Wie gut funktioniert die Charakterisierung von CAD/CAM-Kompositen? Können Antioxidanzien körpereigene Reaktionen auf Komposite vermindern? Gelingt die radiologische Darstellung eines Unterkiefermodells mittels 3-D-Druck? Diese und andere Fragen waren die Themen der acht jungen Zahnmediziner*innen, die sich der 17. Voco Dental Challenge stellten.

Einzige Vorgabe der Cuxhavener Dentalhersteller ist, dass auch ein Voco-Produkt Gegenstand der Untersuchung ist. Die Ergebnisse präsentierten die Nachwuchswissenschaftler am 13. September 2019 einem Fachpublikum und einer hochkarätigen Jury – und deren kritischen Ohren entging nichts. Prof. Dr. Martin Rosentritt (Universität Regensburg) sowie Prof. Dr. Dr. Stefan Rupf (Uniklinikum des Saarlandes) fühlten den acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit hartnäckigen Fragen zu ihren Vortragsthemen auf den Zahn. Eine echte Herausforderung, bei der fachliche Sicherheit und ein souveräner Umgang mit Kritik gefragt waren. Die Teilnehmer nahmen sie gerne an: „Das ist eine gute Vorbereitung für die Zukunft, zum Beispiel mit Blick auf die Promotionsverteidigung“, hieß es aus dem Teilnehmerfeld.

„Die Auswahl der Themen zeigt die Vielfalt unserer Produkte“, stellte Manfred Thomas Plauman, Geschäftsführer von Voco, bei der Begrüßung am Freitag morgen fest. Fünf Beiträge untersuchten Eigenschaften und Verhalten von Kompositen, Wurzelstiften beziehungsweise Glasfaserstiften, drei Arbeiten beschäftigten sich mit CAD/CAM-Kompositen und dem 3-D-Druckmaterial V-Print Splint.
Nah dran zu sein an den zukünftigen Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie Materialwissenschaftlern ist Plaumann ein besonderes Anliegen: „Uns ist wichtig zu wissen, wie sie die Entwicklungen in der Zahnmedizin sehen, und auch, was ihre Ansprüche an uns als forschendes Dental-Unternehmen sind.“

Bis zu acht Minuten Zeit bei weißem Licht

Einigen Arbeiten merkte man an, dass sie im klinischen Alltag der Zahnmedizin-Studenten ihren Ursprung haben, so auch dem Siegerbeitrag von Albrecht von Bülow von der Uni Marburg. Von Bülow entwickelte eine alternative Arbeitsleuchte, die die Verarbeitungszeit lichthärtender Komposite verlängert, dabei jedoch kein gelbes Licht emittiert, wie bisher bekannte Lösungen. Der Referent konnte dieses nicht leicht zugängliche Thema sehr anschaulich vermitteln, indem er einen Versuchsaufbau präsentierte, der die Belichtung von Kompositproben mit seiner LED-Lampe und mit einer herkömmlichen während seines Vortrags nebenher laufen ließ und so in Echtzeit belegte, dass die Verarbeitungszeit der Komposite bei seiner Leuchte bei fast acht Minuten – der Länge seines Vortrags – lag. Dies ist, so von Bülow, für Studenten besonders vorteilhaft, da sie noch nicht so schnell in der Modellation von Kompositen sind. Doch auch Zahnärzte profitieren: die verlängerte Zeit ermöglicht sorgfältigeres Modellieren, wodurch wiederum weniger ausgearbeitet werden muss. Und: Man muss ja nicht die gesamte Zeit ausnutzen, aber es ist gut, sie zu haben.

Komposite und Aufbaufüllungen

Den zweiten Platz belegte Kerstin Siemer von der Uni Freiburg. Sie wies in ihrer Arbeit nach, dass Antioxidanzien Kompositmaterialien-induzierte Effekte auf Gingivazellen modulieren können. Der dritte Platz ging an Rumeysa Gülmez von der Uni Heidelberg, die die präprothetische Leistungsfähigkeit adhäsiver Aufbaufüllungen verglich. Hauptrisikofaktoren für das Scheitern von Aufbaufüllungen sind demnach die Flächenanzahl der Aufbaufüllung und die klinische Erfahrung des Behandlers.

Röntgenopazität bei Übungsmodellen

Ein spannendes Thema war die Arbeit von Ashraf Hanafi von der Uni Münster: Seine radiologische Darstellung eines Unterkiefermodells aus dem 3-D-Druckmodell V-Print splint könnte ein Fortschritt in der Bereitstellung von zahnmedizinischen Übungs- oder Trainingsmodellen sein. Das 3-D-Druckmaterial erlaubte unter den vorgestellten Versuchsparametern eine adäquate Röntgenopazität der anatomischen Strukturen des Kiefers und der Zähne und ist damit für die Herstellung individualisierter zahnmedizinischer oder kieferchirurgischer Übungsmodelle geeignet (Auf dieses Material wies Marcel Reymus in einem Beitrag der Quintessenz Zahntechnik 11/2018 hin).

Preisgelder und Zuschüsse

Für die Preisträger und ihr unterstützendes Team erhalten Preisgelder in Höhe von 6.000, 4.000 beziehungsweise 2.000 Euro sowie Publikationszuschüsse von jeweils 2.000 Euro zur Unterstützung ihrer weiteren Arbeit. Viel Applaus und Anerkennung für ihre hervorragenden Leistungen erhielten auch die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
• Sander Wilmink (Universität Witten/Herdecke): „Comparison of marginal quality of bulk fill and increment-fill resin composites“
• Richard Sturm (Charité Universitätsmedizin Berlin): „Zeigen gebündelte Glasfaserstifte eine gleiche Frakturresistenz wie solitäre Faserstifte?”
• Dominic Gold (Universität Leipzig): „Charakterisierung von CAD/CAM-Kompositen”
• Vivian Marie Ducke (Universität München): „Alterung und Fraktrographie moderner CAD/CAM-Komposite – Wo entsteht der Bruch?”.
• Ashraf Hanafi (Universitätsklinikum Münster), Die radiologische Darstellung eines Unterkiefermodells aus dem 3D Druckmaterial V-Print splint.KN/Voco

Das Titelbild zeigt von links Jurymitglied Prof. Dr. Martin Rosentritt (Universität Regensburg), Albrecht von Bülow (Universität Marburg), Kerstin Siemer (Universitätsklinikum Freiburg), Rumeysa Gülmez (Universitätsklinikum Heidelberg) und Prof. Dr. Dr. Stefan Rupf (Uniklinikum des Saarlandes). Bild: Voco