich minimiert.

Und bevor ich mich für ein Gerät entscheide, empfehle ich, reale Bilder aus Referenzpraxen anzusehen und zu prüfen, ob die zum Gerät gehörige Betrachtungssoftware den eigenen Ansprüchen an die Bedienbarkeit genügt.

Morita ist Goldsponsor vom 7Decades in Berlin

Erleben können Zahnärztinnen und Zahnärzte die neue Generation der digitalen Bildgebung in 2D und 3D auch auf dem Jubiläumskongress des Quintessenz-Verlags/Berliner Zahnärztetag vom 10. bis 12. Januar 2019 in Berlin.
Die J. MORITA EUROPE GmbH ist Goldsponsor des Kongresses mit internationalen Referenten und wird sich auf der Dentalausstellung präsentieren. Das Morita-Team steht dort gerne für Fragen zur Verfügung.

Titelbild: Diagnostik einer peripikalen zemento-ossären Dysplasie regio 42-43 (Bilder: Dr. Jens Schröder/Collage: Quintessence News)