Vollkeramische Werkstoffe haben vielfach metallgestützte Restaurationen in Zahnerhaltung und Prothetik abgelöst. Diese Entwicklung hat eine Vielzahl von indikationsspezifischen Materialofferten ausgelöst, die eines zum Ziel hatten, nämlich bruchfest, risszäh und hart zu sein und damit hohen Kaukräften zu widerstehen.

Der Trend zu harten Silikat- und Oxidkeramiken fand seinen Widerpart in Verbundwerkstoffen, die die Eigenschaften von Keramik und Polymeren verschmelzen. Dem Prinzip der Biomimetik folgend wurde erreicht, dass mit geringerem E-Modul eine Verformungsfähigkeit und eine dämpfende Wirkung unter Kaubelastung erzielt wurde, die Restzahn, Parodont und Knochenlager schont. Der abgesenkte E-Modul, angesiedelt im Korridor von Schmelz und Dentin, hat zur Folge, dass die Attrition „parallel“ zur Zahnhartsubstanz verläuft (Mörmann 2013). Mit diesen Eigenschaften ausgestattet konnte sich der Hybridwerkstoff aus polymer-infiltrierter Feldspatkeramik und keramikdotierten, CAD/CAM-fräsbaren Kompositblocks schnell in der niedergelassenen Praxis für Inlays, Onlays, Teilkronen, Okklusal-Veneers und Kronen (Abb. 1 bis 3) etablieren.

Reif für den Praxisalltag?

Protagonisten traditionell geprägter Versorgungslösungen kritisieren, dass für Restaurationen aus Hybrid- und Verbundwerkstoffen noch keine längerfristigen, klinischen Studien vorliegen. Das ist richtig – denn klinische Belege zur Überlebenswahrscheinlichkeit sind unerlässlich. Trotzdem scheinen die Erfahrungen der Hybridmaterial-Anwender und literaturgestützte Belege günstige Prognosen zu ermöglichen. Die Kausimulation mit keramik-dotierten Komposit-Restaurationen zeigte im Vergleich zu Feldspat-Kronen ausreichende mechanische Eigenschaften für die Einzelzahnversorgung (Lauvahutanon et al., 2014). Moderate in-vitro Daten für Biegebruchfestigkeit und Lichtleitfähigkeit zeigten CAD/CAM-Komposite; die Verschleißwerte belegten ein anatagonistenschonendes Verhalten (Stawarczyk et al., 2015). In Japan universitär gemessene Verschleißwerte qualifizieren keramikdotierte Komposite für Kronen auf Prämolaren (Takahashi et al., 2015).

In vitro günstige bis bessere mechanische Eigenschaften

Sichtbar glattere Kronenränder mit polymerhaltigen Werkstoffen wurden im Vergleich zu Silikatkeramiken detektiert (Awada et al., 2015). Minimalinvasive Kauflächen-Veneers aus keramik-dotiertem CAD/CAM-Komposit, okklusal 0,5 mm dick, widerstanden in-vitro der gleichen Kaubelastung wie vollkeramische Okklusionsschalen und können konventionelle Kronen ersetzen (Ionnidis, Mühlemann et al., 2018). Polymer-infiltrierte Hybridkeramik zeigte in-vitro, dass der Werkstoff scheinbar widerstandsfähiger gegen gleit- und stoßinduzierte Rissbildung und somit schadentoleranter ist als Glaskeramiken (Swain et al., 2016). Andere Autoren stellten fest, dass die hybride Infiltrationskeramik eine ausreichende Bruchfestigkeit und Absorption der okklusalen Belastung im Molarenbereich bietet (Selz et al., 2016). Verfärbungen, in-vitro durch Kaffee-Einlagerung provoziert, konnten mit Polieren durch Einsatz von Prophylaxepasten entfernt werden (Lauvahutanon et al., 2017).

Für Implantatversorgungen interessant

Waren bisher verblendete, implantatgetragene Kronen auf Zirkoniumdioxid-Gerüsten einem Chippingrisiko ausgesetzt, ausgelöst durch die fehlende Eigenbeweglichkeit und die verminderte Taktilität der osseointegrierten Implantatpfeiler, zeigten in-vitro Tests mit Hybrid- und Verbundwerkstoffen eine stoßabsorbierende Wirkung und somit eine mögliche Eignung für diese Indikation (Magne et al., 2013). Alle Studien basieren auf in-vitro Daten sowie auf kurzfristigen, klinischen Beobachtungen und vermitteln günstige Prognosen; die Autoren fordern jedoch, die gewonnenen Erkenntnisse durch klinische Langzeitstudien zu untermauern (Spitznagel et al., 2014).

Expertise ist gefragt

Trotz der ausbaufähigen Studienlage hat sich die neue Gruppe der Hybrid- und Verbundmaterialien in relativ kurzer Zeit im Behandlungsmarkt etabliert. Dies geschah in einer Phase, in der Keramikwerkstoffe auf immer höhere Festigkeiten und Oberflächenhärte getrimmt wurden, zum Beispiel Zirkoniumdioxid oder zirkonverstärktes Lithiumsilikat. Die schnelle Durchsetzung der Hybrid- und Verbundwerkstoffe kann damit zusammenhängen, dass diese Materialien chairside mit CAD/CAM-Einsatz in einer Sitzung verarbeitet werden können, nur dünne Wandstärken erfordern und fein auslaufende Ränder ermöglichen sowie Zahnhartsubstanz-ähnliche Abrasionseigenschaften haben. Ein weiterer Vorteil: Im Falle von nachfolgenden Defekten können die Restaurationen aufgrund des Polymeranteils leicht repariert werden.

In Anbetracht der „Vorschusslorbeeren“ für Hybrid- und Verbundmaterialien aus Klinik und Praxis ist es nun an der Zeit, die Pros und Kons zusammen zu fassen und in einem Symposium zu durchleuchten. Aus diesem Grund hat der Cerec Masters Club als Protagonist der CAD/CAM-gestützten Restauration den Plan gefasst, Kliniker, niedergelassene Zahnärzte, Zahntechniker, Materialwissenschaftler, industrielle Werkstoffhersteller zum „Hybrid-Symposium“ einzuladen.

Hybrid-Symposium in Berlin

Das Symposium findet statt am Samstag, 9. Februar 2019, von 9 bis 17 Uhr in der Digital Dental Academy (DDA) in Berlin-Tiergarten. Die DDA ist das neue Fortbildungszentrum der DGCZ (Deutsche Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde) mit Behandlungsplätzen (Abb. 4), es ist fußläufig vom Bahnhof Zoo und Ku’damm zu erreichen. Das Symposium wird organisiert vom Cerec Masters Club. Anmeldungen unter E-Mail masters@cerec.de. Auch Teilnehmer ohne Cerec- beziehungsweise CAD/CAM-Erfahrung sind willkommen. Es werden 8 Fortbildungspunkte vergeben (KZBV).

Erfahrene Referenten informieren über den aktuellen klinischen und technischen Stand der Hybrid- und Verbund-Restaurationswerkstoffe und geben Tipps für die klinische Anwendung, darunter Dr. Benjamin Gebhard  (FL-Schaan), Dr. Michael Dieter (CH-Buchs), Dr. Ralf Böhner (CH-Altstätten) Dr. Michael Tholey (Bad Säckingen), Susanne Kurbad und Dr. Andreas Kurbad (Vierse) und Peter Hoffmann (Cuxhaven). Auf dem Programm stehen ein Vergleich der Eigenschaften der polymer-infiltrierten Hybridkeramik mit keramikdotierten Kompositen, Indikationen und klinisches Handling sowie die Befestigung von Restaurationen aus Verbundwerkstoffen. Darüber hinaus werden praktische Aspekte wie das Spiel mit Farbschichten und der Transluzenz zur Steigerung des ästhetischen Potenzials vermittelt.

Potenzielles Rahmenprogramm

Berlin hat viel zu bieten, neben exzellenter Zahnmedizin auch Kunst und Kultur. Abendempfehlungen hält der Quintessenz-Verlag als Kooperationspartner des Symposiums  bereit, zum Beispiel die „Blue Man Show“ im Bluemax-Theater Berlin, das Musical „Tanz der Vampire“ im Theater des Westens sowie die „Berlinale – Internationale Filmfestspiele“ mit mehreren Spielorten.

Der Cerec Masters Club ist eine unabhängige Studiengruppe und Fortbildungseinrichtung für Zahnärzte und Zahntechniker und arbeitet mit dem Karl-Häupl-Institut der Zahnärztekammer Nordrhein zusammen. Die Digital Dental Academy der DGCZ in Berlin bietet für Kurse und Workshops einen umfangreichen Gerätepool mit Cerec-Einheiten, 3-D-Röntgensystemen, Behandlungseinheiten und Laborarbeitsplätzen.

Titelbild: Cerec Masters Club/Kurbad