Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) benennt ihren Forschungspreis um: Aus dem „Walkhoff-Preis“ wird der „DGZ-Publikationspreis“. Otto Walkhoff, Namensgeber des ursprünglichen Preises, war bereits vor 1933 in die NSDAP eingetreten, wie neue Forschungen jetzt zeigten.

Mit der Umbenennung nehme die Fachgesellschaft, die rund 3.100 Mitglieder hat, ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahr und reagiere konsequent auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“. Im Auftrag von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV), Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) in Kooperation mit renommierten, unabhängigen Wissenschaftlern der Universitäten Düsseldorf und Aachen unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß war in den vergangenen vier Jahren die Rolle der Zahnheilkunde im NS-Regime systematisch wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Es handelt sich um die erste umfassende historisch-kritische Darstellung der Geschichte der Zahnärzteschaft während der Nazi-Diktatur. Die Ergebnisse wurden am 28. November 2019 in Berlin präsentiert. Es wurde aufgezeigt, dass gut 60 Prozent der Hochschullehrer in der Zahn-Mund-Kieferheilkunde NSDAP-Mitglieder waren und sich diverse Professoren in der SS beziehungsweise Waffen-SS engagierten.

Frühe NSDAP-Mitgliedschaft bisher nicht bekannt

Auch einige Präsidenten der DGZMK zwischen 1906 und 1981 waren NSDAP-Mitglieder – unter anderem Otto Walkhoff (1860–1934). Der DGZMK-Präsident von 1906 bis 1926 war bereits lange vor Hitlers Machtübernahme im Jahr 1929 in die NSDAP eingetreten. Damit sei er der Gruppe der frühen und überzeugten Nationalsozialisten zuzurechnen.

Preis seit 2000 verliehen

In bisheriger Unkenntnis dieser Tatsache hat die DGZ seit dem Jahr 2000 den Walkhoff-Preis verliehen. Mit dem mit 3.000 Euro dotierten Preis zeichnet der DGZ-Vorstand auf den Jahrestagungen herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Präventive Zahnheilkunde, Restaurative Zahnerhaltung oder Endodontologie aus.

Gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Prof. Dr. Christian Hannig (Foto: UZM Dresden)

„Die NSDAP-Mitgliedschaft von Otto Walkhoff war uns bislang nicht bekannt“, sagt DGZ-Präsident Prof. Dr. Christian Hannig. „Die DGZ repräsentiert als zahnmedizinische Fachgesellschaft auch Werte wie Humanität, Achtung der Menschenwürde und die freiheitlich demokratische Grundordnung. Als Zahnmediziner und Wissenschaftler haben wir nicht nur eine große fachliche Verantwortung, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche. In der Konsequenz werden wir daher den Walkhoff-Preis der DGZ in DGZ-Publikationspreis umbenennen. Alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Walkhoff-Preises erhalten eine geänderte Urkunde.“

Unter den Ehrenmitgliedern der DGZ finden sich ebenfalls ehemalige NSDAP-Mitglieder. Alle betroffenen Personen sind inzwischen verstorben. Mehr Informationen dazu und zum Forschungsprojekt „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“ gibt es auf der Homepage der DGZ unter www.dgz-online.de.

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