Früher oder später kommen Zahnmediziner mit wissenschaftlichen Publikationen in Berührung: ob im Studium, bei der Erstellung der Doktorarbeit und der dafür erforderlichen Literaturrecherche oder bei der kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung. Die Beitragsreihe „Struktur und Aufbau wissenschaftlicher Fachartikel“ von Dr. Fabian Langenbach in der Zeitschrift Qdent richtet sich an alle, die bei ihrer Recherche vor lauter Suchergebnissen die eigene Frage vergessen haben und an jene, die glauben, es genüge, lediglich den Abstract eines Artikels zu lesen. Lesen Sie hier Teil 1 aus der Qdent 3/2018, der Titel und Abstract behandelt.

Wissenschaftliche Fachartikel sind mit 61,5 Prozent im Durchschnitt aller akademischen Fachgebiete das am meisten genutzte Publikationsformat. So verbringen Mediziner an Hochschulen durchschnittlich 3,7 Stunden pro Woche mit dem Lesen von Fachliteratur. Tatsächlich benötigt mehr als die Hälfte der Wissenschaftler im Bereich Health Science sogar noch mehr Zeit mit der Suche nach Fachliteratur (4–5 Stunden/Woche).

Struktur und Aufbau von Fachartikeln

Mit einigen grundlegenden Kenntnissen über die Struktur und den Aufbau von wissenschaftlichen Fachartikeln sowie der Bedeutung der einzelnen Segmente lässt sich wertvolle Zeit bei der Suche und dem Lesen sparen. Und auch die Erstellung einer ersten eigenen Veröffentlichung geht damit schneller von der Hand.

Die meisten Fachartikel haben einen strikt vorgegebenen methodischen Aufbau, der auch als AIMRaD Struktur bezeichnet wird. AIMRaD steht für Abstract, Introduction, Methods, Results and Discussion (Abstract, Einleitung, Methoden, Ergebnisse und Diskussion). Vor dem Abstract stehen in allen Fällen der Titel des Artikels und seine Autoren. Zudem wird die Diskussion häufig noch mit einer Schlussfolgerung ergänzt, an die sich die Auflistung der in der Arbeit verwendeten Referenzen anschließt.

Der Titel

Titel sind das Aushängeschild des Fachartikels und der meistgelesene Teil. Der Titel entscheidet in vielerlei Hinsicht über den Erfolg und Misserfolg des gesamten Artikels. Er hat, neben dem Abstract, entscheidenden Einfluss darauf, ob die Redakteure der Zeitschrift eine Veröffentlichung in Erwägung ziehen und das Manuskript dem Begutachtungsprozess zuführen. Nach der Veröffentlichung ist der Titel eines der wichtigsten Kriterien, ob der Artikel von Wissenschaftlern gelesen wird. Denn bei der Recherche überfliegen Wissenschaftler in Suchergebnislisten eine hohe Zahl von Titeln.

Bei der Wahl des Titels muss der Autor stets die Balance finden, zwischen einem möglichst hohen Detailgehalt und einer ansprechenden Formulierung, welche die Arbeit in einen größeren thematischen bzw. fachlichen Kontext setzt. Gleichwohl sollte der Titel niemals das alleinige Kriterium sein, ob man sich mit einem Artikel näher beschäftigt. Denn immer wieder sind auch im Artikel nebensächlich betrachtete Aspekte für die eigene Arbeit relevant.

Wissenschaftliche Suchmaschinen werden zunehmend leistungsfähiger und bieten eine gute Hilfe, relevante Artikel zu finden. Oft kann im Volltext des Artikels gesucht werden, selbst wenn hier für den Betrachter eine Bezahlschranke gilt. Hat der Titel die Aufmerksamkeit des Lesers geweckt oder die Suchmaschine eine Relevanz angezeigt, kann der Abstract weiteren Aufschluss über die Eignung des Fachartikels geben.

Der Abstract

Der Abstract ist die Zusammenfassung der gesamten Arbeit. Für die Autoren gibt es zwei grundsätzliche Herangehensweisen bei der Erstellung des Abstracts: „Abstract First“ und „Abstract Last“. Schreibt man den Abstract zuerst, kann er als roter Faden für die restliche Erstellung des Artikels dienen. Dies ermöglicht dem Autor ein verhältnismäßig strukturiertes und schnelles Vorgehen und ist gerade für unerfahrene Autoren die bessere Wahl. So kann zum Beispiel der Abstract mit dem Arbeitsgruppenleiter abgesprochen werden, bevor mit dem eigentlichen Text angefangen wird. Damit wird vermieden, am Thema vorbeizuschreiben. Erfahrene Wissenschaftler erstellen den Abstract häufig zuletzt. Oft kommen ihnen erst beim Schreiben des Artikels wichtige Ideen und Aspekte in den Sinn, die dann, teils nach ergänzenden Experimenten, den Artikel aufwerten.

Warum auch in der Wissenschaft das richtige Werkzeug wichtig ist

In kaum einer medizinischen Disziplin treffen so viele verschiedene wissenschaftliche Fachgebiete aufeinander wie in der Zahnmedizin. Die Bandbreite ist groß, das verfügbare Wissen steigt kontinuierlich an und macht es schwierig, sich zurechtzufinden. Da ist es wichtig, grundlegende wissenschaftliche Arbeitsweisen zu kennen, aber auch sich der Unterschiede bewusst zu sein, zum Beispiel zwischen klinischer Forschung und Grundlagenforschung. Das vermeidet Frust bei der Auswahl und Bearbeitung eines Promotionsthemas und hilft später bei der kontinuierlichen Fortbildung in der Praxis.

Dr. Fabian Langenbach (Foto: Quintessenz/Heinzen)

Die Rubrik „Wissenschaft & Promotion“ der Zeitschrift Qdent liefert nach und nach einen „Werkzeugkasten für die Wissenschaft in der Zahnmedizin“. Hier werden Themen erläutert, die grundlegende Kenntnisse über Strukturen und Methoden der Wissenschaft beleuchten, sowie Softskills und Arbeitsweisen für eine erfolgreiche Promotion und kontinuierliche Weiterbildung vermittelt. Den Auftakt hat die Beitragsreihe „Struktur und Aufbau wissenschaftlicher Fachartikel“ von Dr. Fabian Langenbach gemacht, gestartet in Ausgabe 3/2018, Seite 33–35.

Meist bildet der Abstract in zirka 150 bis 250 Wörtern die interne Struktur des Artikels nach (Einleitung, Material und Methoden, Ergebnisse, Fazit). Mittlerweile wird jedoch empfohlen, mit dem wichtigsten Teil des Abstracts zu beginnen, da immer mehr Suchmaschinen die ersten beiden Zeilen des Abstracts mit darstellen. Titel und Abstract sind in der Regel frei verfügbar, auch bei kostenpflichtigen Artikeln. Der Abstract ist, neben dem Titel und den Autoren beziehungsweise der Institutszugehörigkeit der Autoren und der Zitierung in anderen Quellen, das wichtigste Argument zur Vermarktung.

In der eigenen Arbeit sollte niemals ein Artikel nur auf Basis der Ergebnisse des Abstracts zitiert werden. Oft werden darin wichtige Details nicht benannt, so zum Beispiel, ob die Ergebnisse im Tierversuch oder am Menschen erzielt wurden. Damit wird ein eigentlich interessanter Artikel schnell völlig unbedeutend für die eigene Arbeit. Und schon manchem Prüfling hat eine explizite Frage des Prüfers zum Inhalt eines zitierten Artikels das Prüfungsergebnis verhagelt.

Dr. Fabian Langenbach, Quintessenz Verlag, Berlin

Die Beitragsreihe im Überblick:

  • Teil 1: „Titel und Abstract“, zuerst erschienen in der Qdent, Ausgabe 3/2018, Seite 34–35.
  • Teil 2: „Einleitung & Material und Methoden“, erschienen in Qdent, Ausgabe 1/2019, Seite 28–29, richtet sich an alle, die wissen wollen, woran man eine gute Studie erkennt. In der Einleitung wird der Leser an das Thema herangeführt, die Studie in das wissenschaftliche Fachgebiet eingeordnet sowie das verwendete Material und die Methoden beschrieben. Mit der Hypothese beziehungsweise dem Ziel der Studie schließt die Einleitung ab.
  • Teil 3: „Ergebnisse“, erschienen in Qdent, Ausgabe 4/2019, Seite 38–40, zeigt, wie Ergebnisse dargestellt und beschrieben werden, um die am Ende der Einleitung getroffene Hypothese zu untermauern oder zu widerlegen.
  • Teil 4: „Diskussion“, erschienen in Qdent, Ausgabe 2/2020, Seite 38–40, beschreibt den abschließenden Teil einer Studie, in dem die Ergebnisse in einen größeren Kontext eingeordnet und interpretiert werden.
Titelbild: Quintessence Publishing aus Qdent 3/2018