Immer mehr Menschen in Deutschland erhalten die Diagnose heller Hautkrebs. Zwischen den Jahren 2011 und 2018 erhöhten sich die Betroffenenzahlen um 35 Prozent von rund 1,23 Millionen auf 1,66 Millionen.

Das geht aus einer aktuellen Barmer-Analyse hervor, die die Kasse anlässlich des europäischen Tags des Hautkrebses (13. September) angefertigt hat. In den Jahren 2017 und 2018 sind die Fallzahlen nur noch geringfügig gestiegen, und zwar um 2,1 beziehungsweise 1,9 Prozent.

Quelle: Barmer

Spitze der Erkrankungszahlen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren

Plattenepithel- und Basalzellkarzinome, die als heller oder weißer Hautkrebs bezeichnet werden, gehören zu den häufigen Krebsarten. Das Basalzellkarzinom ist der häufigste unter den Hautkrebsen. Jährlich erkranken rund 145.800 Menschen in Deutschland daran (GEKID, 2020). Er kommt bei Frauen ebenso oft vor wie bei Männern; die höchsten Erkrankungszahlen liegen im sechsten Lebensjahrzehnt, also zwischen 50 und 60 Jahren. Typisch für diese Krebsart ist, dass sie über Jahre und Jahrzehnte langsam wächst, so die Informationen der Deutschen Krebshilfe.

Basalzellkarzinome häufig auf den „Sonnenterrassen“ im Gesicht

Auch wenn Basalzellkarzinome prinzipiell überall am Körper entstehen können, sind Bereiche, die häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, besonders betroffen. 70 bis 80 Prozent der Fälle treten daher im Kopf-Hals-Bereich auf, häufig auf den sogenannten Sonnenterrassen des Körpers. Ein Basalzellkarzinom entsteht oft im Gesicht, hier vor allem an der Nase und der Unterlippe, oder am Nacken. Zudem an den Händen, seltener schon an den Beinen und am Oberkörper, so die Deutsche Krebshilfe. Da Basalzellkarzinome in der Regel keine Metastasen bilden und bei früher Diagnose – sie bilden keine Vorstufen – gut behandelt werden können, liegen die Heilungschancen bei 95 Prozent.

Aktinische Keratinose als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms

Auch Plattenepithelkarzinome kommen häufig auf Hautstellen vor, die zu oft einer intensiven UV-Bestrahlung ausgesetzt worden sind. Jedes Jahr erkranken laut Deutscher Krebsstiftung rund 89.300 Menschen an dieser Krebsart, vor allem jenseits des 50. Lebensjahrs. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Bei diesem Tumor gibt es mit der sogenannten aktinischen Keratose eine Vorstufe (Präkanzerose). Sie bildet sich ebenfalls häufig im Gesicht: Nase, Stirn, Schläfen, Unterlippen, bei Männern auch Ohrenspitzen und Nacken, aber auch auf einer Glatze.

Wird diese aktinische Keratinose nicht behandelt, kann sich ein Plattenepithelkarzinom entwickeln, das auch metastasieren kann. Auch hier hängt der Heilungserfolg von der Früherkennung ab: Früh behandelt, liegt die Heilungschance bei 100 Prozent.

Gute Chance der Früherkennung beim Zahnarzt

Zahnärzte und zahnmedizinisches Fachpersonal können bei der Früherkennung des weißen Hautkrebses einen wichtigen Beitrag leisten, da sie die Patienten häufiger sehen als zum Beispiel der Dermatologe, und ihnen Veränderungen auch im Kopf- und Gesichtsbereich eher auffallen. (Eine gute Zusammenfassung zu Hauttumoren im Kopf-Hals-Bereich bietet zum Beispiel das Repetitorium von Kämmerer et al: „Häufige maligne Hauttumoren im Gesichtsbereich – Diagnose und Differenzialdiagnose“ aus der Quintessenz 62 (2011), Nr. 6, Seiten 803-810 sowie ein aktuellerer Beitrag von Terheyden et al. in den zm 13/2020.) Werden auffällige Stellen erkannt, sollte eine Abklärung beim Dermatologen oder MKG-Chirurgen erfolgen.

Nicht ohne Schutz in die Sonne

„In Deutschland scheint die Zahl der Personen mit hellem Hautkrebs inzwischen auf sehr hohem Niveau zu stagnieren. Das ist zwar eine positive Tendenz. Dennoch bleiben die Fallzahlen viel zu hoch angesichts dessen, dass sich keine andere Krebsart so leicht vermeiden lässt wie Hautkrebs“, betonte Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer. Ohne entsprechenden Schutz sollte sich niemand zu lange in der Sonne aufhalten. Petzold: „Die Haut vergisst keinen einzigen Sonnenstrahl.“

Regionale Steigerungsraten von bis zu 50 Prozent

Die Fallzahlen beim hellen Hautkrebs seien im Betrachtungszeitraum 2011 bis 2018 mit dem Plus von 35 Prozent schneller gestiegen als bei schwarzem Hautkrebs (Melanom). Hier habe sich die Fallzahl im selben Zeitraum um 24,7 Prozent von rund 300.000 auf 374.000 Personen erhöht. Zudem gebe es massive regionale Unterschiede beim Auftreten des hellen Hautkrebses. Während Baden-Württemberg zwischen den Jahren 2011 und 2018 einen Anstieg um 49,6 Prozent von 152.900 auf 228.800 Patienten verzeichnete, betrug das Plus in Hamburg 24,7 Prozent, und zwar von 25.100 auf 31.300 Betroffene.

Anspruch auf Früherkennungsuntersuchung

„Dass die Anzahl der Hautkrebspatienten in manchen Bundesländern so stark gestiegen ist und in anderen deutlich weniger, ist rein medizinisch nicht zu erklären“, so Petzold. Unterschiede bei der jeweiligen Sonneneinstrahlung und UV-Belastung könnten dabei ebenso wie die unterschiedliche Inanspruchnahme der Hautkrebs-Früherkennung eine Rolle spielen, heißt es. Gesetzlich Versicherte haben ab einem Alter von 35 Jahren inzwischen alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs bei einem Hautarzt oder dafür qualifizierten Hausarzt zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung. Einige gesetzliche Krankenkassen bieten dies auch schon jüngeren Versicherten an. (MM)

Quellen: Pressemitteilung der Barmer, Deutsche Krebshilfe, KBV, Quintessenz 62 (2011), Nr. 6, Seiten 803-810, Terheyden et al. Tumoren der Lippen und Gesichtshaut – das muss der Zahnarzt wissen, zm 13/2020, online

Titelbild: Basalzellkarzinom/Basaliom (Foto: Nau Nau/Shutterstock.com)