Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen auch und erneut die Studierenden und junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die bereits in der Vorbereitungsassistenz oder Weiterbildung sind oder eine Assistentenstelle suchen. Quintessence News hat für med.dent.magazin mit Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, dazu gesprochen. Ihn treibt auch die schwierige Situation an den Hochschulen um, vor allem mit Blick auf die neue Approbationsordnung, die ab Oktober 2021 umgesetzt sein muss.

Der Vorstand der BZÄK hat in einem Hintergrundgespräch darauf hingewiesen, dass aufgrund der durch die Corona-Pandemie angespannten Lage in den Zahnarztpraxen viele frisch approbierte Zahnärztinnen und Zahnärzte Probleme haben, eine Stelle als Vorbereitungsassistent zu finden und/oder diese Stelle dann auch zu behalten. Wie sieht die Situation aktuell aus?

Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (Foto: BZÄK/axentis.de)

Dr. Peter Engel: Am 5. September 2020 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter vom Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni, dem Bundesverband der Zahnmedizinstudierenden und Bundeszahnärztekammer zum Kooperationsgespräch. Von Seiten der Kooperationspartner wurde berichtet, dass viele Praxen die Arbeitszeiten reduzieren, Kurzarbeit beantragt haben, aber auch Kolleginnen und Kollegen in der Probezeit Kündigungen erhalten haben. Gleichzeitig sind zahlreiche Absolventinnen und Absolventen noch auf der Suche nach einer Vorbereitungsassistentenstelle. Einige Zusagen wurden nachträglich aufgehoben. Es zeigen sich für den beruflichen Nachwuchs nachhaltige Auswirkungen.

Das Thema wird auch auf der Sitzung des Ausschusses Beruflicher Nachwuchs, Familie und Praxismanagement am 13. November angesprochen, werden, hier ist eine Vertreterin des bdzm dabei.

Probleme beim Klinikjahr

Was können BZÄK und Landeszahnärztekammern in dieser Situation tun, um die jungen Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Praxen zu unterstützen?

Engel: Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich für Assistenten und Weiterzubildende in der Zeit des Klinikjahrs – dies ist regelmäßig auf ein Jahr beschränkt und die Stellen sind anschließend in der Regel bereits weiter besetzt. Wenn durch Kurzarbeit die geplante Weiterbildungszeit nicht abgeleistet werden kann, muss diese angehängt werden.

Sind die Stellen aber zeitlich befristet vergeben und darüber hinaus bereits auf Jahre hin weiter versprochen, ist eine Verlängerung nicht einfach möglich. Die Bundeszahnärztekammer hatte dies im Vorstand besprochen und um wohlwollende Prüfung oder Angebote von Alternativen durch die Kammern gebeten.

Beim diesjährigen „Zukunftskongress Beruf und Familie“, der am 14. November kostenfrei online durchgeführt wird, wird es außerdem einen Vortrag von Lotta Westphal, der Präsidentin des bdzm, zum Thema „Faires Miteinander – Wir müssen reden – Was wollen Assistenten“ geben.

Welche Empfehlungen geben Sie dem Berufsnachwuchs für die Suche nach einer Stelle?

Engel: Leider bleibt nur: Dranbleiben und auch flexibel hinsichtlich des Ortes der Anstellung sein. Im ländlichen Raum sind oftmals bessere Möglichkeiten vorhanden. Die Lage dauert derzeit an, da aus Sorge vor der zweiten Welle nur zurückhaltend Mitarbeiter eingestellt werden.

Befürchten Sie, dass junge Zahnärztinnen und Zahnärzte sich anderen Berufsfeldern zuwenden, wenn diese Situation noch länger andauern sollte?

Engel: Die Situation ist auch in anderen Berufsfeldern nicht einfach. Wir möchten die jungen Kolleginnen und Kollegen bestmöglich unterstützen, so dass sie uns erhalten bleiben.

„Zukunftskongress Beruf und Familie“

In diesem Jahr findet der „Zukunftskongress Beruf und Familie“ am Samstag, 14. November 2020, von 14 bis 17 Uhr online statt. Die Veranstaltung wird über Zoom angeboten und ist wie immer kostenfrei. Wer teilnehmen möchte, kann sich hier dafür registrieren. Die Vorträge werden für die Veranstaltung vorab aufgezeichnet, damit alle Referenten während der Vortragszeit Fragen live im Chat beantworten können. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, CME-Punkte zu erhalten.

In diesem Jahr dreht sich der Kongress auch, aber nicht nur, um Corona. Weitere Vorträge behandeln die Themen Assistenzzeit, Umweltschutz in der Zahnmedizin und Mitarbeiterführung. Außerdem haben sich junge Praxisgründer bereit erklärt, einen Einblick in ihre Praxis zu geben und berichten worauf sie besonders stolz sind, was sie empfehlen würden beziehungsweise wovon sie abraten würden. Weitere Informationen zum Programm und zum Registrieren auf der Website des Deutschen Zahnärztetags.

„Orale Medizin und Immunkompetenz“

Der Deutsche Zahnärztetag bietet unter dem Titel „Mein Kongress – online kompakt“ am 13. November 2020 ab 15 Uhr ein spannendes Online-Programm unter dem Thema „Orale Medizin und Immunkompetenz“ an. Es wird als Zoom-Webinar mit Chatfunktion und der Möglichkeit, CME-Punkte zu erwerben, angeboten, kann aber auch als Live-Stream auf Facebook verfolgt werden. Mehr Informationen auf der Website des Deutschen Zahnärztetags.

Neue Approbationsordnung stellt vor Probleme

Sie haben sich besorgt über die Bedingungen geäußert, unter denen die neue Approbationsordnung für Zahnärzte nun mit einem Jahr Aufschub ab Oktober 2021 umgesetzt sein soll. Wo liegen hier die Knackpunkte?

Engel: Von Hochschullehrern wird uns berichtet, dass die Umsetzung der neuen zahnärztlichen Approbationsordnung die Fakultäten vor immense personelle und finanzielle Probleme stellt. Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie tragen nicht dazu bei, die Situation zu entspannen.

Was befürchten Sie konkret – auch mit Blick auf die Situation bei den Ärzten und den Masterplan Medizinstudium 2020?

Engel: Zu den speziellen Problemen bei der Umsetzung an den einzelnen Standorten können nur die damit befassten Hochschullehrer Auskunft geben. Insgesamt kritisch sehen wir, dass mit der Neuordnung des Medizinstudiums im Rahmen des Masterplans 2020 sich die vorklinischen Ausbildungen von Medizinern und Zahnmedizinern weiter zu entfernen drohen.

Pandemie hat die Lösungsfindung nicht vereinfacht

Gibt es noch Auswege aus dieser verfahrenen Situation und wer und was muss sich dafür bewegen und ändern?

Engel: Für eine sach- und zeitgerechte Umsetzung der ZApprO müssen die Universitäten von den Ländern mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. Zur Angleichung der vorklinischen Ausbildung von Medizinern und Zahnmedizinern müssten der Gesetzgeber, Ärzte und Zahnärzte an einem Strang ziehen.

Die Zahnmedizin kämpft an vielen Universitäten bundesweit seit Jahren mit oft erschwerten Bedingungen, wenn es um Mittel für Ausstattung, Forschung und Lehre geht. Die Corona-Pandemie, bei denen die Universitätskliniken als Einrichtungen der Maximalversorgung besonders gefordert sind, scheint an einigen Standorten die Situation noch zu verschärfen. Was bedeutet das für die Ausbildung und die Weiterentwicklung der Zahnmedizin?

Engel: Die finanzielle Ausgestaltung der Umsetzung der ZApprO ist leider final immer noch nicht geklärt, denn eine Dauerfinanzierung der ZApprO-Novelle seitens des Bundes ist rechtlich nicht möglich. Und die Pandemie hat hier eine Lösungsfindung nicht gerade vereinfacht.

Gemeinsam mit Hochschulen und Studierenden Lösungen suchen

Nur noch „berufsfähig“, nicht mehr „berufsfertig“ – wenn vor allem die praktische Ausbildung durch pandemiebedingte Beschränkungen und fehlende Mittel und Patienten in den Studentenkursen leidet, was können und müssen Kammern, Kassenzahnärztliche Vereinigungen und Praxen für den Berufsnachwuchs anbieten und tun, um ihn „praxisfit“ zu machen?

Engel: Generell waren ja die Berufsaussichten, und auch in diesem Rahmen eine Assistentenstelle zu bekommen, vor der Pandemie nicht schlecht. Gesuche sind ja nach wie vor vorhanden und Praxisinhaber sind sicherlich im Interesse der Unterstützung und Fortführung ihrer Praxen bereit, die jungen Kolleginnen und Kollegen besonders zu unterstützen. Echtes Engagement zahlt sich sicherlich aus. Die BZÄK bemüht sich, gemeinsam mit den Studierenden und Hochschullehrern nach Lösungen zu suchen.

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