Was Sie schon immer über Periimplantitis wissen wollten – der BDIZ EDI lieferte Antworten bei seinem 15. Experten Symposium am 23. Februar in Köln. Unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller erwartete die Teilnehmer ein hochkarätig besetztes, spannendes und intensives Fortbildungsprogramm, gekrönt vom festen Programmende, dem Kölner Karneval. Fortbildung at its best.

Spaß und pure Lebensfreude draußen, drinnen ein Thema, das die Zahnärzt*innen auch in Zukunft beschäftigt, denn die Periimplantitis stellt die Behandler weiter vor große Herausforderungen. Wie kriegt man die Entzündung rund um das Implantat in den Griff? Zum Auftakt widmete sich Prof. Dr. Dr. Christian Walter von der Uni Mainz den vielzähligen allgemeinen Risikofaktoren und ihrem Einfluss auf das Implantatüberleben, die wichtigsten sind Rauchen, Diabetes mellitus, Parodontalerkrankungen, Osteoporose und Allergien. Das Auditorium interessierte besonders der Einfluss von Bisphosphonaten auf die Entstehung der Periimplantitis, den der Referent allerdings als nachrangig einstufte. Größer sei das Problem, dass als Nebenwirkung der Bisphosphonattherapie eine Osteoporose rund um das Implantat auftreten könne.

Keramikimplantate und Periimplantitis

Dr. Freimut Vizethum, Mitglied im Vorstand des BDIZ EDI aus Rauenberg, führte in die Welt der Bakterien und ihrer erschreckenden Anpassungsfähigkeit und Wandelbarkeit in Bezug auf Antibiotika ein. „Man könnte heute soweit gehen zu sagen: Bakterien haben eine gewisse soziale Intelligenz und können ihre Funktionsweise zu ihrem Vorteil steuern.“ PD Dr. Christoph Graetz von der Uni Kiel stufte die Parodontitis zwar als signifikanten Risikofaktor für die Periimplantitis ein, grenzte die biofilmassoziierte Entzündungserkrankung dennoch klar von der Periimplantitis ab.

Prof. Dr. Katja Nelson von der Uni Freiburg stellte klar, dass auch Keramikimplantate von der Periimplantitis betroffen sein können. „Keramikimplantate sondern auch Partikel und Ionen ab“, machte sie anhand eigener Untersuchungen deutlich. Prof. Dr. Hans-Joachim Nickenig von der Uni Köln sieht in dem relativ neuen Verfahren des Keramik-Coatings von Titanimplantaten einen möglichen Ansatz zum Schutz vor Periimplantitis. „Wenn viele Effekte in Gang gesetzt sind und dann die massive Lösung von Metallionen dazukommt, könnte das Keramik-Coating dazu beitragen, dass es zu einer geringeren Titanionen-Freisetzung in die Gewebe kommt.“

Bisher nur symptomatische Behandlung möglich

Wenn die konservative Behandlung versagt, kommt für Prof. Dr. Fouad Khoury aus Olsberg die Chirurgie mit resektiven und/oder augmentativen Maßnahmen abhängig von verschiedenen Faktoren zum Einsatz. Er brachte das Dilemma rund um die Behandlung auf den Punkt: „Die Ätiologie für die Periimplantitis ist unvollständig und deshalb beschränkt sich die Therapie auf die Behandlung der Symptomatik.“ Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen von der Uni Freiburg lieferte den Nachweis, dass die Prognosen einer Implantation nach Implantation durchschnittlich um 10 Prozent schlechter seien als bei einer Erstimplantation. Eine erneute Implantation erfordere nicht selten umfangreiche Augmentationen sowie konturierende Weichgewebschirurgie. Für PD Dr. Jörg Neugebauer aus Landsberg ist ein individuelles Recall zur Sicherung eines Langzeiterfolgs von Implantaten notwendig, um unter anderem eine funktionelle Fehlbelastung frühzeitig zu erkennen, die parodontalen und periimplantären Befunde zu kontrollieren, um die Überlebensrate der Implantatversorgungen zu erhöhen und die Risikofaktoren für mögliche systemische Erkrankungen zu reduzieren.

Nach wie vor bleibt die Therapie der Periimplantitis weniger vorhersagbar als die der Parodontitis. Dennoch waren interessante Ansätze dabei und die Teilnehmer*innen blieben gebannt bis zum Schluss im Raum und diskutierten mit den Referenten. „Es war ein hervorragendes Symposium“, sagte eine Teilnehmerin, die zum 15. Mal in Köln dabei war und bisher kein Experten Symposium verpasst hat.

Titelbild: Wuttke/BDIZ EDI