Eine ganze Reihe von Hilfsmitteln und Geräten versprechen Patienten (und ZahnÄrzten) Abhilfe bei schmerzhaften Craniomandibulären Dysfunktionen und Bruxismus und präsentieren sich als Alternative zur klassischen Schienentherapie. Doch nicht alle halten in der Praxis, was sie versprechen.

Eine aktuelle Studie zähle allein 800 internationale Patente für technische Geräte zur Diagnostik und Behandlung von Bruxismus aus den letzten zwei Jahrzehnten, schreibt Dr. Matthias Lange unter Bezug auf eine aktuelle Studie in seinem Editorial zur aktuellen Ausgabe des Journal of Craniomandibular Function (CMF, 2/19). Wie viele davon dann tatsächlich erfolgreich in der Praxis eingesetzt würden und welche positiven Ergebnisse in Pilotstudien sich dann auch in weiteren klinischen Studien bestätigten, sei die andere Frage.

„Deshalb sollte die Wirksamkeit neuer Therapiemethoden stets transparent durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt werden, wobei randomisierte, kontrollierte Studien den Goldstandard darstellen. Andererseits bilden Erfahrungen in der Praxis bereits von Anfang an die Grundlage für die Überprüfung der klinischen Umsetzbarkeit, noch bevor überhaupt Daten zur Verfügung stehen“, umreißt Lange das Problem.

Die „Zeitschrift für Kraniomandibuläre Funktion“ (Journal of Craniomandibular Function/CMF) berichtet bilingual in Deutsch und Englisch über neue Entwicklungen in Klinik und Forschung. Sie nimmt aktuelle Original- und Übersichtsarbeiten, klinische Fallberichte, interessante Studienergebnisse, Tipps für die Praxis, Tagungsberichte sowie Berichte aus der praktischen Arbeit aus der gesamten Funktionsdiagnostik und -therapie auf. Vierteljährlich informiert sie über Neuigkeiten aus den Fachgesellschaften und bringt aktuelle Kongressinformationen und Buchbesprechungen. Mehr Infos zur Zeitschrift, zum Abo und zum Bestellen eines kostenloses Probehefts finden Sie im Quintessenz-Shop.

Behandlungsspektrum sinnvoll erweitern

Bruno Imhoff und Daniel Weber stellen in ihrem Beitrag „Neue Therapiemittel für CMD-Patienten“ vier solcher Produkte vor, werten die vorhandene Literatur und die praktischen Erfahrungen aus. Sie geben damit dem Praktiker eine wichtige Hilfe und Orientierung für die mögliche Auswahl in der Praxis.

Im Beitrag diskutiert werden BruXane, RehaBite, GrindCare und Cerezen. Einleitend heißt es: „Die in diesem Beitrag vorgestellten Therapiemittel können das Behandlungsspektrum für CMD-Patienten sinnvoll erweitern. Wichtig ist eine sorgfältige Indikationsstellung, eine gute Schulung der Patienten in Bezug auf die Anwendung und eine regelmäßige Kontrolle des Behandlungserfolgs. In jedem Fall ist abzuwägen, ob weitere Bausteine einer multimodalen und interdisziplinären Therapie indiziert sind, wie es oftmals bei Patienten mit CMD-Beschwerden der Fall ist.“

Praxistaugliches Konzept für Physio bei Bruxismus

Ein zweites, für die Praxis interessantes Thema im aktuellen Heft sind die Möglichkeiten der Physiotherapie bei Patienten mit Bruxismus-Problematiken: „Bruxismus und Physiotherapie. Einflussmöglichkeiten von Physiotherapeuten bei der Behandlung und Wege zur Evaluation.“ Autorin Ima Feurer hat für ihren auch als Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) ausgezeichneten Beitrag Wissen, Möglichkeiten und Grenzen zu diesem Thema zusammengefasst. Feurer, die auch an der aktuellen, in Kürze erwarteten neuen S3-Leitlinie Bruxismus, Diagnostik und Therapie mitgearbeitet hat, fasst das Problem einleitend so zusammen: „In keiner Studie, die in der Leitlinie zu der Fragestellung Physiotherapie und Bruxismus gefunden wurde, ergab sich eine wissenschaftliche Evidenz, ob physiotherapeutische Behandlungsansätze Bruxismus beeinflussen können. Dennoch soll der Beitrag ein praxistaugliches Konzept vorstellen, wie Physiotherapeuten parafunktionelle Zeichen durch Bruxismus bei Patienten erkennen können, wie sie zu bewerten sind und welche therapeutischen Konsequenzen zu ziehen sind. Dabei stellt sie sich auch die Frage, wie Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD) und Bruxismus korrelieren, wie sich das Behandlungsergebnis evaluieren lässt und wodurch der Behandlungserfolg beeinflusst wird.“

Digitalisierung und Artikulator

Kai Becker, Holger Jakstat und Oliver Ahlers präsentieren in ihrem Fachbeitrag in der Rubrik Wissenschaft die Ergebnisse ihrer randomisierten kontrollierten Studie zur „Qualitätsverbesserung zahnärztlich-funktionsanalytischer Diagnostik durch computer-assistierte Diagnosestellung“ (einen Einblick zu diesem Thema bietet der Beitrag „Funktionsdiagnostik: Qualitätsvorteile durch digitale Befundauswertung“, die Studie ist auch in der Ausgabe 1/19 des International Journal of Computerized Dentistry erschienen).

In der Ausgabe 2/19 der CMF startet auch eine neue Serie von Udo Plaster: „Synchronisierung der Modelle vom Patienten in den Artikulator”, deren erster Teil sich mit „Okklusionsebene und Kieferrelation – Analyse und Transfer der Informationen“ befasst. Ergänzt werden die Fachbeiträge wie immer durch Buchbesprechungen, Zeitschriftenreferate und Berichte von Fortbildungen. In dieser Ausgabe finden sich der Nachbericht zur DGFDT-Jahrestagung 2018 „Neue Horizonte“ und zum neuen Winterfortbildungskurs in Braunlage. (MM)

Titelbild: Korrekt angelegter RelaxBogen mit aktivierten Bügeln. Aus: Imhoff/Weber, Neue Therapiemittel, Journal of Craniomandibular Function 2019;11(2):141–150